Schonungslose Kritik am städtischen Beteiligungsverfahren zum Hafenumbau

Kai des Wirtschaftshafens am Ostufer: Städtisches Beteiligungsverfahren zur Zukunft Hafen-Ost und die mögliche Verlagerung an das Westufer im Fokus einer scharfen Kritik von Andrea Eligmann – Foto: Jörg Pepmeyer

Offener Brief von Andrea Eligmann: Bürger*Innenbeteiligung geht anders

Während der Bürgerinformation im Rathaus am 4. März 2020 zum Thema Hafenumbau übte eine Flensburger Neubürgerin fundamentale Kritik am Vorgehen der Stadt und löste damit in den Reihen von Politik und Verwaltung deutlichen Unmut aus. Aus dem Plenum gab es dagegen großen Zuspruch.
Nun hat Andrea Eligmann auf Bitten zahlreicher BürgerInnen in einem umfangreichen Offenen Brief an die Politik und Verwaltung der Stadt Flensburg und die Flensburger Öffentlichkeit ihre methodische und inhaltliche Kritik am Ablauf und der Zielsetzung des Beteiligungsverfahrens ausführlich begründet und dargestellt. Der Brief findet sich ebenso auf der Homepage der Bürgerinitiative Flensburger Hafen e.V.

Zu ihrer Person: Andrea Eligmann hat mehr als 30 Jahre als Sozial- und Marktforscherin gearbeitet, und zwar für zahlreiche große Konzerne und mittelständige Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen, für Rundfunkanstalten und Verlage, für Parteien, Öffentliche Einrichtungen, Verbände, Stiftungen und NGO. Ihre fachliche Reputation ist insofern unbestritten.

Außerdem hat sie sich entschlossen, der Bürgerinitiative Flensburger Hafen e.V. beizutreten und deren Bemühungen tatkräftig zu unterstützen.

Ihre wichtigsten Kritikpunkte in der Zusammenfassung:

• Die Eingrenzung der Bürgerbeteiligung auf den Aspekt einer nachhaltigen Quartiersgestaltung (Suffizienz) sei hoch problematisch und habe nicht dem entsprochen, was ein nennenswerter Teil der Bürger*Innen für den relevantesten Aspekt im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Wirtschaftshafens erlebt.

• Die Zusammensetzung der Teilnehmer habe zu verfälschten und daher ungültigen Erkenntnissen geführt.

Beteiligungsworkshop Zukunft Hafen-Ost am 18.01.2020  in der Bürgerhalle des Rathauses – Foto: Jörg Pepmeyer

• Eine seriöse Auswertung der Ergebnisse sei auf Grund mangelnder Professionalität beim Umgang mit den eingesetzten Techniken nicht möglich gewesen.

• Es habe eine Beeinflussung der Ergebnisse durch die aktive Teilnahme in Form inhaltlicher Beiträge durch die beteiligten Forscher des NEC / EHSS-Programms gegeben. Damit sei das Postulat der Neutralität verletzt worden.

• Unprofessionelle, unseriöse und wissenschaftlich nicht haltbare Auswertung und Analyse der Ergebnisse der Beteiligungsrunden.

• Selbstdarstellung der Workshop-Organisatoren und -Macher: Diese hätten sich mit ihren Beiträgen zu sehr in den Vordergrund gerückt und die beteiligten Bürger*Innen in ihrem Sinn beeinflusst.

• Die Bürger*Innenbeteiligung 2020 habe keine grundlegend neuen Erkenntnisse gegenüber den Workshop-Ergebnissen von 2016 gebracht.

Unten nun der Offene Brief:

Bürger*Innenbeteiligung geht anders, meine Damen und Herren!

Ein offener Brief an Politik & Verwaltung der Stadt Flensburg, und an alle, denen die Zukunft des Hafen-Ost-Gebietes am Herzen liegt.

Wer am 4. März dieses Jahres bei der Vorstellung der Ergebnisse der Bürgerbeteiligungswerkstatt 2020 zum Thema „Zukunft Hafen Ost – Entwicklung eines nachhaltigen urbanen Quartiers“ dabei war, wird sich an mich erinnern. Und an die Unruhe, die die Kritik ausgelöst hat, welche ich an der thematischen Eingrenzung auf Suffizienz sowie – vor allem – an der wenig professionellen Durchführung des Workshops und an der Handhabung grundsätzlich sehr guter und effizienter qualitativer Forschungsmethoden geübt habe.

Durch die Reaktionen auf meine öffentliche Kritik sowie bei den vielen Gesprächen, die ich nach Ende des offiziellen Teils der Veranstaltungen noch geführt habe, ist mir noch deutlicher geworden, wieviel bei diesem sogenannten BÜRGER*INNEN-Beteiligungsverfahren tatsächlich falsch gelaufen ist und wieviel hier auch aus wissenschaftlicher Sicht als höchst zweifelhaft beurteilt werden muss.

Bevor ich ein wenig mehr ins Detail gehe seien mir zwei Anmerkungen erlaubt:

• die eine zur besseren Einordnung meiner Person und meines fachlichen Hintergrundes

• die andere eine Anmerkung, die mir persönlich sehr am Herzen liegt und die zum besseren Verständnis der Haltung dienen soll, auf deren Basis ich diese Kritik übe.

Ich habe mehr als 30 Jahre als Sozial-und Marktforscherin gearbeitet, und zwar für zahlreiche große Konzerne und mittelständige Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen, für Rundfunkanstalten und Verlage, für Parteien, Öffentliche Einrichtungen, Verbände, Stiftungen und NGOs. Und ich glaube, ich darf von mir behaupten, dass ich durchaus weiß, worüber ich spreche.

Ich weiß vor allem, dass qualitative Forschung – wie wir sie auch im Rahmen der hier zu kritisierenden Bürgerbeteiligung gesehen haben – niemals repräsentativ ist.

Durch eine wohldurchdachte und gezielte Zusammenstellung der Teilnehmer und einen professionellen Einsatz von Techniken der Qualitativen Forschung, kann man aber den Haltungen, Werten, Bedürfnissen, Wünschen, Sorgen oder auch Träumen der Gesprächspartner, bzw. der Zielgruppe deutlich näherkommen, als im Rahmen der Bürger*Innenbeteiligung zum Thema „Hafen Ost“ geschehen…. Weiterlesen hier

Mehr zum Thema auch auf der Homepage der Bürgerinitiative Flensburger Hafen e.V. unter: https://flensburg-hafen.de

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Veröffentlicht am 6. April 2020, in Bürgerbeteiligung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Ostufer und Hafen, Rat & Ausschüsse, Soziales, Stadtplanung, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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