Archiv für den Tag 13. Januar 2020

„Radweg Ende!“ – Hilferuf an Oberbürgermeisterin und Fraktionen

Zugeparkter Radweg in Flensburg – Foto: RM

Offener Brief einer Flensburger Radlerin

„Wo kann ich unterschreiben?“ – so reagieren die meisten Radfahrer*innen, wenn wir Unterschriften für unsere 5 Sofort-Forderungen sammelten – unter anderem für einen besseren Radverkehr. Der offene Brief einer Flensburgerin Radlerin an die Oberbürgermeisterin und die Ratsfraktionen stellt die traurige Situation in Flensburg so treffend dar, dass wir ihn hier veröffentlichen. Die VCD Ortsgruppe unterstützt das Anliegen der Radlerin auf Ausbau der Radwege als eine der fünf Sofort-Forderungen für eine Verkehrswende in Flensburg (https://weact.campact.de/petitions/vorrang-fur-klimaschutz-verkehrswende-jetzt).

Den Brief einer Flensburger Radlerin vom 9. Januar dieses Jahres geben wir hier leicht gekürzt wieder. Er dürfte vielen Flensburger*innen aus dem Herzen gesprochen sein!

Sehr geehrte Frau Lange,

ich bin richtig glücklich, dass Sie sich für den Klimaschutz einsetzen!
Ich bin begeisterte Fahrradfahrerin in Flensburg, bin aber auch als Fußgängerin und Autofahrerin unterwegs und kenne deshalb Verkehrskonflikte aus allen drei Perspektiven.
Um unsere Stadt klimaneutral zu bekommen, müssten noch viel mehr Menschen als
FahrradfahrerInnen gewonnen werden. Doch das Radwegenetz in Flensburg ist leider chaotisch.

Als Radfahrerin begegne ich immer wieder folgenden Problemen.

  • Mal ist der Fahrradweg auf dem Gehweg – mal auf der Straße. Mal markiert, mal nur durch Schilder gekennzeichnet.
  • Mal ein Fahrradweg für beide Richtungen, mal nur für eine Richtung. Mal nur auf einer Straßenseite,mal auf beiden. Oft gar nicht vorhanden!
  • Es wechselt ständig, die Radwege hören plötzlich auf und man muss sich zwischen die Autofahrer Innen einfädeln: total gefährlich! Denn auch die AutofahrerInnen  können nicht den Überblick behalten, wenn plötzlich FahrradfahrerInnen unvorhergesehen auf die Straße kommen! Man lebt richtig gefährlich, wenn man sich als FahrradfahrerIn immer regelkonform verhält.
  • Mal ist der Fahrradweg rot, mal nur weiß gestrichelt abgetrennt oder gar nicht zu erkennen. (Schilder hinter Laub o.ä.).
  • Mal heißt es „Fahrrad frei“, mal muss man hier fahren, mal darf man, mal ist es verboten …
  • Manche Radwege werden widerrechtlich als Parkfläche genutzt (wenn auf der Straße eingeschränktes Halteverbot ist – aber eben nicht auf dem Radweg!). Soll man da als RadlerIn auf die Straße oder auf den Gehweg ausweichen, wenn Autos auf dem Fahrradweg den Verkehr behindern? …
  • Im Winter wird der Schnee von der Straße und vom Gehweg auf den Fahrradweg geschippt, aber wenn die Radler ausweichen werden sie oft angehupt (Straße) oder angemotzt (Gehweg) …
  • An Mülltagen werden die Mülltonnen an vielen Stellen zwischen Straße und Gehweg – auf den Fahrradweg! – gestellt.
  • Nasses Laub im Herbst und Splitt nach Glätte bleiben oft wochenlang auf dem Radweg liegen und bieten damit gefährliche Rutschpartien. Paketautos und HandwerkerInnen parken selbstverständlich auf Radwegen – um den Autoverkehr nicht zu stören.

Mir scheint Deutschland Autoland zu sein. AutofahrerInnen kommen an 1. Stelle – alle anderen haben keine Bedeutung. Wie wäre es, wenn Sie das in Flensburg besser ins Gleichgewicht bringen? …
Ein paar Dinge, die den Fahrradverkehr voranbringen können, solange nicht genug Geld vorhanden ist um ein einheitliches Konzept für die ganze Stadt zu entwerfen:

  • an Kreuzungen mit Fahrradwegen eine Ampelschaltung nur für FußgängerInnen und FahrradfahrerInnen in alle Richtungen, damit man auch diagonal ganz rüber kommt und nicht 2 Ampelschaltungen abwarten muss.
  • Ampeln ohne Fahrradweg: Autos müssen so weit von dem Gehweg weg bleiben, dass RadlerInnen bis vorne durch fahren können und vor dem Autohaltestrich warten (um nicht im toten Winkel übersehen zu werden.)
  • Einbahnstraßen für Fahrradverkehr in beide Richtungen frei geben (bei engen Straßen kein Autoparken erlauben.)

Sie haben „Nettigkeiten“ für FahrradfahrerInnen bereits in die Tat umgesetzt. Danke zum Beispiel, dass hohe Kanten auf Fahrradwegen zum Teil angekeilt wurden. Fahrradhaltegriffe an Ampeln sind aus meiner Sicht nicht nötig, aber manche freuen sich darüber!

Auf Dauer ist es wirklich nötig, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, in dem es z.B. Straßen nur für Autos, aber auch Straßen nur für Fahrräder geben könnte. Auch erachte ich es für nötig, im öffentlichen Nahverkehr an Wochenenden und abends Busse in engerem Takt fahren zu lasse. Denn es ist nicht attraktiv ein Jahresticket zu haben, wenn keine Busse fahren, wenn man sie braucht!
Ich bin sicher, Sie setzen sich dafür ein, dass der Fahrradverkehr gefördert wird.
Das ist dringend nötig!

Mit freundlichen Grüßen”

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