Bahnhofswald: Gezielte Desinformation? – Mit falschen Planzeichnungen für das Hotel

Ein Fiasko für die Flensburger Grünen

Ein Beitrag der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg

Die Kreisvorsitzende der Grünen untermauert in einem Beitrag auf Facebook am 10. Januar 2021 ihre Argumentation für das Hotel mit dem Hinweis auf die im Bild gezeigte Planskizze. Diese vermittelt den Eindruck, als würde das geplante Hotel im wesentlichen auf schon versiegelter Fläche errichtet – auf dem Parkplatz der Post.

Urheber dieser Darstellung ist der Flensburger Hotelbefürworter Tim Meyer-König. Sie erschien mehrmals ohne Urhebernennung auf Facebook-Posts und Kommentaren und vermittelt den Eindruck, sie sei eine offizielle Planskizze der Stadt Flensburg.

Tatsächlich handelt es sich bei dieser Darstellung um eine recht plumpe und irreführende Verfälschung. Die Auskunft der Flensburger Verwaltung hierzu lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: “Uns ist eine solche Planung nicht bekannt.” (Fachbereich Stadtentwicklung und Umweltschutz am 28.01.2021)

Dreist ist sicher der Versuch, mit dieser Falschdarstellung die tatsächliche Dimension des Hotelneubaus zu verschleiern und so auch die mit ihm einhergehende Zerstörung des Bahnhofswaldes. Wirklich brisant aber ist die Tatsache, dass die Grünen ihre Entscheidung für das Hotel (sie stimmten in der Ratsversammlung am 25.06.20 mehrheitlich für die Bauplanung) mit dieser Fälschung untermauern. Ein Ratsmitglied der Grünen hat uns gegenüber das Argument, es werde fast gar keine Fläche neu versiegelt mehrfach wiederholt, und nun schreibt die zweite Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen ebenfalls am 10.01.21 auf Facebook:

“Insofern war es keine schwarzweiß Entscheidung und die Tatsache, dass ein Großteil des zu bebauenden Geländes eben bereits versiegelt ist (nein, nicht die Fläche im Wald, ist auch klar), spielte bei der Entscheidung meines Wissens eine wichtige Rolle.”

Noch am selben Tag präsentiert die Kreisvorsitzende zum Beweis dieser Behauptung die besagte Planfälschung. Richtigzustellen ist aber: Die offiziellen Planzeichnugen belegen – völlig anders als hier dargestellt – dass dem Hotel alle Bäume entlang der Straße zum Opfer fallen und der Hotelkörper fast bist zur Grundstücksgrenze nach Süden reichen soll. Da wird es keine gerodete Grünfläche mehr geben. Tatsächlich wird nach den offiziellen Angaben die Hälfte der künftig versiegelten Fläche neu versiegelt sein (2.464 m² von 4.635 m²).

Welche Schlüsse ziehen wir daraus?
Vor allem aber: Welche Schlüsse zieht die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen?

Haben die Flensburger Grünen ihre Entscheidung pro Hotel- und Parkhausbau auf der Basis solcher Falschinformationen getroffen, dann sollten sie heute konsequent sein, ihrer Verantwortung für Klima- und Artenschutz gerecht werden und offen zugeben, dass ihre Entscheidung pro Hotelbau falsch war.

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg – c/o Christiane Schmitz Strempel und Günter Strempel, Tiesholz 1, 24941 Flensburg, Telefon: 0461 – 16 87 627 – E-Mail: bahnhofswald-fl@grain.one

Offizielle Planskizze (Baumkataster zum B-Plan Nr. 303 „Hauptpost“) der Stadt Flensburg für das Hotelprojekt am Bahnhofswald: Rot eingefärbt die Baukörper für das geplante Hotel und das Parkhaus, rosa die voll- und teilversiegelten Freiflächen, grau die bestehenden Gebäude. Gestrichelte Linie im Plangebiet: Grenze der im Bestand bereits vollversiegelten Fläche. Mit x sind die von der Fällung bedrohten Bäume gekennzeichnet. Allerdings sind die ebenfalls bedrohten „untermaßigen“ Bäume hierbei nicht berücksichtigt. –  Für eine größere Darstellung auf die Zeichnung klicken

 

Mehr zum Thema auch in dem Stadtblog-Beitrag vom 30.07.2020: Flensburger Bahnhofswald: Mit Falschinformationen die Öffentlichkeit hinters Licht führen unter:https://akopol.wordpress.com/2020/07/30/flensburger-bahnhofswald-mit-falschinformationen-die-oeffentlichkeit-hinters-licht-fuehren/

Und als Nachtrag zwei Fotos der Fläche vor und nach der Rodung:

Der Wald im Herbst 2020 – Foto: Bernd Schütt 01.11.2020

Aus der Quelle in der Mitte des Rodungs-Fotos tritt weiterhin Wasser aus und läuft in dem dunkelbraunen Streifen bis auf den Postparkplatz. Wer will, kann auf das Bild zwei Mal klicken, um es zu vergrößern und die Baumstümpfe zählen…. – Foto: Bernd Schütt 24.02.2021

Weitere Infos, Beiträge und Fotos zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

 

 

Über akopol

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Veröffentlicht am 4. Februar 2021 in Ökologie, Bahnhofswald, Bahnhofswald Flensburg, Bürgerbeteiligung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Rat & Ausschüsse, Soziales, Stadtplanung, Wirtschaft und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. Begründungsentwurf zur Vorlage RV 51/2020 vom 8. Mai 2020,
    auszugsweise Seiten: hier 78 bis 83

    Klicke, um auf Begruendungsentwurf.pdf zuzugreifen

    Und das kann jeder hier nachlesen:

    Pflanzen
    Zur Umsetzung der Planung sind erhebliche Eingriffe in den Baumbestand erforderlich.

    Tiere
    Die nachgewiesenen Fledermausarten sind erheblich betroffen durch Verlust von Quartieren.
    Verlust von Gehölzflächen des Biotopverbundes, Unterbrechung der Flugrouten.
    Brutvögel sind ebenfalls erheblich durch den Umfang der Gehölzbeseitigung betroffen.

    Mensch
    Die Geruchsemissionen, die in einem Teilbereich die gesetzlichen Grenzwerte überschreiten, machen Festsetzungen zum Ausschluss von schutzbedürftigen Räumen
    im nördlichen Teil des Planungsgebietes erforderlich.
    Die Immissionsrichtwerte werden aufgrund umfangreicher Festsetzungen für die geplanten
    Neubauten Parkhaus und Hotel eingehalten, allerdings bestehen Überschreitungen der Emmissionen durch den Betrieb des Postzentrums.

    Das Schutzgut Mensch ist erheblich betroffen.

    Tobias R., Sie Schlauer! Hätten die Stadt FL und die Ratsfraktionen den Flensbürgern zum Zeitpunkt der öffentlichen Auslegung zu ihren Plänen, diese Fakten genannt, wäre der Widerstand wahrscheinlich von Anfang an viel drastischer ausgefallen. Über Jahre konnte man also so Blöffen und Täuschen.

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  2. Ab welchem Zeitpunkt ist eine Skizze keine Skizze mehr?

    Antwort: wenn sich darauf Menschen in der planerischen Verantwortung befinden können und eigentl. müssten. Die Fl-grünen sind ja nicht doof oder können nicht gucken oder Pläne nicht lesen oder nicht auf qualifizierte Quellenangaben achten können.

    Ich habe Ihre Grafik studiert, die wie ein Foto von oben aus sieht, und die mit dem weißen großen Fragezeichen versehen wurde (von wem eigentlich?) vergrößert. Dabei fiel mir die oberhalb des Fragezeichens genannte Firma auf:

    Nazif Kapo – Immobilienmakler.

    Sein Büro ist auf der Schleswiger Straße.

    wer ist denn nun der Urheber im Sinne von §7 UhGes. ?

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  3. Grüne im Rat FL und Kreisvorsitzende Grüne haben sich am 26.6. 2020 angeblich NUR auf diese nichts-aussagende Grafik ohne Urhebernennung für ihre so weit reichende und Waldvernichtende Entscheidung bezogen??? Falls ich das richtig verstanden habe (das kann nicht sein!) ist der Flensburger grüne Märchenwald kurz vor seiner Rodung eröffnet

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    • Die Zeichnung ist nur eine Skizze, aber trotzdem weitestgehend korrekt. Eine BEGRÜNDUNG, warum sie falsch sein soll fehlt mir bis heute. Ich hätte ja wenigstens eine Markierung in der Grafik erwartet, wo sie falsch sein soll.

      Ich gehe davon aus, dass die Grünen das Thema ausgiebig in der Fraktion diskutiert und alle Argumente sorgfältig abgewogen haben, bevor sie eine Entscheidung trafen. Kann schon sein, dass sie zur Verdeutlichung des ganzen meine Grafik genutzt haben, Laien scheinen beim Lesen von Pläne ja schonmal Probleme zu haben, aber wie gesagt, grundsätzlich ist die Grafik korrekt.

      Hier alle Grafiken, die ich dazu mal gemacht habe (vor allem für’s eigene Verständnis):
      https://cloud.welcomes-you.com/s/sxoHkyrCdYZKf95

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  4. Also wer solche Artikel verfasst, voll von Vorwürfen und Behauptungen, sollte das meiner Meinung nach unter seinem Klarnamen machen.
    Desweiteren wird im 2. Begründungsentwurf zum B-PLan Nr. 303 auf Seite 78 von einer Neuversiegelung von 2035 m² gesprochen. (Wo die genannten 2464m² herkommen würde mich aber interessieren)

    Die Waldausgleichsfläche wurde mit 9678 m² festgelegt und ist damit rechtsgültig.
    Vielleicht sollte man seine Energie nicht damit vergeuden irgendwo Stöcker in Speichen zu stecken, sondern sich nützlich beim Aufforsten beteiligen.

    MfG Tobi

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    • Den Artikel lesen, die Klarnamen erfassen und dann erst kommentieren, Tobias R Punkt. Seite 78 im B-Plan, was steht denn da? und war das für den Flensbürger jemals transparent, also nachlesbar, vollziehbar und widerspruchsbegründet? Eher nicht, oder doch? Teilen Sie Ihr Wissen hier.
      Sind die Waldausgleichsflächen – 9.678 Quadratmeter zusammenhängend und bilden damit tatsächlich eine in den 50 Jahren eine nutzbringende Fläche? oder auf kleine segrative Gebiete verteilt? Hier 5 Bäumchen u. dort 20 Bäumchen? Bäume lieben ihre eigene Gesellschaft u. ihre Wurzel- und Netzwerke und kommunizieren darüber als Symbiose!
      Der Flensburger große Wald funktioniert bereits genau so !! und braucht keine Nachhilfe von Leuten wie Ihnen.

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      • https://ratsinfo.flensburg.de/vorgang/?__=UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZe0wRdmTXdfxBHTsxBCaSJI

        Hier sind alle Unterlagen einsehbar, vielleicht beantwortet das ihre Fragen.

        Die Beschlussvorlage wurde unter Top 12 am Donnerstag, 25.06.2020 mit 17 Ja-Stimmen angenommen.
        (Hier finden Sie die NIederschrift: https://ratsinfo.flensburg.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZTrWaQVOURV0_6e1_ubmY56GPEIUOlH3rFx5TfCX12Sr/Oeffentliche_Niederschrift_Ratsversammlung_25.06.2020.pdf )

        In der Beschlussvorlage heisst es:
        „Die Planung hat in der Zeit vom 19.08.2019 bis 18.10.2019 und erneut vom 02.03.2020 16.03.2020 öffentlich ausgelegen. Im Rahmen der Behördenbeteiligung sind der Seniorenbeirat, der Stadtschülerrat und der Beauftragte für Menschen mit Behinderungen beteiligt worden. Die betroffenen Stadtteilforen sindauf die öffentliche Auslegung hingewiesen worden.“

        Das Verfahren der Bauleitplanung scheint mir demnach transparent & öffentlich nachlesbar zu sein.
        Grundlage dafür ist das Baugesetzbuch. Ob es für den Laien nachvollziehbar und widerspruchsfrei ist, kann ich nicht beurteilen.

        Wie ein Wald funktioniert weiss ich leider nicht im Detail, daher kann ich das auch nicht beurteilen und verlass mich auf Expertenmeinungen. Wobei ich ziemlich sicher bin, dass eine Symbiose zwischen zwei verschiedenen Lebenswesen besteht.

        Ich hoffe, ich konnte Aufklären.
        Gute Besserung

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  5. Tim Meyer-König: Es ist übel, dass Sie mit von Ihnen gefakten Planzeichnungen Stimmung für das Hotelprojekt im Bahnhofswald und für die Investoren machen und ebenso schlimm ist es, dass die Grünen diese Zeichnung als Begründung für die Zustimmung zum Hotelprojekt benutzen. Definitiv ist Ihre Darstellung, Herr Meyer-König, falsch und das lässt sich ganz einfach durch die offizielle Planskizze der Stadt, die ja in dem obigen Beitrag enthalten ist, nachweisen. Hören Sie bitte auf mit Ihren Bildchen die Öffentlichkeit zu täuschen und zu manipulieren.

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  6. Tim Meyer-König

    Also was so alles ein Fiasko ist… Für andere ist die Nutzung einer nicht selbst erstellten Grafik ohne Quellenangabe ein journalistisches Fiasko…

    Zum Thema: Das mit Perspektive usw. muss man bei der Betrachtung natürlich schon hin kriegen. Der Grundriss ist auf den Boden projeziert und hängt nicht irgendwo in der Baumkrone.
    Außerdem sollte man Dinge nicht aus dem Zusammenhang reißen. Obiger Grafik (ja, ich bin der Urheber) ging diese Grafik voraus, die die gerodeten Grünflächen noch genauer umschreibt.
    https://cloud.welcomes-you.com/s/pZCxmGkEqLmTrzH

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