Verlegung von Stolpersteinen am 21.11.2019 in Flensburg

Auf Initiative der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), Kreisvereinigung Flensburg, hat der Kölner Künstler Gunter Demnig entschieden, seine Stolperstein-Aktion in Flensburg fortzusetzen.

Er wird am 21. November drei weitere Stolpersteine verlegen.

Die Flensburger Kreisvereinigung der VVN-BdA hat dafür die Betreuung und organisatorische Unterstützung übernommen. Für die Finanzierung der Herstellung und Verlegung der Stolpersteine haben sich Patenschaften gefunden.

Fahrplan für die Verlegung der Stolpersteine in Flensburg

Stolperstein in der Rathausstraße 2 in Flensburg – Foto: Luca Grimminger

Donnerstag, den 21. November 2019

11:30 Uhr – Junkerhohlweg 13

Stolperstein für Emil Jessen, geboren 1906
Im Widerstand / KPD, Verhaftet 1933
Vorbereitung Hochverrat, Zuchthaus Neumünster
1943 Strafbataillon 999, Tot 1944 Tiraspol

12:00 Uhr – Dorotheenstraße 28

Stolperstein für Marie Johanne Lembcke, geboren 1914
Eingewiesen 24.2.1936 Psychiatrie Schleswig
„verlegt“ 23.5.1941 Bernburg
Ermordet 23.5.1941 „Aktion T4“

12:30 Uhr – Große Straße 15

Stolperstein für Oskar Reincke, geboren 1907
Im Widerstand / KPD, Verhaftet 1933 Sonnenburg
1941 Widerstandsgruppe Bästlein-Jacob-Abshagen
1942 Hamburg Holstenglacis, Enthauptet 10.7.1944

Die öffentliche Übergabe findet stellvertretend für alle Stolpersteine um 13:00 Uhr vor dem Gebäude Große Straße 15 statt. Die angegebenen Zeiten sind Planungszeiten Es kann zu kleineren Verzögerungen kommen

Zur Teilnahme lädt die Kreisvereinigung der VVN-BdA herzlich ein.

Spenden sind willkommen
Bankverbindung: VR Bank Nord eG
IBAN: DE21217635420014332970
BIC: GENODEF1BDS

Projekt „Stolpersteine“ für NS-Opfer in Flensburg

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Nach dem Motto: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist!“ will Gunter Demnig die Erinnerung an das Schicksal von Menschen wach halten, die von den Nazis ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Selbstmord getrieben wurden. Er will den verfolgten und ermordeten jüdischen Menschen, den Sinti und Roma, den Zeugen Jehovas, den Homosexuellen und Euthanasieopfern sowie den politisch Verfolgten, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihren Namen und ihre Identität wiedergeben und darüber hinaus darauf hinweisen, dass deren Verfolgung und Deportation mitten in der Gesellschaft stattfand.

Bei den Stolpersteinen handelt es sich um Betonsteine mit einer Seitenlänge von 10 cm, auf deren Oberseite eine Messingplatte angebracht ist. Auf der Messingplatte sind der Name, der Geburtsjahrgang, auf den Einzelfall bezogene Texte, das Deportationsjahr sowie der Todesort eingraviert. Die Steine werden i.d.R. vor dem letzten frei gewählten Wohnhaus von NS-Opfern in das Pflaster des Bürgersteigs eingelassen. Die Inschriften beginnen allgemein mit „Hier wohnte …“, gelegentlich aber auch mit „Hier lebte…“ oder einem anderen Text.

Für 120 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen.

Bis Ende 2018 wurden über 70.000 Stolpersteine verlegt, allein in mehr als 1200 Städten und Gemeinden in Deutschland, aber auch in 23 weiteren Ländern sind Stolpersteine zu finden – unter anderem in den Niederlanden, Belgien, Italien, Norwegen, Österreich, Polen, Tschechien, der Ukraine und Ungarn. Die Stolpersteine gelten inzwischen als das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

In Flensburg sind bis Ende 2014 von Günter Demnig 24 Stolpersteine verlegt worden.

Der DGB initierte in Flensburg am 1. September 2003 anläßlich des Antikriegstags das Verlegen des ersten Stolpersteins in der Norderstraße 145 zur Erinnerung an Max Fertig.

Am 23. August 2004 sind auf Initiative des DGB 16 weitere Stolpersteine für jüdische Menschen gesetzt worden. Außerdem wurden am ehemaligen Gut Jägerslust in Flensburg Weiche 3 Stolpersteine für die Familie Wolff verlegt.

Auf Initiative des Vereins „Schwul-lesbische Veranstaltungen zur Förderung der Primärprävention“ für Homosexuelle wurden im Jahr 2007 drei weitere Stolpersteine gesetzt.

Am 6. März 2014 verlegte Gunter Demnig vor der Alten Post in der Rathausstraße zum Gedenken an Johanne Marie Ebsen, die im Rahmen des NS-Euthanasieprogramms von den Nazis ermordet wurde, den 24. Stolperstein in Flensburg.

Gedenkorte mit Stolpersteinen in Flensburg

Norderstraße 145
Isaak Fertig, geb. 31.05.1886 in Tarnow, Sara Fertig, geb. Goldberg, geb. 16.10.1893 in Piontek, Max Fertig, 04.08.1924 in Flensburg, Leo Fertig, geb. 05.02.1931 in Flensburg,
– wohnten in Flensburg und Hamburg, ermordet in Polen

Norderstraße 111
Isaak Hermann Nicinski, geb. 30.03.1928 in Flensburg, Leiser Nicinski,.geb. 10.02.1896 in Klodawa, Taube Nicinski geb. Iglinski, geb. 25.02.1896 in Przedecz,
– wohnten in Flensburg und Hamburg, ermordet in Lodz

Norderstraße 27/29
Emil Löwenthal, geb. 14.06.1857 in Caseburg, wohnte in Stettin, Flensburg u. Berlin, ermordet 16.02.1943 in Theresienstadt
Johanna Löwenthal geb. Loewenthal, geb. 05.03.1861 in Bernau, wohnte in Stettin, Flensburg u. Berlin, 1944 ermordet in Auschwitz

Burgstraße 6
Louis Wartelsky, geb. 17.05.1879 in Königsberg, wohnte in Flensburg, nahm sich am 28.09.1938 im Polizeipräsidium in Flensburg das Leben

Große Straße 69
Margarete Hirsch, geb. 01.09.1881 in Flensburg, wohnte in Flensburg, ermordet in Minsk

Große Straße 15/19
Heinrich Lazarus, geb. 09.01.1901 in Flensburg, wohnte in Flensburg und Essen, ermordet 05.12.1942 in Auschwitz

Angelburgerstraße 9
Gertrud Unikower, geb. Spiller, geb. 18.04.1889 in Flensburg, wohnte in Flensburg und Berlin, ermordet in Riga

Südergraben 36
Lola Hartkäse, geb. Levin, geb. 10.05.1896 in Flensburg, wohnte in Flensburg u. Hamburg, ermordet in Auschwitz
Vally Irene Crefeld, geb. Moses, geb. 06.03.1889, wohnte in Flensburg, ermordet 14.01.1943 in Auschwitz
Edgar Levin, geb. 20.011895 in Flensburg, wohnte in Flensburg, ermordet 24.01.1939 in Sachsenhausen
Lilli Mayer, geb. Moses, geb. 11.02.1888 in Flensburg, wohnte in Flensburg und Hamburg, ermordet in Riga

Gut Jägerslust
Irma Wolff, geb. Altmann, geb. 27.04. 1891 in Dramburg, wohnte in Flensburg und Berlin, ermordet in Auschwitz
Katharina Wolff, geb. Jakoby, geb. 11.02.1868 in Berlin, wohnte in Flensburg und Berlin, ermordet in Treblinka
Lilly Wolff, geb.16.06.1896 in Niederschöneweide bei Berlin, wohnte in Flensburg, Heide und Berlin, ermordet in Riga

Große Str. 54
Arnold Bastian, geb. 1908 in Flensburg, wohnte in Flensburg, Tod 17.02.1945 im Zuchthaus Hameln

Holm 39
Gustav Schreiber, geb. 1904 in Elmshorn, wohnte in Elmshorn und Flensburg, Tod 10.01.1945 im Emslandlager Börgermoor

St. Jürgenplatz 8
August Niemann, geb. 1897 in Flensburg, wohnte in Flensburg, Tod 02.03.1943 im KZ Sachsenhausen

Rathausstraße 2
Johanne Marie Ebsen, geb. Albertz, geb. 1881, wohnte in Flensburg, ermordet in der Heil- und Pflegeanstalt Meseritz/Obrawalde am 30.9.1944

Wer den Namen des Opfers lesen will, muß sich herunterbeugen. In diesem Moment verbeugt er sich vor ihm“ – Gunter Demnig

Mehr zum Kunstprojekt Stolpersteine hier: http://www.stolpersteine.eu/

Zur Aktion am 21.11. ein Beitrag von Bernd Philipsen im Flensburger Tageblatt vom 22.11.2019:

und ein Beitrag von Niels Ole Krogh und Lennart Adam in der Flensborg Avis vom 22.11.2019:

 

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Veröffentlicht am 16. November 2019, in Bürgerbeteiligung, Flensburg News, Kultur, Kulturtipps, Soziales, Veranstaltungstipps. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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