Fall Carlo Jolly: Flensburger Arbeitsrichter kassieren sh:z-Kündigung

Kiel, 13. Februar 2020. Schon zum zweiten Mal hat das Arbeitsgericht rechtswidriges Vorgehen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z) gegen dessen langjährigen Redaktionsleiter Carlo Jolly (Flensburger Tageblatt) gestoppt. Nach der vertragswidrigen Versetzung nach Husum vor mehr als einem Jahr erklärte die 1. Kammer des Flensburger Arbeitsgericht gestern auch die prompt erfolgte Kündigung Jollys durch den sh:z für ungültig. Das Gericht urteilte damit, dass das Arbeitsverhältnis also nicht im September 2019 beendet worden sei, sondern weiterbesteht. Leider lehnte das Gericht einen Antrag auf rückwirkende Weiterbeschäftigung ab. Aus Sicht des DJV ist das nicht nachvollziehbar. Es gilt jetzt, die Urteilsbegründung abzuwarten.

„Das Urteil ist ein großer Erfolg für den Kollegen und eine weitere herbe Abfuhr für den Verlag“, erklärte Arnold Petersen, Landesvorsitzender des DJV-Schleswig-Holstein. „Das Urteil bestätigt wieder einmal, wie substanzlos das Vorgehen des sh:z gegen seinen langjährigen Mitarbeiter Carlo Jolly ist. Während der Verlag der Redaktion immer wieder harte Sparmaßnahmen abverlangt, scheut er zugleich keine Kosten für einen bislang erfolglosen juristischen Feldzug gegen einen verdienten Kollegen. Das Geld wäre in der vielbeschworenen Digitalisierung sicherlich besser investiert.“
Unmittelbar nach dem Versetzungsurteil im Januar 2019 hatte der sh:z dem 56-Jährigen gekündigt – aus verhaltensbedingten Gründen. Unter anderem wurde Jolly, dessen Klage vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) unterstützt wird, ein Kurzinterview im NDRMedienmagazin Zapp vorgeworfen. „Kein Loyalitätsverstoß“ sei das gewesen, urteilte Richter Dr. Ulrich Jancke. Auch behauptete Leistungsmängel könne der Verlag nicht darlegen, entschied das Arbeitsgericht.
Die ursprüngliche Zwangsversetzung von Redaktionsleiter Jolly und zwei erfahrenen Kollegen hatte im Herbst 2018 nicht nur in der Stadt Flensburg für Wirbel gesorgt, sondern auch bundesweit Schlagzeilen, TV- und Radiobeiträge ausgelöst.
Der 56-Jährige arbeitet seit 1990 beim sh:z in Flensburg. Für seine Arbeit war er von seinen Herausgebern noch kurz vor der Versetzung gleich mehrfach ausgezeichnet worden.

ViSdP: Bettina Neitzel, Geschäftsführerin djv Landesverband Schleswig-Holstein

Mehr dazu auch in einem AKOPOL-Beitrag vom 10.10.2018: Streit um Versetzung von Flensburger sh:z-Redakteuren geht vor Gericht unter: https://akopol.wordpress.com/2018/10/10/streit-um-versetzung-von-flensburger-shz-redakteuren-geht-vor-gericht/

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Veröffentlicht am 14. Februar 2020, in Flensburg News. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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