Flensburger Werft verliert Bauauftrag für Ro-Pax-Fähre im Wert von 165,2 Mio. Euro

Flensburger Werft in turbulentem Fahrwasser – Foto: Jörg Pepmeyer

Irischer Fährbetreiber ICG kündigt Vertrag für Schiffsneubau, dessen Lieferung für Mitte 2020 geplant war.

Ein Beitrag von Jörg Pepmeyer

Wie das Internetportal shippax meldet, hat die Irish Continental Group den Auftrag für eine Ro-Pax-Fähre bei der FSG mit der Baunummer 777 storniert.
Was sich bereits seit mehreren Wochen angedeutet hatte, wurde am 11. Juni in einer Mitteilung der Irish Continental Group (ICG) bestätigt: Irlands führender Fährbetreiber, auch bekannt unter seiner Marke „Irish Ferries“, hat den Vertrag mit der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) für den Bau einer Ro-Pax-Fähre mit einer Kapazität von 5.610 Spurmetern und 1.800 Passagieren für die Strecke Dublin-Holyhead gekündigt.
Die Entscheidung, den am 2. Januar 2018 vereinbarten Vertrag über 165,2 Mio. EUR zu kündigen, ist angesichts der verspäteten Lieferung der WB YEATS von FSG an die ICG und der Tatsache, dass der Bau des Neubaus noch nicht einmal offiziell begonnen hat, keine Überraschung. Maßgeblich für die Entscheidung ist auch, dass sich die Werft derzeit in einem Insolvenzverfahren befindet und die Zukunft des Unternehmens ungeklärt ist.
Im Rahmen des ursprünglichen Vertrags mit der Werft zahlte ICG für den angedachten Neubau der Fähre eine Kaution in Höhe von 20% des Kaufpreises in Höhe von 33 Mio. EUR. Die restlichen 80% wären bei Auslieferung des Schiffes für Mitte 2020 fällig gewesen. Laut ICG war diese Kaution durch Garantien Dritter geschützt und wurde nun an ICG zurückgegeben.

Für beide Seiten ist die Auflösung des Vertrages jedoch vorteilhaft und offenbar einvernehmlich erfolgt. So beklagt die ICG coronabedingt einen enormen Einbruch bei der Zahl der Fährpassagiere und des Frachtaufkommens. Eine kostendeckende Auslastung des neuen Fährschiffs wäre somit kaum möglich gewesen. Die Flensburger Werft hatte bereits durch die verspätete Ablieferung der WB Yeats an die ICG und enormer Probleme beim Bau der Fähre einen millionenschweren Verlust hinnehmen müssen. Hätte sie tatsächlich versucht das neue Schiff zu bauen, wären wiederum hohe Vertragsstrafen fällig geworden, da sie das auf keinen Fall fristgerecht hätte abliefern können. Zudem halten Schiffbauexperten den ausgehandelten Preis für zu niedrig kalkuliert. So kann die Werft eigentlich froh sein, dass dieser Kelch an ihr vorüber gegangen ist. Zusätzlich ist damit erheblicher Druck aus möglichen Verhandlungen mit Investoren zur weiteren Zukunft der Werft genommen worden.

Mehr Infos zu der Vertragsstornierung auf der Webseite von shippax (auf englisch): https://www.shippax.com/en/news/irish-continental-group-confirms-cancellation-of-fsgs-yard-number-777.aspx

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Veröffentlicht am 12. Juni 2020 in Daten und Zahlen, Flensburg News, Soziales, Wirtschaft und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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