Archiv für den Tag 17. Juli 2020

Trend zur Kartenzahlung: Bezahlen ohne Bargeld wird in der Pandemie beliebter

Im Internet kursieren Gerüchte und Verschwörungsgeschichten über ein geplantes Bargeldverbot. Zugleich wird die Kartenzahlung in der Corona-Pandemie beliebter und einzelne Unternehmen haben aus hygienischen Gründen die Barzahlung eingeschränkt. Doch eine Abschaffung des Bargelds ist höchst unwahrscheinlich.

Noch vor einem Jahr war Bargeld in Deutschland das beliebteste Zahlungsmittel. Das könnte sich mit der Corona-Pandemie ändern. Aus Sorge vor einer Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zücken viele Menschen an der Kasse mittlerweile häufiger die Girocard, Kreditkarte oder das Smartphone mit NFC Chip. Viele Händler bitten um Kartenzahlung und ermöglichen diese auch bei kleinsten Beträgen. Einzelne gehen noch einen Schritt weiter und nehmen kein Bargeld mehr an – so berichtete es zum Beispiel ein Verbraucher aus Schleswig-Holstein, der am Bestellschalter bei einer Fastfood-Kette ein Schild mit dem Hinweis „no Cash“ gesehen hatte.

Händler dürfen Barzahlung einschränken

In Deutschland sind Euro-Banknoten das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel. Das heißt, grundsätzlich müssen Händler und Dienstleister Bargeld akzeptieren. Sie haben aber die Möglichkeit, mit einer Vereinbarung oder in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) die Barzahlung einzuschränken oder auszuschließen. Wichtig dabei: In diesem Fall müssen die Anbieter ihre Kunden deutlich und rechtzeitig darauf hinweisen, etwa mit einem gut erkennbaren Aushang. Ein typisches Beispiel sind Aufkleber an Tank-Zapfsäulen oder Kiosken, die deutlich machen, dass große Geldscheine nicht angenommen werden. „So ein Aushang gilt als AGB. Er muss aber so angebracht sein, dass Kunden diese Information vor dem Tanken oder vor einer Bestellung sehen können“, erläutert Christine Hannemann von der Verbraucherzentrale in Flensburg. Wenn ein Geschäft die Barzahlung ausschließt, muss der Betreiber also schon am Eingang deutlich erkennbar darauf hinweisen. Mögliche Einschränkungen gibt es auch beim Kleingeld. Wer versucht, den Einkauf oder die Tankfüllung mit einer Dose voller Münzen zu bezahlen, könnte Schwierigkeiten bekommen. Händler müssen aufgrund einer gesetzlichen Regelung  höchstens 50 Münzen bei einer einzelnen Zahlung annehmen.

Gute Gründe für das Bargeld

Vielen Verbraucher*innen ist die Barzahlung nach wie vor wichtig. Dafür gibt es gute Gründe: Barzahlung macht es einfacher, den Überblick über die eigenen Ausgaben zu behalten. Bei Diebstahl oder Verlust von Bargeld ist der Schaden meist überschaubar. Dazu hinterlässt Barzahlung keine Spuren persönlicher Daten. Auch die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus über Münzen und Banknoten ist nach Angaben der Bundesbank äußerst gering. Geldscheine sind demnach aufgrund ihrer Beschaffenheit wenig geeignet, Krankheitserreger zu übertragen.

Gerüchte über Bargeldverbot

In Online-Medien und sozialen Netzwerken verbreiten sich Gerüchte über eine geplante Abschaffung des Bargelds. Für solche Behauptungen gibt es aber keine Grundlage. „Die Bargeld-Abschaffung wäre ein massiver Eingriff in den alltäglichen Datenschutz bei einem sehr überschaubaren Nutzen“, so Christine Hannemann. Elektronische Zahlungen können gespeichert und nachverfolgt werden. Dazu wäre man immer auf komplexe Technik angewiesen, die zum Schutz vor Manipulation ständig fortentwickelt werden muss. Ein Bummel über den Flohmarkt, eine Kugel Eis am Strand und jedes andere mobiles Geschäftsmodell benötigt für sichere Zahlungsvorgänge geschützte Datenverbindungen und zuverlässige Stromversorgung.

Der Trend geht weg vom Bargeld

Der Einzelhandel wird dennoch künftig immer mehr zur bargeldlosen Zahlung drängen. Bargeldbewirtschaftung ist teuer, Lagerung und Transport müssen bezahlt werden. Wer die Girokarte in der Pandemie häufiger zum Bezahlen nutzt, hat dadurch – je nach Kontomodell – möglicherweise zusätzliche Kosten. Bei manchen Konten wird für jede einzelne bargeldlose Zahlung ein Entgelt fällig. Das lässt sich vermeiden, indem man ein Konto mit günstigen Konditionen wählt.

Mehr Tipps für  Verbraucher in der Corona-Epidemie

%d Bloggern gefällt das: