Lesetipp: „Wie wird weniger genug?“

Städte im Kampf gegen Ressourcenverbrauch und Klimawandel

Neue Publikation von Stadtverwaltung Flensburg und Europa-Universität Flensburg zeigt, wie die vernachlässigte Nachhaltigkeitsstrategie der Suffizienz in der Stadtentwicklung wirksam werden kann.

Maike Böcker, Henning Brüggemann, Michaela Christ, Alexandra Knak, Jonas Lage, Bernd Sommer: Wie wird weniger genug? Suffizienz als Strategie für eine nachhaltige Stadtentwicklung ISBN: 978-3-96238-276-6, Softcover, 96 Seiten, Erscheinungstermin: 14.01.2021, DOI: https://doi.org/10.14512/9783962388041
CC-Lizenzart: BY-NC-ND 4.0

Flensburg. Viele Städte sind unter Druck: Der Wohnraumbedarf steigt und mit ihm die Kosten für das Wohnen. Gewerbe und Handel wünschen sich zusätzlich Raum – vor allem am Stadtrand. Jedes Jahr werden mehr und immer größere Autos zugelassen, für die es Verkehrs- und Parkflächen braucht. Bislang reagieren Kommunen auf steigende Anforderungen mit Wachstum, das heißt Brachen oder Ackerland werden in Siedlungsfläche umgewandelt. Dort aber, wo Flächenkonflikte durch Wachstum gelöst werden, kollidiert dies mit Nachhaltigkeitszielen; mit der Reduktion von Emissionen oder dem schonenden Umgang mit Ressourcen.

Eine entscheidende Frage der gegenwärtigen Stadtentwicklung lautet daher: Wie wird weniger genug? Wie gelingt es, die Stadt für alle Menschen bezahlbar und lebenswert zu machen, ohne immer mehr Ressourcen zu verbrauchen? Die Nachhaltigkeitsstrategie der Suffizienz setzt auf Verhaltensänderung anstelle von Wachstum, um diese Ziele zu erreichen. Suffizienz in der Stadtentwicklung bedeutet, die städtische Infrastruktur so umzubauen, dass ressourcenarmes Leben einfach und alltagstauglich wird. Suffizienz begünstigt öffentlichen Wohlstand und schränkt privaten Luxus ein. Konkret heißt das, die Innen- vor Außenentwicklung, funktionsgemischte Quartiere, die Stadt der kurzen Wege, gemeinschaftliches Wohnen und großzügige öffentliche Freiräume zu fördern.

In der Praxis ist diese Strategie nicht einfach umzusetzen. Konflikte sind vorprogrammiert, wenn Parkflächen reduziert, Neubaugebiete eingeschränkt und Spielstraßen vergrößert werden sollen. Angesichts wachsender Flächenkonkurrenz stehen Kommunen so vor der Herausforderung, Interessen gegeneinander abzuwägen, Konflikte zu moderieren und Lösungen anzubieten. Wie das konkret aussehen kann, damit haben sich Mitarbeitende der Stadt Flensburg und des Norbert Elias Center der Europa-Universität Flensburg über drei Jahre hinweg in einem transdisziplinären Forschungs- und Entwicklungsvorhaben beschäftigt, darunter der Bürgermeister und Kämmerer der Stadt, Henning Brüggemann.

Die Ergebnisse der Untersuchung, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 530 000 Euro gefördert hat, haben die insgesamt sechs Autor*innen Maike Böcker, Henning Brüggemann, Michaela Christ, Alexandra Knak, Jonas Lage und Bernd Sommer in einer Publikation zusammengetragen. In dem Projekt ergänzen wissenschaftliche und kommunalpolitische, theoretische und praktische Perspektiven einander. Die Unterschiede der vorgestellten Handlungslogiken führen zu einem tiefergehenden Verständnis und damit zur Erweiterung von Handlungsoptionen. So diskutieren die Autor*innen Suffizienz als kommunale Nachhaltigkeitsstrategie, benennen Hindernisse – wie etwa den Zwang zum Wachstum der gegenwärtigen Wirtschafts- und Sozialordnung -, stellen gelungene Beispiele aus der Praxis vor, fragen danach, was suffizienzorientiertes Verwaltungshandeln auszeichnet und zeigen auf, was sofort getan werden kann.
„Wie wird weniger genug“ erscheint am heutigen Donnerstag (14.1.) als Buch oder Open Access PDF im Oekom-Verlag: https://www.oekom.de/buch/wie-wird-weniger-genug-9783962382766

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Veröffentlicht am 14. Januar 2021, in Ökologie, Bürgerbeteiligung, Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Soziales, Stadtplanung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Zitat aus der Einleitung dieser Publikation: „Städte im Kampf gegen Ressourcenverbrauch und Klimawandel“
    Ich frage: Welcher „Kampf„, am Beispiel der Stadtverwaltung Flensburg, soll denn damit überhaupt gemeint sein und WO genau an welcher Stelle wird geg. Ressourcenverbrauch und Klimawandel „gekämpft“ ?
    Am Bahnhofswald und der Zerstörung von Kleingartenanlagen, um nur mal zwei präsent zu nennen, wird FÜR die Klimaveränderung geradezu emsig gearbeitet.

    Zitat: „Neue Publikation von Stadtverwaltung Flensburg und Europa-Universität Flensburg zeigt, wie die vernachlässigte Nachhaltigkeitsstrategie der Suffizienz in der Stadtentwicklung wirksam werden kann“

    Sorry. Ich übersetze, wie ich das verstehe: Die Stadtverwaltung Flensburg finanziert eine Untersuchung darüber, dass eine Vernachlässigung einer Nachhaltigkeits-Strategie „Suffizienz“ stattgefunden hat – und wie man die jetzt nachbessern könne. Aha.

    Damit wird aber der Saulus nicht zum Naturschützer, im Gegenteil am Beispiel „BahnhofsWald“ wird hier NATUR gegen Silber verkauft.

    Wieso halten sich Leute wie Simone Lange o. Brüggemeier nicht an ihre von ihnen finanzierten schriftlichen Erkenntnisse darüber, dass weniger Flächenverbrauch auch viel mehr sein können muss? Oder auch, wieso habe ich entlang der Bahnhofstraße nirgendwo auch nur ein Plakat der symbolischen „Sonnenblume“ der Bündnis 90/Die Grünen gesehen?? Ätschi Bätschi= hier nicht zuständig.

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