Archiv für den Tag 10. Mai 2020

„Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“ – Zahlreiche Teilnehmer*innen bei Gedenkveranstaltungen zum 8. Mai in Flensburg

Auf dem Weg zum Mahnmal auf dem Friedenshügel: (v. l. n. r.) Justus Klebe, SPD Vorsitzender Flensburg, Jochim Sopha, DGB Vorsitzender Flensburg, Ludwig Hecker, VVN-BdA, LINKE-Ratsfrau Gabriele Ritter, Oberbürgermeisterin Simone Lange, Stadtpräsident Hannes Fuhrig

Ein Bericht und Fotos von Jörg Pepmeyer

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung vom völkermordenden Nazifaschismus gab es mehrere Gedenkverantaltungen in Flensburg. Auf dem Friedenshügel versammelten sich rund 50 Menschen, um der Opfer von Faschismus und Krieg zu gedenken. Ebenso versammelten sich am Deserteursdenkmal in der Roten Straße und am Hebroni-Mahnmal vor dem Polizeipräsidium zahlreiche Menschen, um der Opfer der Nazigräuel zu gedenken.

Ludwig Hecker spricht am VVN-Mahnmal auf dem Friedenshügel

Ludwig Hecker von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVNBdA) erinnerte in seiner Ansprache am VVN-Mahnmal an die Häftlingstransporte mit den beiden Dampfern Olga Siemers und Rheinfels, bei der hunderte von KZ-Häftlingen unter elendigsten Bedingungen in den letzten Kriegstagen in Flensburg förmlich strandeten und erst nach Tagen mit Wasser und Nahrung versorgt wurden. Währenddessen waren unzählige Häftlinge bereits dem Tode geweiht oder schon verstorben. Viele von ihnen wurden später auf dem Friedenhügel bestattet.

Auch Stadtpräsident Hannes Fuhrig und Oberbürgermeisterin Simone Lange gedachten der Opfer. Simone Lange wies in ihrer Ansprache daraufhin, dass es Aufgabe aller Bürger*innen sei, allen nazistischen, rechtsautoritären und antidemokratischen Bestrebungen entgegen zu treten, das sei die Lehre aus der Geschichte, die es nicht zu vergessen gilt.

Joachim Sopha spricht zu den Anwesenden, rechts im Bild Oberbürgermeisterin Simone Lange und Stadtpräsident Hannes Fuhrig

Joachim Sopha, Flensburger DGB-Vorsitzender schilderte, wie auch viele ehemals gewerkschaftlich organisierte Arbeiter*innen sich ohne Widerstand dem Nazisystem unterordneten und es aktiv unterstützten. Dies dürfe niemals wieder geschehen.

Ludwig Hecker und LINKE-Ratsfrau Gabriele Ritter gedenken der Opfer von Faschismus und Krieg

Zahlreiche Flensburger*innen legten am VVN-Mahnmal Blumengebinde und Kränze ab.

Am Deserteursdenkmal in der Roten Straße berichtete Siglinde Cüppers von der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) über den Ablauf der  letzten Kriegstage in Flensburg und die Hinrichtung von angeblichen Deserteuren und „fahnenflüchtigen“ Marinesoldaten, sogar noch nach der Teilkapitulation am 4. Mai und der Gesamt-Kapitulation am 8. Mai.

Siglinde Cüppers spricht am Deserteuersdenkmal

So wurden am 5. Mai 1945 die drei Matrosen, Karl-Heinz Freudenthal, Günther Kaellander und Willi Albrecht, auf dem Schießplatz Twedter Feld hingerichtet. Einen Tag später am 6. Mai 1945 folgte die Hinrichtung des Kaptänsleutnants Asmus Jepsen, zwei Tage nachdem in Norddeutschland die offizielle Kapitulation bereits vollzogen worden war. Am 10. Mai wurden drei weitere „fahnenflüchtige“ Marineangehörige standrechtlich erschossen. Der für diesen Mord verantwortliche Marineoffizier und in dem Schnellgerichtsprozess verantwortliche „Gerichtsherr“ Rudolf Petersen wurde in einem Gerichtsverfahren 1953 von jeder Schuld freigesprochen. Insgesamt wurden rund um Flensburg in den letzten Kriegstagen auf Grund von wehrmachtgerichtlichen Urteilen mindestens 150 Soldaten hingerichtet.

Getreu der Losung des Schwurs von Buchenwald: Kranzniederlegung am Deserteursdenkmal

Ralf Cüppers spricht am Hebroni-Mahnmal

Am Hebroni-Mahnmal beim Polizeipräsidum am Norderhofenden schilderte Siglinde Cüppers wie kurz vor und nach Kriegsende führende Nazis Unterschlupf in Flensburg fanden und zum Teil mit neuer Identität ausgestattet, ihre weitere Flucht organisieren konnten. (Mehr dazu auch in dem sehr guten NDR-Beitrag:  Als die SS-Verbrecher nach Flensburg kamen https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Als-die-SS-Verbrecher-nach-Flensburg-kamen,kriegsende348.html )

Ralf Cüppers, ebenfalls von der DFG-VK, erinnerte daran, wie in den fünfziger Jahren viele Nazis trotz ihrer verbrecherischen Taten während der NS-Zeit nicht nur in Flensburg wieder wichtige Positionen in Staat und Gesellschaft bekleiden konnten. Auch heute sei angesichts der AfD, neu entstandener faschistischer Netzwerke und rechtsautoritärer Tendenzen in Deutschland der Kampf gegen den Faschismus immer noch aktuell. Es gelte weiterhin den von den Allierten auf der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 gefassten Beschluss, den Faschismus und Militarismus in Deutschland ein für alle mal auszurotten, konsequent umzusetzen.

Etwa 25 Menschen nahmen an der Gedenkveranstaltung vor dem Hebroni-Mahnmal teil

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