Bahnhofswald in Flensburg: Anmerkungen von Cordelia Feuerhake zur Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses

Bahnhofswald: Das Flensburger Naturhabitat beherbergt über 140 Jahre alte Bäume und geschützte Fledermäuse und soll für den Bau eines Hotels der Axt zum Opfer fallen. Mehr dazu hier – Foto: Marco Johns

Offener Brief mit Fragen und  Appell an die Kommunalpolitiker

Auf der Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses am 4.2. ging es auch um das Hotelprojekt an der Bahnhofstraße und damit ebenso um das Schicksal des Bahnhofswalds. Zwar verschob man die Entscheidung über den Bebauungsplan für das Hotel- und Parkhausprojekt, dennoch steht es auf der nächsten Sitzung am 18.02. wieder auf der Tagesordnung.

Zum Verlauf der Sitzung am 4.2. und den dort vorgetragenen Argumenten und Ausführungen hat Cordelia Feuerhake, Mitglied im Verschönerungsverein Flensburg und Mitglied im Naturschutzbeirat der Stadt Flensburg Anmerkungen und Fragen sowie Forderungen an die Kommunalpolitiker formuliert, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten:

Bahnhofshotel

Anmerkungen zur vorgelegten Planung und der Behandlung des Themas im SUPA  am 4.2.2020

Die Bäume und der Wald:

Die Fläche für den Hotelneubau ist ein steiler Hang mit Baumbestand, mit teilweise geschützten Bäumen entlang der Bahnhofstraße. Diese Bäume würden bei einer Durchführung des Projekts alle gefällt werden. Direkt im Anschluss erstreckt sich zur Schleswiger Straße hoch ein unter Schutz stehendes Hangbiotop mit Wald.

Der Mindestabstand einer Bebauung zu einem Wald muss nach Waldrecht 30m betragen. Das  hat höchstwahrscheinlich den fachlichen Hintergrund, dass der Wald in seinem Bestand gefährdet wird, wenn dieser Abstand durch bauliche Maßnahmen unterschritten wird.

Wie aufrichtig ist dann die Planungsbegründung , die argumentiert, dass man ja den Wald nicht entfernen wolle sondern nur die Bezeichnung „Wald“ aufheben wolle, um diesen Mindestabstand für die Baumaßnahme nicht einhalten zu müssen? Oder andersherum:

Die Baumaßnahme rückt so dicht an den Wald heran, dass er rechtlich nicht mehr „Wald“ sein kann, aber man will ihn ja angeblich nicht entfernen…. De facto: Man hebt den Schutzstreifen auf, diverse Bäume würden im Zuge der Baumaßnahmen sofort gefällt werden, und es gibt eine Vorgabe der Forstbehörde: Der Wald dürfte gar kein Wald mehr sein, dh, er müßte in seinem Erscheinungsbild stark verändert werden ( kein Unterholz mehr usw..)  – und trotz dieser Eingriffe geht man offiziell davon aus, dass der Rest an Baum- und Biotopbestand auf dem ehemaligen Hangbiotop dann Überlebenschancen hat??

Und noch eine Randbemerkung zum Wald: Es ist auch schon seitens der Politik gesagt worden, da sei zwar ein Wald, aber es sei ja bisher dort keine Waldwirtschaft betrieben worden…. welcher Gedanke offenbart sich in dieser Äußerung? Dass wir einen Wald nur haben und brauchen, um damit Wirtschaft zu betreiben? Holzverkauf?? Haben wir immer noch nicht gemerkt, dass wir Wald brauchen, damit wir überhaupt leben können? Weil Wald für unsere Luft zum Atmen sorgt, weil er uns vor Hitze, Dürre,Überschwemmungen und Bodenerosion  schützt?

Das geplante Hotel-Bauprojekt:

Die Fläche für den Hotelneubau ist diejenige mit dem dichtesten Baumbestand und dem stärksten Hanggefälle bzw. Anstieg, außerdem die Fläche mit der geringsten Tiefe innerhalb der gesamten überplanten Fläche.  Sie ist daher überhaupt nicht für eine Bebauung geeignet. Eingeschränkt geeignet wäre – wenn überhaupt – die bereits versiegelte und von Bäumen freigeräumte Fläche der jetzigen Stellplätze der Hauptpost, insbesondere direkt im Anschluss an das hohe Lager / Abfüllanlage (?) der Brauerei.

Der Auffassung des SSW, dass eine Hotelplanung ohne das Parkhaus problemlos  genehmigungsfähig wäre, ist daher zu widersprechen.

Die Feststellung, dass entlang der Bahnhofsstraße ein Angstraum für Passanten insbesondere bei Dunkelheit besteht, ist plausibel. Hier müssen mögliche Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt werden, um den Passanten mehr Sicherheit zu verschaffen. Der Neubau eines 5- bis 6-geschossigen Gebäudekomplexes im Waldbereich kann jedoch nicht die richtige Lösung sein.

Die in der Presse veröffentlichten isometrischen Darstellungen des Hotels und Parkhauses sind in ihren Dimensionen nicht schlüssig und daher irreführend. .  Unter der Annahme der geringstmöglichen Höhe des Hotels, nämlich dessen öffentliche EG-Zone auf Straßenniveau an der niedrigsten Stelle dh am nördlichen Rand neben dem Postgebäude,  wäre immer noch die Oberkante des Postgebäudes ca zwischen dem ersten und zweiten OG der 4 Obergeschosse des Hotels  ( weil nämlich das Postgebäude durch die von der Straßenkante zurückgesetzte Lage deutlich tiefer als die Straße liegt), dh das Hotel ist ca 6 bis 8m höher als das Postgebäude. Wäre das EG-Niveau des Hotels höher ( entsprechend dem Höhenverlauf der Bahnhofsstraße), wäre die Differenz,  also die Höhe des Hotels noch größer..  Im Übrigen ist die Darstellung einer durchgehenden EG-Zone aus Gründen der realen Höhenentwicklung vollkommen irreführend und damit auch das Argument des Charakters von „öffentlichem“ Raum durch ein straßenbegleitendes Hotel-Foyer o.Ä. obsolet..

Die Erschließung des Parkhauses durch eine Brücke über die mehrere Meter tiefer liegende Parkplatz-Umfahrt des Postgebäudes erscheint unrealistisch aufwendig…

Das Gebiet ist ein Gebiet im Umbruch:

Die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes, das Sanierungsgebiet Bahnhofstal, der Umzug der Brauerei, die ungewisse Zukunft der Postnutzung. Soweit bekannt, ist auch das Postgebäude verkauft worden und hat einen  Pacht- bzw. Nutzungsvertrag für 10 Jahre.  Die Brauerei plant ihren Umzug in Etappen mit einem Abschluss ca in 10 bis 15 Jahren. Dann wird eine große Fläche frei direkt neben dem Planungsgebiet. Auch die Post könnte ihren Betrieb in den kommenden 10 Jahren aufgeben. Dann gibt es eine riesige versiegelte Fläche mit aufgelassenem, sehr heterogenem und teilweise sehr schlechtem Gebäudebestand direkt neben dem Hotel- und Parkhausprojekt…  und wie fortgeschritten wäre das in ca 10 Jahren? Vielleicht wäre nur der Baumbestand bis dahin entfernt, vielleicht gäbe es schon Bauzäune oder eine Baustelle oder sogar ein fertiges Bauwerk in einer unattraktiven Gegend im Umbruch.. Wäre das erstrebenswert??

Hotels in Flensburg:

Wie gut sind sie ausgelastet? In den letzten Jahren haben ja einige Hotels neu eröffnet. Was sagen die Betreiber zur Marktlage in Flensburg? Wie weit sind die geplanten Projekte? Das Projekt am Rathaus scheint ja nicht voran zu kommen, oder?  Gibt es unabhängige Untersuchungen zum Bedarf dieses geplanten Intercity-Kongresshotels am Bahnhof?? Wie verbindlich ist die Zusage der Betreiber-Gesellschaft?

Ein Parkhaus auf der Fläche ( oder an deren Rand) des ehemaligen Nordmark-Sportplatzes ist nach Angaben der Verwaltung nicht umsetzbar, weil eine Anbindung an die öffentliche Straße Mühlendamm nur über eine Privatstraße möglich wäre, für die man kein Wegerecht bekäme …. Die Vorgeschichte dazu ist, dass vor einigen Jahren – kurz bevor das gesamte Gebiet zum Sanierungsgebiet erklärt wurde – diese Straße samt einer großen Fläche dahinter an Privat verkauft wurde… war das klug  im Hinblick auf städtische Planungshoheit, Planungsspielräume u.ä.?? Hat die Stadt damals versäumt, die Fläche selbst zu kaufen?

Fazit:

Zweifel an der realistischen Darstellung der Hotel-Planung und der Schlüssigkeit  der Begründung…

Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer Bebauung an dieser Stelle im Hinblick auf die Entwicklungen der Nachbargrundstücke in den nächsten Jahren…

Zweifel an der Notwendigkeit eines Hotels dieser Art an dieser Stelle und damit Zweifel an der Durchführbarkeit eines entsprechenden Betriebs…

Und dafür ein Wald-Biotop opfern??

Eine innerstädtische wilde „Oase“ für Tiere und Pflanzen, für Wasserhaushalt und Klima??

In Zeiten des Klimawandels bzw. dessen Thematisierung?

In der Stadt Flensburg mit ihrem gern beworbenen „Klimapakt“?

Auf dem Hintergrund der Frage, ob ein „Klimanotstand“ ausgerufen werden sollte?

Mit den regelmäßigen Demos der  „fridays for future“ und den Solidaritätsbekundungen dazu aus der Politik und Verwaltung ???

Klafft da nicht eine Riesenlücke?

Nämlich zwischen Lippenbekenntnissen und dem konkreten Handeln bzw. den konkreten Entscheidungen unserer Politik und unserer Verwaltung??

Siehe zur Sitzung des Umwelt- und Panungsausschusses am 04.02. auch den AKOPOL-Beitrag vom 07.02.2020:
Galgenfrist für den Bahnhofswald in Flensburg – Umwelt- und Planungsausschuss vertagt Entscheidung über Bebauungsplan für das Hotelprojekt
unter: https://akopol.wordpress.com/2020/02/07/galgenfrist-fuer-den-bahnhofswald-in-flensburg/

und ebenfalls den AKOPOL-Beitrag vom 11.02.2020:
Öffentliche Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses am 18.02.2020 im Technischen Rathaus in Flensburg – Verwaltung befürchtet offenbar Scheitern des Hotelprojekts – Oberbürgermeisterin lädt zum interfraktionellen Gespräch am 17.02. ein
unter: https://akopol.wordpress.com/2020/02/11/oeffentliche-sitzung-des-umwelt-und-planungsausschusses-am-18-02-2020-im-technischen-rathaus-in-flensburg/

Über akopol

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Veröffentlicht am 13. Februar 2020, in Ökologie, Bürgerbeteiligung, Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Rat & Ausschüsse, Soziales, Stadtplanung, Veranstaltungstipps, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Liebe Alkopol Politiker,
    mit Interesse verfolge ich eure Kommentare.
    Leider seid ihr immer gegen Alles.
    Seid ihr eigentlich auch mal für etwas?
    Alles zu kritisieren ohne eigene Vorschläge zu machen finde ich doof.
    Vielleicht gibt es ja etwas, zudem ihr euch mal positiv äußern könnt.
    Liebe Grüße
    Ein Flensburger

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  1. Pingback: Grünes Ja zum Hotelprojekt am Bahnhofswald: Offener Brief von Boje Maaßen an die Flensburger Grünen | AKOPOL - Arbeitskreis Kommunalpolitik

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