Rund 300 Menschen bei der Fridays for Future Demonstration in Flensburg

Marie Rosa spricht zu den Fridays for Future Demonstranten auf dem Südermarkt – Foto: Jörg Pepmeyer

Bemerkenswerte Rede von Marie Rosa

Etwa 300 Menschen nahmen heute in Flensburg an der Fridays for Future Demonstration teil. Bei den Ansprachen stand neben den klimapolitischen Forderungen und Zielen der Fridays for Future Bewegung auch das Attentat in Hanau im Mittelpunkt. So wurde auf der Verkehrskreuzung am Deutschen Haus bei einer kurzen Sitzblockade mit einer Schweigeminute an die zehn Opfer des rechtsextremistischen Attentats gedacht.

Helmreich Eberlein von der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg schilderte den aktuellen Sachstand zum Bahnhofswald und bat die Demonstranten sich ebenso für den Erhalt dieses Naturkleinods einzusetzen. Gleichzeitig wurde von den Veranstalter*innen auf den nächsten globalen Klimastreik der Fridays for Future Bewegung am 24. April hingeweisen, zu dem es auch in Flensburg und der Region eine breite Mobilisierung geben wird. Dann sollen auch wieder Betriebe, Einrichtungen und Institutionen in die Streikvorbereitungen eingebunden werden.

Eine außerordentlich bemerkenswerte Rede hielt Marie Rosa, die eigentlich aus Frankreich stammt, seit Jahren in Deutschland lebt und als Krankenschwester arbeitet. Sie formulierte in einfachen aber überzeugenden Worten eine politische Botschaft, die für viel Begeisterung und Zustimmung bei den Demonstranten, ob alt oder jung, sorgte.  Und die wir untenstehend dokumentieren:

„Moin Flensburg!

ich bin Marie, Krankenschwester, Gewerkschaftsmitglied bei Ver.Di und auch Sozialistin.

Und ich möchte mich zuerst bei Euch, vor allem beim Orgateam bedanken, dass ich heute reden darf aber vor allem dafür, dass Ihr seit einem Jahr so unermüdlich kämpft!

Ihr und überhaupt die ganze internationale Klimajugend habt nicht nur tolle Aktionen hingekriegt, Ihr habt zum Teil die größten Demonstrationen seit langem organisiert! Auch in Flensburg!

UND Ihr habt viele Menschen der älteren Generationen endlich wachgerüttelt! DANKE!!!

Aber liebe Streikende, ein kleiner Teil in der Gesellschaft (und ich spreche hier von den größten Klimakiller und von ihren Marionetten, den Politikern der etablierten Parteien) haben den Schuss noch nicht gehört oder wollen ihn nicht hören!

Deshalb sind die Demos heute und der Zukunft, zum Beispiel der globale Klimastreik am 24. April ganz wichtig.

Aber wir müssen lauter und breiter werden, damit die notwendigen Veränderungen zur Klimarettung endlich erzwungen werden!

Ihr kennt die Zahlen bestimmt schon aber schockierend sind sie es immer noch, auch wenn man sie Tausendmal wiederholt!

Nur 100 Unternehmen, überwiegend Energiekonzerne, produzieren 71% der weltweiten Co2 Emissionen!

Nur 25 davon produzieren die Hälfte!

Und es scheint so, als ob sich in den nächsten Jahren daran nichts ändern wird.

Es wird weiter Kohle und andere fossile Energien in der Zukuft abgebaut und verbrannt und viel zu wenig in erneuerbarer Energie investiert.

Ein Beispiel aus Deutschland ist der Kuhhandel mit RWE:  40 Milliarden, auch Steuergelder, soll RWE bekommen, damit dieser Konzern bis 2038 seine Kohlekraftwerke in NRW und der Lausitz weiterbetreiben darf! Dafür werden 6 weitere Dörfer vernichtet und die dort lebenden Menschen vertrieben!

Das sind Gelder,  die in der erneuerbaren Energie oder im Ausbau des  Öffentlichen Verkehrs dringend fehlen, um die Klimaziele zu erreichen!!!

Jetzt möchte ich Euch fragen, sind die privaten Profitinteressen von RWE oder anderen Klimakillern wichtiger, als die Rettung des Planeten?

Nein, und meine Meinung ist, wenn diese Konzerne unseren Planet derart gefährden, gibt es keinen anderen Ausweg, als die Enteignung, die Überführung in Gemeineigentum, um eine schnelle Stilllegung oder Umstellung zu einer ökologischen Produktion zu ermöglichen.

In meiner Augen steht dieses Wirtschaftssystem, der Kapitalismus mit seiner Profit- und seiner Konkurrenzlogik im Gegensatz zur unseren Interessen und zu den Interessen der Natur. Und er kann uns keine Lösung zur Krise der Umwelt anbieten.

Deshalb sage ich:  Wir können uns den Kapitalismus nicht mehr leisten!  Wir müssen ihn durch eine Gesellschaft und eine Wirtschaft ersetzen, die demokratisch selbstverwaltet und im Interesse des Menschen und der Natur geplant ist .

Aber liebe Streikende, zurück zu Eurer Rolle. Ihr spielt eine große Rolle, Durch Euren Protest baut ihr  Druck auf, dass Veränderungen zugunsten der Umwelt veranlasst werden können!

Auch in Flensburg sind solche Veränderungen notwendig. Aber was passiert stattdessen?

Ihr habt es vielleicht in den Medien gelesen, dass der Bau des Intercityhotels und des Parkhauses im Bahnhofsviertel kürzlich eine Mehrheit in dem Ausschuss, übrigens mit Hilfe der Grünen Partei, bekommen hat!

Sie versuchen den Schaden für den Verkehr und den Wald herunterzuspielen, aber Fakt ist, es werden Verschlechterungen für Natur und Einwohner in dem Viertel geben: Kommt zahlreich zur Stadtratsitzung am kommenden Donnerstag um 16:00! In der Zeitung stand sogar, dass es Stillstand wäre, wenn die geplanten Projekte nicht stattfänden!

Frechheit ist das, wenn diese Projekte stattfänden, wäre es nichts als eine Verschlechterung für die Mehrheit der Einwohner und für die Natur!!!

Auch das Projekt des Hafenumzuges ist kostspielig, intransparent und wird ohne unseren Widerstand, der Stadt und deren Einwohner, Schaden verursachen…

Wie wäre es stattdessen, wenn dieses Geld in ein besseres Radwegenetz, und für einen kostenlosen ÖPNV für alle,  wie in Luxemburg, investiert wird???

Liebe SchülerInnen, liebe StudentInnen: Es darf aber nicht sein, dass Ihr hier alleine steht!

Der DGB hat kürzlich eine Kampagne gestartet und sie heißt: „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch“. Eine Kampagne gegen Gewalt am Arbeitsplatz. Ich wünsche mir, dass meine Gewerkschaft eine andere Kampagne startet, die lautet  „Vergiss nicht, dass wir, die Beschäftigten unter dem Klimawandel leiden, vergiss nicht, dass Gewerkschafter  Teil der Klimabewegung sein müssten!“

Stellt euch vor, was für einen Druck es geben würde, wenn der DGB mit seinem 6 Millionen Mitglieder bundesweit an Eurer Seite kämpfen und vor allem streiken würde!!!

In Frankreich, da wo ich herkomme, ist die Venetzung der Kämpfe zwischen Jugend und Beschätigten selbstverständlich geworden. Vielleicht kennt ihr den Demospruch TOUS ENSEMBLE, alle zusammen! Und das wünsche ich mir für für die Klimabewegung in diesem Jahr, TOUS ENSEMBLE! Danke!

Die Demonstranten auf dem Südermarkt – Foto: Jörg Pepmeyer

 

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Veröffentlicht am 21. Februar 2020, in Ökologie, Bürgerbeteiligung, Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Soziales, Stadtplanung. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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