Vorerst keine Einlagerung von Atomschutt auf der Deponie Balzersen in Harrislee

„Atomschutt-Blockade“ am 31. Oktober 2020: 1.500 Menschen protestierten mit einer Fahrzeug-Demo an der dänischen Grenze gegen die mögliche Zwangszuweisung von Bauabfällen aus kerntechnischen Anlagen auf die Müll-Deponie in Harrislee – Foto: Bürgerinitiative Atommüll Einlagerung Stopp Harrislee

Land will Abfälle des KKW Brunsbüttel den Deponien Lübeck-Niemark und Johannistal zuweisen

KIEL, 13.01.2021. Die bis Ende 2022 zur Entsorgung auf Deponien anstehenden herkömmlichen Abfälle des Kernkraftwerks Brunsbüttel sollen nach dem Willen des Umweltministeriums auf den Deponien Lübeck-Niemark und Johannistal in Ostholstein abgelagert werden. Dies geht aus dem Entwurf von Anordnungen des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) hervor, der den beiden Deponiebetrieben jetzt zur Anhörung zugeleitet wurde. Ich bedauere, dass es bislang nicht überall gelungen ist, eine freiwillige Lösung für die Deponierung nicht-radioaktiver Abfälle aus den Kernkraftwerken im Land zu finden, sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht heute in Kiel: Die Entsorgung herkömmlicher Bauabfälle aus Kernkraftwerken muss im Zuge des Rückbaus gewährleistet sein. Als Land haben wir konstruktiv daran mitgewirkt, Lösungen zwischen den Kraftwerksbetreibern und der Entsorgungswirtschaft zu finden. Wenn es zwischen beiden Seiten zu keinen freiwilligen Vereinbarungen kommt, müssen wir das rechtliche Instrument von Zuweisungen nutzen, um die Deponierung der Stoffe gewährleisten zu können.

Mit dieser Absichtserklärung schafft das Umweltministerium Klarheit nach einer langen Phase der Information, der Diskussion und der Prüfung. In Frage gekommen wären nach einer Vorauswahl entsprechend von Eignungskriterien auch die Deponien Wiershop und Harrislee sowie Großenaspe. Auf der Deponie Wiershop werden jedoch im Rahmen einer einvernehmlichen Lösung bereits Abfälle aus dem nahegelegenen Kernkraftwerk Krümmel abgelagert. Damit übernehmen die Deponie und die Region einen wesentlichen Teil dieser Entsorgungsaufgabe. Ausschlaggebend für die beabsichtigte Zuweisung an die Deponien Niemark und Johannistal war vornehmlich der breite Katalog der zugelassenen Abfallarten, die geeigneten technischen Umsetzungsmöglichkeiten, aber auch deren verfügbares Restvolumen.

Albrecht verwies darauf, dass eine Gesundheitsgefährdung von Menschen mit der Deponierung ausgeschlossen ist. Es ist mir bewusst, dass einige Menschen die Ablagerung freigegebener Abfälle von Kernkraftwerksstandorten beunruhigend finden. Dies geht aus vielen besorgten Eingaben an die Landesregierung und einigen kommunalpolitischen Beschlüssen hervor. Diese Sorgen kann und will ich nehmen: Mit der Deponierung dieser nicht-radioaktiven Abfälle geht definitiv keine Gefährdung der Gesundheit einher, so Albrecht.

Bei dem zu deponierenden Material handelt es sich um sogenannte freigemessene und freigegebene Abfälle. Mit dem Freigabeverfahren wird gewährleistet, dass keine Person der Bevölkerung durch den Umgang mit freigegebenen Abfällen mit einer effektiven Dosis von mehr als 10 Mikrosievert pro Jahr belastet wird.

Ursprünglich hatte die Landesregierung auch die Deponie Balzersen in Harrislee für die Einlagerung von Bauabfällen schleswig-holsteinischer AKWs in Betracht gezogen. Der Hauptausschuss der Gemeinde hatte sich aber bereits am 06.07.2016 mit einem einstimmigen Votum gegen die Deponierung von Bauabfällen aus kerntechnischen Anlagen ausgesprochen. Die Gemeindevertretung Harrislee folgte am 14. Juli 2016 ebenso einstimmig mit einem gleichlautenden Beschluss (mehr dazu hier). Auch die dänischen Grenzgemeinden lehnen die Pläne der Landesregierung ab. Die Bürgerinitiative Atommüll Einlagerung Stopp Harrislee hatte Ende Oktober eine Atomschutt-Blockade organisiert, an der mehr als 1.500 Menschen teilnahmen. 

Atomschutt Hintergrundwissen (Information der Bürgerinitiative)

Die Atomindustrie hat die billigste Methode durchgesetzt, um sich ihrer strahlenden Abrissabfälle zu entledigen: Sie kippt den Atomschrott auf Deponien ab, gibt ihn in die Müllverbrennung und an Recyclingbetriebe. Auf diese Weise werden radioaktive Stoffe irreversibel in der Umwelt verteilt. Die Bevölkerung bezahlt das mit ihrer Gesundheit.

Die Atomaufsicht in Kiel ignoriert seit Jahren Warnungen der Ärzteschaft und von Umweltorganisationen, die das Verfahren aufgrund der Gefahren für Mensch und Umwelt ablehnen. Anstatt jedoch die Einwände von Fachorganisationen und Betroffenen ernst zu nehmen und alternative Entsorgungskonzepte wissenschaftlich anzugehen, hat sich Umweltminister Jan Philipp Albrecht entschieden, der Absage von Gemeinden, Deponiebetreibern und Bevölkerung mit Zwangszuweisungen zu begegnen – ein politischer Bankrott.

Mehr über die Atomschutt-Problematikauf der Internetseite der Bürgerinitiative Atommüll Einlagerung Stopp Harrislee  baesh.de .

Stellungnahme der Bürgerinitiative Atommüll Einlagerung Stopp Harrislee zur Erklärung des Umweltministeriums zu ersten Zwangszuweisungen von freigemessenen Abfällen aus dem AKW Brunsbüttel: Ankündigung des Uweltministeriums zur Zwangszuweisung von Atomschutt: „Kein Grund zur Freude“ unter: https://akopol.wordpress.com/2021/01/14/ankuendigung-des-uweltministeriums-zur-zwangszuweisung-von-atomschutt-kein-grund-zur-freude/

Siehe dazu auch den AKOPOL-Beitrag vom 14.01.2021: SSW zur geplanten Zwangszuweisung von AKW-Bauschutt: Diese Diskussion ist nicht vom Tisch
unter: https://akopol.wordpress.com/2021/01/13/ssw-zur-geplanten-zwangszuweisung-von-akw-bauschutt-diese-diskussion-ist-nicht-vom-tisch/

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Veröffentlicht am 13. Januar 2021, in Ökologie, Bürgerbeteiligung, Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Soziales, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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