Offener Brief: Flensburger Flüchtlingshelfer wenden sich gegen geplante Streichung der letzten hauptamtlichen Stelle

Offener Brief an Frau Oberbürgermeisterin Simone Lange, Herrn Stadtpräsidenten Hannes Fuhrig, den Verwaltungsvorstand, die Ratsmitglieder und alle Flensburger*Innen der Stadt Flensburg

Sehr geehrte Damen,
sehr geehrte Herren,

2015 erfuhren die Flensburger*innen über Facebook, dass am Bahnhof unzählige Geflüchtete gestrandet waren, ohne ausreichende Nahrung, ohne eine jahreszeitlich entsprechende Kleidung, ohne einen Schlafplatz, ohne hygienische Versorgung und oftmals auch durch Krieg und Flucht traumatisiert. Eine unglaubliche Solidarität unter den Flensburger*innen entstand. Sie haben nicht lange gefragt, sondern haben einfach angepackt. Diese Hilfsbereitschaft ging durch alle gesellschaftlichen Gruppen.

Für etliche Menschen war Flensburg nur eine Station auf der Durchreise, andere blieben hier. Frühzeitig hat die Flüchtlingshilfe Flensburg e.V. sich der Aufgabe gestellt, die neu Angekommenen bei der Integration zu unterstützen. Sehr viele Ehrenamtliche haben ihre Freizeit eingebracht, um sich die Sorgen der Menschen anzuhören und beim Ankommen und Bleiben behilflich zu sein.

Nach unseren Beobachtungen sind wir in der Flüchtlingshilfe oftmals der erste Kontakt, dem sich Geflüchtete anvertrauen. Unsere Arbeit geht weit über die Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen hinaus. Durch unser niedrigschwelliges Angebot wenden sich die Menschen auch an uns, weil sie wissen, dass sie mit allen persönlichen Nöten und Problemen bei uns gehört werden.

Unter den Geflüchteten entstehen oft Kontakte, die eine kurzfristige, gegenseitige Hilfe ermöglichen und sei es nur Hilfe beim Übersetzen von Sprache und Kultur. Für alle ist ein hilfreiches Miteinander entstanden.

An vielen Punkten machen wir Integration überhaupt erst möglich, indem wir die Geflüchteten unsere Gesellschaft verstehen lassen. „Warum bekomme ich meinen Lohn nicht vollständig ausgezahlt, was sind überhaupt Sozialabgaben, warum muss ich Steuern bezahlen? Wie funktionieren hier Kindergarten, Schule, etc.? Welche Pflichten und Rechte habe ich als Bürger?“ Wir werden nicht müde, es zu erklären. Wir haben uns nicht nur fortgebildet, sondern arbeiten auch ständig daran, unser Team weiterzuentwickeln.

Im Laufe der Zeit sind gute Kontakte zu vielen behördlichen Stellen, Vermieter*Innen und anderen Institutionen entstanden, die auch gerne und häufig auf uns verweisen.

Unser Antrieb, uns ehrenamtlich einzusetzen, ist der Wunsch, für ein gutes Miteinander zu sorgen und zu einer gelungenen Integration in unserem schönen Flensburg beizutragen.

Der Andrang in unsere Anlaufstelle ist ungebrochen hoch, dies belegen unsere festgehaltenen Zahlen in Bezug auf die ehrenamtlich erbrachte Zeit und die Menge verschiedenster Anliegen.

Nach dem Verlust der Stelle von Niklas Kildentoft befürchten wir jetzt, wenn zum Jahresende 2019 die letzte hauptamtliche Stelle verloren geht, diese Aufgabe ehrenamtlich nicht mehr bewältigen zu können. Wir fragen uns, wenn es uns nicht mehr gibt, wer übernimmt dann diese Aufgaben und wer bezahlt sie?

Wir sind auf unsere Arbeit und das Team stolz und fänden es fatal, wenn dieses Team der Ehrenamtlichen, egal ob für die Anlaufstelle, den Deutschunterricht, die Kinder- und Frauenprojekte und etliches mehr, einfach wegbricht, weil es niemanden mehr gibt, der sich für den Zusammenhalt dieses Teams verantwortlich fühlt.

Wir sind überzeugt, dass ehrenamtliche Arbeit in dem Umfang, wie sie von uns geleistet wird, nur mit hauptamtlicher Unterstützung erfolgreich sein kann. Für unsere Tätigkeit benötigen wir einen konstanten Ansprechpartner vor Ort, der uns mit Vertrauen und Wertschätzung begegnet, bei dem wir Zuspruch, Rückmeldung und Beistand in schwierigen Situationen erfahren.

Wir bitten Sie dringend, diese wichtige Struktur im Sinne der weiteren Integration unserer neuen Mitbürger*Innen auch zukünftig finanziell in Form eines Hauptamtlichen zu unterstützen.

Flensburg, im Oktober 2019

Namen der Ehrenamtlichen:

Gudrun S., Birgit M., Zihni G., Monika K., Brigitte H., Gisela M., Pia K., Schabdiz M., Rena B., Svenja F., Patrick W., Andy H., Niklas K., Johannes A., Marion S., Stephan N., Daniel G., Heinz-Werner J., Malin H., Kristina B., Randa S., Lisa S., Ulrike W., Thomas H., Maik W., Johannes S., Marlies M., Charlotte D., Benita S., Stephanie P., Katrine H., Elke K., Julia W., Ute N., Berit R., Imke H., Jan Hinnrich H., Melanie T., Wolfgang B., Lea N., Inka E., Mariana B., Kate D.

#Flensburg
#engagiertinFlensburg

Mehr dazu, sowie Zahlen und Daten zur erfolgreichen Arbeit der Flüchtlingshilfe e.V. auch Facebook: https://www.facebook.com/fluechtlingshilfe.flensburg/posts/2189364721170031?__tn__=K-R

Über akopol

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Veröffentlicht am 9. Oktober 2019, in Bürgerbeteiligung, Flensburg News, Inklusion und Integration, Soziales. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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