Offener Brief der Bürgerinitiative Flensburger Westen an die Oberbürgermeisterin Simone Lange

Bürgerinitiative kritisert mangelnde Berücksichtigung der Bevölkerung im Flensburger Westen bei der Entscheidung zum Umzug der Flensburger Brauerei

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Lange,

zum Thema Verlagerung der Flensburger Brauerei hat es bereits zwei öffentliche Bürgerversammlungen gegeben. Aus der ersten Versammlung ging ein Gesprächskreis hervor, in dem Vertreter des „Forums Westliche Höhe“ und der „Bürgerinitiative Flensburger Westen“ mit Vertretern der Flensburger Brauerei und der Stadtverwaltung bisher zweimal zusammengekommen sind. In allen Gremien wurde viel informiert und mancher Gedanken ausgetauscht.

So weit, so gut.

Allerdings wurde auf keiner dieser Veranstaltungen der Eindruck erweckt, dass wir Bürger der Stadt Flensburg an der politischen Entscheidung, die Flensburger Brauerei an die Westerallee zu verlagern, etwas ändern könnten.

So weit, so schlecht.

Und nun, Ende Januar 2020, bestätigt sich der Eindruck, dass all die bisherigen Verfahren zur Öffentlichkeitsbeteiligung eine Alibifunktion zu erfüllen scheinen: Auf der Bürgerinformationsveranstaltung vom 13.11.2019 verkündeten die privaten Eigentümer der Alternativfläche im Bereich Schäferhaus Nord ihre Verkaufsbereitschaft. Deren Grundstück wurde in Ihrem Machbarkeits-Gutachten, liebe Frau Simone Lange, bemerkenswerterweise als eines der TOP-4 Grundstücke für den Standort der Brauerei herausgearbeitet. Außerdem sollte dieses Grundstück, so war es in einem vorherigen Gesprächskreis deutlich geworden, das am meisten favorisierte Grundstück der Flensburger Brauerei sein. Mit der Verlagerung von Betriebsteilen ausschließlich zum Standort Schäferhaus Nord wären außerdem die bisher aus der Bevölkerung geäußerten Bedenken und zu erwartende Nutzungskonflikte weitgehend beseitigt. Das Problem schien gelöst: Ein Großunternehmen möchte expandieren und die Eigentümer des Wunschgrundstücks an der Stadtgrenze, weit ab von Wohnbebauung, Kindergärten und Schulen, wollen verkaufen! Das wäre der „ideale Standort“ für unsere Flensburger Brauerei – und die besorgten Bürger wären zufrieden.

Aber wo stehen wir heute, bald drei Monate später? Während auf der einen Seite der Planungsprozess bezüglich der Westerallee mit vollem Elan voranschreitet, wird die Planungsalternative mit eher destruktiver Haltung halbherzig und im Schneckentempo verfolgt. Und das alles, um ein paar Euro beim Grundstückserwerb zu sparen? Bei dem in Rede stehenden Gesamtinvestitionsvolumen dürften das doch „Peanuts“ im Vergleich zu den Konflikten sein, die sich in der Westerallee auftun.

Wie ein Brauerei-Umzug auch gehen kann, zeigt der Umzug der Hamburger Holsten-Brauerei: raus aus dem Herzen der Stadt, ran an die Peripherie der Stadt. Der Standort der Brauerei sei „nicht mehr zeitgemäß“ zu betreiben gewesen. Gravierende Lärmbelästigungen und Verkehrsbelastungen für die Anwohner, sowie fehlende Nachhaltigkeit seien wichtige Gründe für den Umzug an die Peripherie gewesen (Flensburger Tageblatt vom 5.11.2019, S. WIRT2).

Und wir Flensburger? Wollen wir tatsächlich den rückwärtsgewandten Weg gehen? Weil er, einmal beschritten, keinen Richtungswechsel, respektive Ortswechsel mehr zulässt? Wohl kaum! Weil er weniger Kosten bedeutet? Wohl kaum! Weil er weniger Zeit in Anspruch nimmt? Wohl kaum! Weil…ja, WARUM?

Das WARUM, liebe Frau Oberbürgermeisterin Lange, möchten wir – stellvertretend für die vielen Unterzeichner der Petition, für die mehr als eintausend Kinder der unmittelbar betroffenen Kindergärten und Schulen, für die einmal mehr betroffenen Kleingärtner, für die vielen betroffenen Bürgerinnen und Bürger der gesamten Stadt Flensburg und die vielen Anwohner und Besucher der Westlichen Höhe bitte von Ihnen beantwortet haben!

Menschliche Bedürfnisse, Klima und Verkehr sind nicht erst heutzutage wichtige Güter, denen man mit Respekt und Achtsamkeit begegnen sollte. Deshalb tragen Sie, Frau Oberbürgermeisterin Lange, die Verantwortung für qualifizierte und umfängliche Informationsgrundlagen, die für die endgültige Entscheidung in den politischen Gremien herangezogen werden sollen. Auch eine Verschleppung des Planungsprozesses zu der verfügbaren alternativen Fläche und die sich daraus ergebende wirtschaftliche Konsequenz für den Standort Flensburg und die Flensburger Brauerei, würde Ihnen zugeschrieben werden. Und nicht zuletzt die wesentlichen und unwiederbringlichen Einschnitte in ein vorhandenes Ökosystem mit einem Biotop an der Westerallee mit nicht absehbaren Einflüssen auf das Mikroklima lägen in Ihren Verantwortungsbereich!

Ein stetig wachsendes Interesse vieler Bürgerinnen und Bürger an den Planungsfortschritten, sowie viele neue Mitglieder in der Bürgerinitiative Flensburger Westen zeigen die Dringlichkeit unseres Anliegens, gemeinsam mit Ihnen, Frau Oberbürgermeisterin Simone Lange, den Vertretern der Stadt und nicht zuletzt der Flensburger Brauerei eine Lösung zu finden, in der sich möglichst alle Interessen wiederfinden. Denn mit der gleichen Entschlossenheit werden wir gegebenenfalls auch daran arbeiten, Prozesse und Verfahren zu verhindern, die gegen die Bürger, gegen das Klima/Umwelt und gegen die wirtschaftlichen Belange unserer Stadt gerichtet sind.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre Bürgerinitiative Flensburger Westen

Bürgerinitiative Flensburger Westen auf Facebook: https://www.facebook.com/pages/category/Community-Organization/B%C3%BCrgerinitiative-Flensburger-Westen-315888619129365/

Siehe dazu auch den AKOPOL-Beitrag vom 16.11.2019: Umzug Flensburger Brauerei: Turbulente Bürger*innenversammlung in der Bürgerhalle des Rathauses – Mögliche Alternativflächen am Flughafen Schäferhaus
unter: https://akopol.wordpress.com/2019/11/16/umzug-flensburger-brauerei-turbulente-buergerinnenversammlung-in-der-buergerhalle-des-rathauses-2/

Dazu auch der Beitrag von Julian Heldt im Flensburger Tageblatt vom 03.02.2020

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Veröffentlicht am 1. Februar 2020, in Ökologie, Bürgerbeteiligung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Rat & Ausschüsse, Soziales, Stadtplanung, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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