1.075 Wohnungen wechseln in der Region Flensburg den Besitzer

Umstrittener Wohnungskonzern LEG Immobilien AG übernimmt privaten Wohnungsbestand und Gewerbeimmobilien in Glücksburg, Harrislee und Flensburg

Ein Beitrag von Jörg Pepmeyer

Einer der größten Immobiliendeals der letzten Jahre wurde in den vergangenen Wochen in Flensburg abgewickelt. Bereits im Juni dieses Jahres hat die Düsseldorfer LEG Immobilien AG 1.075 Wohn- und 7 Gewerbeeinheiten in Glücksburg, Flensburg und Harrislee mit einer Gesamtmietfläche von rund 70.000 m² im Rahmen eines Privatverkaufs erworben. Zum 1. August übernahm sie dann auch offiziell die Bewirtschaftung der Bestände in der Region Flensburg, davon 143 Wohnungen in Harrislee und 43 Wohnungen in Glücksburg. Der Vermietungsstand der Wohnungen liegt bei aktuell 97 Prozent und das durchschnittliche Mietpreisniveau bei rund 5,79 Euro/m² p.m., so die LEG in einer Pressemitteilung zum Kauf. Der Flensburger Wohnungsbestand des Unternehmens konzentriert sich in den Stadtteilen Mürwik und Weiche. Die Wohnungen werden vor allem von Menschen mit mittleren und kleinen Einkommen bewohnt, die für die LEG  eine besondere Zielgruppe darstellen.

Da der Ankauf der Wohnungen im Rahmen eines größeren Deals der LEG mit insgesamt 7.500 Wohneinheiten erfolgte, stehen diese Transaktionen jeweils noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden.

Der Kauf der Wohnungen ist Teil einer aggressiven Expansionsstrategie des Unternehmens, das bereits in den letzten Jahren durch Zukäufe seine Marktposition erheblich ausbauen konnte. Steigende Mieten haben dem DAX-notierten Immobilienkonzern im vergangenen Jahr zudem einen erheblichen Gewinnsprung beschert. Wie das Handelsblatt am 9.3.2020 meldete, stieg der operative Gewinn 2019 im Jahresvergleich um 7,1 Prozent auf 341,3 Millionen Euro.
Nach Angaben des Deutschen Mieterbundes gehen rein rechnerisch 44 Cent von jedem Euro Miete an die Aktionäre. Großaktionär bei LEG ist die Hedgefondgesellschaft BlackRock.
Die LEG ist mit rund 137.000 Mietwohnungen und rund 370.000 Bewohnenden hinter Vonovia (411.236 WE) und Deutsche Wohnen (161.500 WE) das drittgrößte Wohnungsunternehmen in Deutschland. Die LEG ist  allerdings nicht nur durch ihre expansive Unternehmenstrategie in den Fokus der öffentlichen Berichterstattung geraten, sondern auch durch den wenig zimperlichen Umgang mit den MieterInnen.

Siehe dazu auch den Beitrag vom 17.08.2020 in den Westfälischen Nachrichten: Mieter des Wohnungskonzerns LEG demonstrieren – Hohe Rendite, wenig Rücksicht unter: https://www.wn.de/Muenster/4253309-Mieter-des-Wohnungskonzerns-LEG-demonstrieren-Hohe-Rendite-wenig-Ruecksicht

Mitteilung des Deutschen Mieterbundes vom 19.08.2020: Kritik an Dividendenpolitik und Wohnungsbewirtschaftung der LEG.: 44 Cent von jedem Euro Miete gehen an die Aktionäre. Mieter haben das Nachsehen. unter: https://www.mieterbund-nrw.de/startseite/news-details/kritik-an-dividendenpolitik-und-wohnungsbewirtschaftung-der-leg44-cent-von-jedem-euro-miete-gehen-an-die-aktionaere-mieter-haben-das-nachsehen

Zur Unternehmensseite der LEG und der Pressemeldung zur Übernahme der Wohnungen in Flensburg geht es hier

Handelsblatt vom 9.3.2020: LEG erzielt deutliche Gewinnsteigerung unter: https://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/immobilienmarkt-leg-erzielt-deutliche-gewinnsteigerung/25623730.html

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Veröffentlicht am 27. August 2020 in Bürgerbeteiligung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Soziales, Stadtplanung, Wirtschaft und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Fragen: Wie „privat“ ist ein Immobilienbesitzer eigentlich noch, wenn er über einen so hohen Bestand verfügt? Und frei wie ein Vogel sich auf dem Markt verkaufen kann, ohne dass die Stadt Flensburg darüber ein Wörtchen mit redet?
    Ich vermute mal, die Stadt Flensburg könnte sich herausreden mit genau diesem „privaten“ Argument, gegen das sie nicht ankäme. Wirklich nicht? Weder der Stadtverwaltung noch den Ratsherren ist seit Jahren unbekannt, wie eng der Flensburger Wohnungsmarkt ist, oder eng gehalten wurde. Ich lese die Aussage der LEG, der durchschnittl. Quadratmeterpreis betrüge 5,79 EUR; Das Gegenteil kann ich nicht beweisen aber da bleibt viel Unglaube zurück, selbst durchschnittlich verdienende Wohnungssuchende können schon seit 10 Jahren nicht mehr mithalten, die LEG frisst Kreide mit ihrer Behauptung, „alles wird so bleiben“.
    Die Stadt Flensburg lässt sich in diesem Fall schon wieder ihr Tafelsilber vor ihrer Nase wegschnappen. Nun warte ich nur noch auf das Wort „Alternativlos“ !

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