Umzug des Flensburger Wirtschaftshafens: Sinnvoller Ausbau des Hafen-West für 3 Mio. Euro?

Umzug des Wirtschaftshafens an das Stadtwerke-Ufer: SPD, Grüne, CDU und FDP wollen nicht mehr als 3 Mio. Euro ausgeben – Foto: Jörg Pepmeyer

Die Flensburger Ratsfraktionen von CDU, SPD, Grünen und FDP  halten die in der Machbarkeitsstudie zur Verlagerung des Wirtschaftshafens genannten Kosten von 25 Mio. Euro für einen sinnvollen Ausbau des Hafens-West für überhöht und wollen lediglich 3 Mio. Euro dafür ausgeben. Nach geltender Beschlusslage soll der Umzug bis zum 1. Januar 2023 abgewickelt werden. Die Hafenwirtschaft und die IHK Flensburg halten einen Kostenrahmen von 3 Mio. für unrealistisch.

Dazu ein Beitrag der Bürgerinitiative Flensburger Hafen

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Es ist schon faszinierend, wie Menschen an einer Entscheidung festhalten, auch wenn sich zusehends zeigt, dass diese gegebenenfalls eine falsche Entscheidung war. Die Lage hat sich in den letzten Monaten aufgrund der Pandemie drastisch geändert. Die Stadt Flensburg wird sich zusätzlich um mindestens 40 Millionen Euro verschulden müssen. Das hat der Stadtkämmerer Herr Brüggemann ja bereits bekannt gegeben. Eine Lageveränderung bedarf auch einer entsprechend neuen Bewertung. Diese findet zurzeit bei den vier Ratsfraktionen nicht statt. Die Bürgerinitiative Flensburger Hafen e.V. hat bereits im Juni letzten Jahres Zahlen veröffentlicht, die jetzt durch die beauftragte Machtbarkeitsstudie auch noch bestätigt wurden.

Die Hafenwirtschaft wurde in einer Steuerungsgruppe aufgefordert, ihren minimalen Bedarf aufzustellen, um den Wirtschaftshafen auf der Westseite nachhaltig betreiben zu können. Herr Axel Kohrt (SPD) benennt diesen Bedarf als ambitioniert. Herr Kohrt scheint ein sehr versierter Mensch zu sein, obwohl für viel Geld eine Studie beauftragt wurde, widerspricht Herr Kohrt dieser. Bewertet auch die Aussagen der IHK als unrealistisch und unglaubwürdig. Herr Stefan Thomsen, Sprecher der Grünen, meint, man könne den Westhafen auch später ausbauen. Im Flensburg Journal vom 23. Juni 2018 wird unter dem Titel „Sandland“ berichtet, dass die möglichen Kiesabbaugebiete in unserer Region überwiegend in Naturschutzgebieten liegen. Möchte Herr Thomsen von den Grünen diese zukünftig entwidmen, wie auch schon den Bahnhofswald? Dann würden sicherlich die Kiesvorräte 150 Jahre vorhalten.

Kurzum scheinen die vier Ratsfraktionen einen besseren Wissenstand zu haben, als all die aufgestellten Studien. Aber die entsprechen leider nicht dem, was man gerne sehen beziehungsweise glauben möchte. Von vielen Seiten – wie zum Beispiel Ministerien in Schleswig-Holstein oder Bürgerinitiativen – beauftragte oder erarbeitete Studien und Expertisen belegen, dass das Konzept eines rein urbanen Gebietes auf der Ostseite des Hafens und die Verlegung des Wirtschaftshafens auf die Westseite für eine Stadt wie Flensburg mit ihrer immens hohen Verschuldung utopisch ist.

Herr Schmidt-Skipiol (Kapitän z.S. a.D. der Bundeswehr) müsste es eigentlich wissen. Eine neue Lage erfordert eine neue Bewertung. Man muss sich doch wirklich fragen, welche Ziele werden hier tatsächlich verfolgt, bzw. wo liegen hier die wahren Prioritäten?

Die Hafen-Ostseite muss saniert werden – keine Frage. Aber bitte nach den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit, und nicht um jeden Preis. Unsere Empfehlung: Der Wirtschaftshafen bleibt, wo er ist, und man saniert das Hafen-Ostgebiet zu einem erlebbaren Hafen, ggf. mit überschaubarer Wohnbebauung. Auch ohne Fördermittel wesentlich günstiger, vernünftiger und realistischer.

Bürgerinitiative Flensburger Hafen e.V. Der Vorstand

Bürgerinitiative Flensburger Hafen e. V.
Der Vorstand

Zum Hintergrund:

Im Rahmen der Diskussion und politischen Beschlusslage zur Zukunft des Wirtschaftshafens am Ostufer hatten die Stadt bzw. die Stadtwerke Flensburg im letzten Jahr eine Machbarkeitsuntersuchung zum Bauvorhaben Verlagerung des Hafenumschlags an die Westseite des Flensburger Hafens bei den Beratungsunternehmen WK Consultants und CPL in Auftrag gegeben. Mit Stand 11.09.2019 werden in der Studie verschiedene Lösungsvarianten zur Verlegung des Hafenumschlags an die Hafen-Westseite, zur Ertüchtigung und Verlängerung der Kaikante bei den Flensburger Stadtwerken und den Neu- und Umbau der notwendigen Hafen-Infrastruktur vorgestellt. Die Studie kommt dabei für die jeweiligen Varianten auf Kosten zwischen 10 und 38 Mio. Euro. Die Investitionen für einen wirklich sinnvollen Ausbau des Hafens-West würden bei mindestens 25 Mio. € liegen.

Siehe dazu auch den AKOPOL-Beitrag vom 16.01.2020: Machbarkeitsstudie zum Umzug des Flensburger Wirtschaftshafens: Es wird erheblich teurer als gedacht
unter: https://akopol.wordpress.com/2020/01/16/machbarkeitsstudie-zum-umzug-des-flensburger-wirtschaftshafens-es-wird-erheblich-teurer-als-gedacht/

Mehr Informationen zum Thema Hafenumzug hier

und ebenso auf der Homepage der Bürgerinitiative Flensburger Hafen e.V. unter: https://flensburg-hafen.de/

 

Über akopol

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Veröffentlicht am 19. Mai 2020, in Ökologie, Daten und Zahlen, Flensburg News, Ostufer und Hafen, Rat & Ausschüsse, Soziales, Stadtplanung, Stadtwerke, Stadtwerke Flensburg, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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