Gilt das noch – nach Corona?

Ein Beitrag von Dr. Helmreich Eberlein

Am 30.4. begann das Flensburger Tageblatt die neue Serie „Wie wird die Welt nach der Corona-Krise aussehen?“ Die Frage ist sehr berechtigt, denn ein Zurück zu einem Leben, als wäre nichts gewesen, wird es nicht geben. Das gilt in vielfacher Hinsicht, und es gilt auch für die Stadtplanung.

„Die Stadt Flensburg hat für den Bahnhofsbereich einen Bedarf für ein Business-Hotel der höherwertigen Kategorie mit integriertem Kongress-Center, Tagungsmöglichkeiten und einem Wellnessbereich speziell für Tourist*innen und Geschäftskund*innen festgestellt.“

So beginnt die Begründung für den Bebauungsplan am Bahnhofswald. Gilt das heute noch so, nach der Corona-Krise? Geschäftsreisende wird es absehbar auf lange Sicht viel weniger geben, weil die Firmen alle gemerkt haben, dass Vieles mit Videokonferenzen schneller und billiger geregelt werden kann. Und bis die Touristen wieder strömen werden, wird auch eine ganze Zeit ins Land gehen. Die vorhandenen Hotels können den Bedarf noch lange abdecken. Wäre ich der Investor, dann würde ich mir zweimal überlegen, ob die Pläne noch eine ökonomische Perspektive haben.

Wie wäre es, wenn die Stadt Flensburg stattdessen feststellen würde, dass ein Bedarf für kleine urbane (innerstädtische) Wälder der höherwertigen Kategorie besteht, und ein Bedarf für ungestörte Lebensräume speziell für bedrohte Tierarten? Das, meine ich, würde den langfristigen Bedarf deutlich besser beschreiben. Denn der Artenschwund bedroht die Menschheit viel stärker als ein Mangel an Business-Hotels; und die Gefahr, durch Krankheiten von Wildtieren, die in engen Kontakt mit Menschen gezwungen wurden, eine weitere Pandemie auszulösen, bedroht uns ebenso unmittelbar. Corona ist da nur das jüngste Beispiel nach SARS, MERS, Ebola, HIV, Zikavirus, Vogelgrippe, und vielen anderen.

Kleine urbane Wälder filtern Feinstaub und kühlen die Innenstädte in heißen Sommern. Sterben nicht heute schon Tausende Menschen allein in Deutschland an der Feinstaub-Belastung? Und erwarten wir nicht in den nächsten Jahrzehnten wegen des Klimawandels viele heiße Sommer? Ich meine, wir haben einen Bedarf an kühlenden innerstädtischen Wäldern. Es ist Zeit für einen Paradigma-Wechsel, bei dem das Lebenserhaltende weit höher gewichtet wird und das monetären Gewinn Bringende geringer.

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Veröffentlicht am 2. Mai 2020, in Ökologie, Bürgerbeteiligung, Flensburg News, Kultur, Soziales, Stadtplanung, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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