Archiv für den Tag 6. März 2019

„Diskriminierung per Lohnzettel“: In Flensburg verdienen Frauen 15 Prozent weniger als Männer

Ein Detail macht den Unterschied. Noch immer verdienen Frauen für die gleiche Arbeit weniger als Männer. Das bemängelt die Gewerkschaft NGG am Internationalen Frauentag. Foto (alle Rechte frei): Tobias Seifert/NGG

Zum Frauentag am 8. März – Gewerkschaft NGG kritisiert Lohn-Lücke

Gleiche Arbeit, unterschiedliche Bezahlung: In Flensburg verdienen Frauen, die in Vollzeit arbeiten, 15 Prozent weniger als Männer. Das hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) anlässlich des anstehenden Internationalen Frauentages mitgeteilt. Sie verweist hierbei auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach kommen Männer mit einer Vollzeitstelle in Flensburg auf ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 3.167 Euro pro Monat – Frauen hingegen nur auf 2.678 Euro. In Schleswig-Holstein beträgt der Verdienstunterschied bei Vollzeit zwischen den Geschlechtern 11 Prozent (Männer: 3.065 Euro, Frauen: 2.723 Euro). Dies liege teils an niedrigeren Positionen, die Frauen häufig hätten, insbesondere aber auch an der mangelnden Zahlungsbereitschaft von Unternehmen, so die NGG Schleswig-Holstein Nord.
Gewerkschafter Finn Petersen spricht von einer „Diskriminierung per Lohnzettel“. Es könne nicht sein, dass Frauen bei der Bezahlung trotz gleicher Arbeitszeit systematisch den Kürzeren zögen, so der NGG-Regionalchef. „Dabei sind es immer noch vor allem Frauen, die sich nach einem langen Arbeitstag um Familie und Haushalt kümmern – und das unbezahlt.“
Auch deshalb seien sie oft gezwungen, weniger zu arbeiten. So sind nach Angaben der Arbeitsagentur aktuell 71 Prozent aller Teilzeitstellen in Flensburg weiblich. „Gerade im Gastgewerbe und im Bäckerhandwerk ist es gang und gäbe, dass sie nur eine halbe Stelle haben – oder noch weniger“, kritisiert Petersen. Allein das Gastgewerbe beschäftigt laut Arbeitsagentur in der Stadt 1.930 Minijobber. 1.070 von ihnen sind Frauen.
Die Folgen seien spätestens im Rentenalter „dramatisch“, so die NGG. „Wer über Jahrzehnte wenig verdient und etwa wegen Kindern Unterbrechungen im Erwerbsleben hat, der bekommt kaum Rentenpunkte. Das führt dann zu Armutsrenten, die der Staat aufstocken muss“, betont Petersen. Am Ende zahlten Steuerzahler die Quittung für die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt. Damit müsse Schluss sein. „Unternehmen, die Frauen und Männer für den gleichen Job unterschiedlich bezahlen, sollten mit Konsequenzen rechnen.“
Die Möglichkeit dazu biete zwar das sogenannte Entgelttransparenzgesetz, das seit gut einem Jahr gilt. Danach haben Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern das Recht zu erfahren, was ein Kollege in vergleichbarer Position verdient. Chefs müssen dann bestehende Unterschiede abschaffen. Doch laut einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung wird das Gesetz bisher kaum genutzt. Nach Einschätzung von Finn Petersen liegt das auch daran, dass kleine Betriebe vom Gesetz ausgenommen sind – „obwohl die Lohnunterschiede dort besonders groß sind“. Die NGG macht sich für einen gesetzlichen Anspruch auf „gleiches Geld für gleiche Arbeit“ stark.

 

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Aufruf: 8. März internationaler Frauen*streik

Am 8. März findet der Internationaler Frauen*kampftag statt. Seit Jahrhunderten streiken, streiten und kämpfen Frauen* für ihre Rechte und gegen jede Unterdrückung. Nach und nach ist so eine weltweite Bewegung entstanden – von Polen bis Argentinien, von New York bis Hongkong, von Spanien über Nigeria bis Australien. Für besser Arbeits- und Lebensbedingungen, für ein Recht auf Selbstbestimmung, für Chancengleichheit und die Gleichstellung der Frau*.
Auch hierzulande stehen wir Frauen* Schulter an Schulter zusammen, denn:

Wir sind Enttäuscht!
Wir sind Wütend!
Es Reicht!

Nur gemeinsam können wir die weltweit herrschenden Verhältnisse verändern.

Veranstaltung: Aktion #ichstreike8M 8.3. | 11:55 Uhr
#GlobalScream 8.3.2019 | 17.00
Demonstration zum Frauen*kampftag // 8.
März WELTWEIT

Mehr Infos: https://frauenstreik.org/

Youtube-Link – Aufrufvideo:

#sexism #Frauenstreik #Frauenkampf #MeToo #Femizid
#8M #Frauentag

 

Mit Gold und Silber in den Himmel? – Vortrag am 12.03.2019 im Museum für Archäologie Schloss Gottorf

Foto: Dr. Sven Kalmring mit Kollegen auf dem Flachgräberfeld in Haithabu © A. Wendt

Ausgrabungen im Flachgräberfeld von Haithabu

Letzter Termin in der Wintervortragsreihe: Dienstag, 12. März, 19 Uhr

Die Wintervortragsreihe im Museum für Archäologie auf Schloss Gottorf endet mit einem Vortrag von Dr. Sven Kalmring am Dienstag, 12. März. Ab 19 Uhr berichtet der Archäologe von seinen Ausgrabungen 2017 auf dem Flachgräberfeld von Haithabu, die ihren Ausgangspunkt in der Altgrabung von Helmer Salmo aus dem Jahre 1939 nahmen. Wegen Ausbruchs des 2. Weltkrieges wurde die Ausgrabung bereits nach zwei Wochen wieder niedergelegt. Am Tage des Überfalls auf Polen, am 1. September, wurden die verbleibenden Befunde mit Dachpappe abgedeckt und die Untersuchung überstürzt abgebrochen.

Das Flachgräberfeld wurde vor allem in den Jahren 1908 bis 1912 durch Friedrich Knorr auf einer zusammenhängenden Fläche von 400 Quadratmetern studiert. Mit seinen 319 Gräbern, seiner dichten Belegung und fehlenden Grabbeigaben kommt diese Fundsituation einem christlichen Friedhof nach unseren heutigen Vorstellungen sehr nahe. Christliche Gräber verfügen generell über keine Beigabenausstattung und sind ost-westlich orientiert, um am Tage des Jüngsten Gerichtes die Rückkehr des Heilands zu erblicken. In der Übergangsphase gibt es Gräber mit heidnischer und christlicher Symbolik.

Mit der anschließenden Erweiterung der Grabungsfläche in Richtung Südwesten wurde erwartet, Gräber aus der Spätphase von Haithabu aus dem 10. und 11. Jahrhundert untersuchen zu können. Was dabei heraus gekommen ist, erfahren die Besucher im Vortrag von Dr. Sven Kalmring.

Sven Kalmring studierte Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Volkskunde in Kiel und Lund. Er ist fester Mitarbeiter im Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) in Schleswig  und hat seit 2015 außerdem die Projektleitung der Untersuchungen „Birka’s Black Earth Harbour 2015“, zusammen mit Lena Holmquist, Arkeologiska forskningslaboratoriet, Stockholms universitet.

Die Veranstaltung ist Teil der Winter-Vortragsreihe des Museums für Archäologie. Sie steht im Zeichen des zehnten Jubiläums des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) in Schleswig. Der Eintritt ist frei.

Landesmuseen Schleswig-Holstein
Schlossinsel 1 | Schloss Gottorf | 24837 Schleswig | +49(0)4621 – 813 222 |service@schloss-gottorf.de

Öffnungszeiten
März – Oktober: Di-Fr 10-17 Uhr | Sa-So 10-18 Uhr
November bis März: Di-Fr 10-16 Uhr | Sa-So 10-17 Uhr

http://www.schloss-gottorf.de/

 

Jüdisches Museum in Rendsburg: Die „Neue Rechte“ und die Juden – Vortrag am 12.03.2019

 

Fotomontage zur Ausstellung „Angezettelt“ © Landesmuseen Schloss Gottorf 2019

Dienstag, 12. März, 19 Uhr: Die „Neue Rechte“ und die Juden. Antisemitismus, Erinnerungspolitik, Pro-Israelismus

Im Begleitprogramm zur Sonderausstellung „Angezettelt. Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute“ führt der Berliner Historiker Dr. Marcus Funck in ein zuletzt viel diskutiertes Thema ein: Das Verhältnis der „Neuen Rechten“ zu den Juden.
Mit der AfD ist eine in Teilen völkisch ausgerichtete rechte Partei in die Parlamente eingezogen. Ihr völkisch-rechtsradikaler Flügel ist eng mit der „Neuen Rechten“ verwoben. Deren Verhältnis zu Juden in Deutschland, zu einer kritischen Erinnerungskultur und zu Israel ist höchst widersprüchlich.
Wie lassen sich also die Orientierungen der ‚Neuen Rechten‘ einordnen? In welchem Verhältnis stehen sie zu klassischen antisemitischen Positionen der radikalen Rechten? Und was bedeutet dies für in Deutschland lebende Juden? Dr. Marcus Funck, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Studiengangsleiter am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin, hat sich intensiv mit dem Entstehen der „Neuen Rechten“ und ihren Beziehungen zur AfD befasst.

Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 4 Euro, Anmeldung nicht erforderlich.

Jüdisches Museum Rendsburg
Prinzessinstraße 7-8 | 24768 Rendsburg | Tel 04331 440 43-0
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonnabend 12-17 Uhr | Sonntag 10-17 Uhr (oder tel. Vereinbarung)

http://www.schloss-gottorf.de/juedisches-museum

 

Gerichtsurteil: Erhöhung der Grundsteuer in Flensburg rechtlich unbedenklich

Entscheidung des Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsgerichtes

Flensburg. Am heutigen Mittwoch wurde vor dem Verwaltungsgericht in Schleswig die Klage des Vereins Haus und Grund gegen die Stadt Flensburg verhandelt. Haus und Grund hatte der Stadt Flensburg vorgeworfen bei der jüngsten Erhöhung der Grundsteuer um 200 Punkte (zum 1.1.2017) eine unzulässige Verknüpfung der Steuererhöhung und der damit zu erwartenden Einnahme mit der Kitaqualitätsoffensive vorzunehmen. Da Steuern allgemeine Haushaltsdeckungsmittel darstellen und nicht zweckgebunden erhoben werden dürfen, wäre die Erhöhung unwirksam.
Das Gericht hat nun die Haltung der Stadt bestätigt, wonach die allgemeine Erhöhung der Grundsteuer als Einnahmequelle auch für die Finanzierung der Kitaqualitätsoffensive verwendet werden kann. Eine Zwecksteuer hat die Ratsversammlung der Stadt Flensburg nicht beschlossen. Neben der Finanzierung über höhere Kredite, die von der Kommunalaufsicht nicht akzeptiert würden, käme noch die Erhebung von Elternbeiträgen in Frage. Aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Kitaversorgung und der Bedeutung der Aufgabe für den Standort Flensburg hatte sich die Stadt schließlich für die Finanzierung über allgemeine Haushaltsmittel entschieden. Um die Deckungsfähigkeit des Haushaltes zu gewährleisten wurde u.a. die Grundsteuer um 210 Punkte angehoben.
Bürgermeister und Kämmerer Henning Brüggemann sieht in dem Urteil ein klares Bekenntnis zur Handlungsfähigkeit der öffentlichen Hand: „Das Verfahren und das Urteil zeigen, dass die Klage vor allem politisch wirken sollte, um Druck auf die Selbstverwaltung auszuüben.
Das Gerichtsurteil ist eine Bestätigung einer souveränen Entscheidung der Kommune, die sich an Gemeinwohlgesichtspunkten orientiert. Jede andere Entscheidung hätte die Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit der öffentlichen Hand in Frage gestellt. Die Richter haben mit ihrer Entscheidung die Gemeinwohlinteressen klar über Einzelinteressen und das Agieren von Lobbyvereinen gestellt. Das ist gut.“

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