Archiv für den Tag 17. Januar 2019

Gericht stoppt sh:z-Verlag und hebt Zwangsversetzung von Redakteuren auf

Kiel, 17. Januar 2019 – Gute Nachricht aus dem Norden: Das Arbeitsgericht Flensburg hat den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) dazu verurteilt, den langjährigen Leiter der Stadtredaktion Flensburg, Carlo Jolly, wieder auf dieser Position einzusetzen. Der Verlag hatte Jolly und zwei weitere, lange in der Lokalredaktion am Hauptsitz Flensburg eingesetzte Redakteure gegen deren Willen aus Flensburg weg versetzt. Alle drei haben dagegen Klage eingereicht, jetzt gibt es eine erste Entscheidung.

Die Richterin begründete im Fall Jolly die herbe Abfuhr für den sh:z vor allem mit dem Arbeitsvertrag, der eine solche Zwangsversetzung nicht hergebe. Darin ist ausdrücklich Flensburg als Dienstsitz vorgesehen – eine Klausel, die nur einvernehmlich geändert werden könne. Auch den von Verlagsseite angeführten Tendenzschutz, der Medienbetrieben das Recht gibt, die inhaltliche Linie zu bestimmen, ließ die Richterin nicht als Rechtfertigung gelten.

„Wir freuen uns für den Kollegen Carlo Jolly über diese Entscheidung. Sie bestätigt, dass seine plötzliche Versetzung an einen Akt der Willkür grenzte“, kommentierte der Landesvorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Journalistenverbandes, Arnold Petersen. „Der Verlag hat selbstherrlich agiert. Es ist gut, dass das Gericht ihn in die Schranken gewiesen hat.“ Der sh:z wäre klug beraten, nun in den beiden noch anhängigen Verfahren eine gütliche Lösung anzustreben.

Carlo Jolly ist seit 1990 beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag beschäftigt, seit 2008 war er Leiter der Stadtredaktion Flensburg. Im Sommer 2018 wurde ihm aus heiterem Himmel eröffnet, dass er zum 1. September „bis auf Weiteres“ als Mitglied der Redaktionsleitung nach Husum versetzt werde – eine Degradierung. Dagegen legte Jolly, unterstützt vom Schleswig-Holsteinischen Journalistenverband, Ende August Klage ein.

Mit dem Ressortleiter wurden die zwei weiteren langjährigen Kollegen nach Schleswig und Leck zwangsversetzt. Die drei Versetzungen lösten erhebliche Unruhe im Hause sh:z aus und sorgten ebenso in der Öffentlichkeit für Wirbel, bedeuteten sie doch eine Zerschlagung der bisherigen Stadtredaktion. Eine schlüssige Begründung für den radikalen Schnitt gab es nicht, nur vage Hinweise auf einen notwendigen Generationswechsel angesichts der Digitalisierung. Damit wurde der bisherigen Lokalredaktion, die wenige Monate zuvor noch für besondere Leistungen ausgezeichnet worden war, pauschal unterstellt, neuen Herausforderungen nicht gewachsen zu sein.

Den Widerspruch, warum Jolly einerseits ein guter Journalist, andererseits aber für die Bedienung digitaler Kanäle nicht zu gebrauchen sei, konnten die Verlagsvertreter auch vor dem Arbeitsgericht nicht ausräumen. Im Verlauf des Verfahrens hatten sie einige angebliche Versäumnisse nachgeschoben, die hergeholt wirkten. Denn diese fielen teilweise nicht einmal in Jollys Verantwortung.

V.i.S.d.P. Bettina Neitzel, Geschäftsführerin djv Schleswig-Holstein

Zum Verlauf der Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Flensburg auch der Beitrag der taz vom 17.01.2019:
Flensburger Tageblatt scheitert vor Gericht – Versetzung gefährdet
Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag hat drei Journalisten gegen ihren Willen versetzt. Zu unrecht, urteilte das Arbeitsgericht. Der Verlag zeigt sich stur.
Weiterlesen unter: http://www.taz.de/!5563608/

Mehr dazu auch in einem AKOPOL-Beitrag vom 10.10.2018: Streit um Versetzung von Flensburger sh:z-Redakteuren geht vor Gericht unter: https://akopol.wordpress.com/2018/10/10/streit-um-versetzung-von-flensburger-shz-redakteuren-geht-vor-gericht/

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Studio 15 │ 25 – Zehn Kunstworkshops für 15-25-Jährige auf dem Flensburger Museumsberg

Workshops mit KünstlerInnen aus Schleswig-Holstein, Dänemark, Hamburg und Berlin

Start am 22. und 23. Februar – jetzt anmelden!

Kunst für und mit uns! Das ist die Devise beim Studio 15 │ 25. Zehn Workshops mit Künstlern aus Schleswig-Holstein, Dänemark, Hamburg und Berlin finden in extra eingerichteten Studioräumen statt. Die Räume sind Atelier und Ausstellungsraum zugleich. Hier entsteht eine sich ständig verändernde Ausstellung unter aktiver Mitarbeit der teilnehmenden 15–25-Jährigen.

Vielversprechende Themen sind vorbereitet: Architektur, Fotografie, Klang-Kunst, Tattoo-Kunst, Film, Installation, Malerei und Comiczeichnen stehen auf dem Plan. Künstler kennenlernen, Kunst selber machen und an einer Ausstellung im Museum mitwirken. Das alles bietet der Museumsberg Flensburg, gefördert durch die Kunststiftung HSH Nordbank, in diesem Jahr.

Der erste Kurs „raumgreifend“ mit dem Kieler Architekten Simon Kühl startet im Studio 15 │ 25 am 22. und 23. Februar. Architektur und Möbel aus Gerüstgestänge und weiteren Materialien werden kreativ zur Gestaltung und Gliederung der Räume eingesetzt. Infos gibt es unter www.studio15-25.de. Dank der Förderung kostet jeder Workshop nur 10 € einschließlich Imbiss. Teilnahmekarten gibt es nur an der Kasse auf dem Museumsberg Flensburg, die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Neue Dauerleihgaben für die Museumsinsel Schloss Gottorf

Kirchner-Zeichnung mit Dr. Uta Kuhl links und Dr. Kirsten Baumann (c) Landesmuseen Schloss Gottorf 2019

Stiftung Horn erwirbt Nolde- und Kirchner-Zeichnungen

Emil Nolde, Hamburger Hafen kl (c) Stiftung Rolf Horn – Leihgabe Bettina Horn

Die Sammlung Rolf Horn auf Schloss Gottorf ist um drei Preziosen reicher: Zwei Tuschpinselzeichnungen von Emil Nolde aus dem Jahr 1910 – „Schlepper im Hafen“ und „Hamburger Hafen“ – sowie ein „Frauenporträt“ (um 1914/15), eine Kohlezeichnung von Ernst Ludwig Kirchner, hat Bettina Horn für die Stiftung neu erworben und der Museumsinsel als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

„Diese neuen Zeichnungen ergänzen die Sammlung hervorragend“, würdigt Dr. Kirsten Baumann, Direktorin des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, die Neuerwerbungen. Sie korrespondierten mit Arbeiten beider Künstler, die bereits in der Sammlung Horn auf der Museumsinsel zu sehen seien. So passt die Kirchner-Zeichnung mit einem sehr privaten Blick auf seine Lebensgefährtin Erna Schilling zu einer Zeichnung von Dodo, seiner Freundin aus der Dresdner Zeit. Die beiden Arbeiten hängen sich nun in der Ausstellung gegenüber.

Emil Nolde Schlepper im Hafen kl (c) Stiftung Rolf Horn – Leihgabe Bettina Horn

Die Nolde-Zeichnungen fügen sich ebenfalls in das Konvolut der Sammlung ein. Bettina Horn hat im Lauf der Jahre auch etliche frühe Arbeiten von Emil Nolde gekauft, die sich dem Hamburger Hafen widmen.

„Das sind großartige Werke“, sagt Kuratorin Dr. Uta Kuhl, „sie zeigen Noldes innovative Technik und seine Bereitschaft zum Experimentieren.“

Die Sammlung von Rolf und Bettina Horn fand ihren Weg 1988 nach Schleswig. Seit 1995 führt Bettina Horn das Vermächtnis ihres Mannes fort, indem sie den Bestand umsichtig und in die Zukunft gerichtet weiter entwickelt, im Sinne ihres Mannes, dem Kunstfreund und Sammler, der weitergeben wollte, was ihm am Herzen lag.

 

Landesmuseen Schleswig-Holstein
Schlossinsel 1 | Schloss Gottorf | 24837 Schleswig | +49(0)4621 – 813 222 |service@schloss-gottorf.de

Öffnungszeiten
März – Oktober: Di-Fr 10-17 Uhr | Sa-So 10-18 Uhr
November bis März: Di-Fr 10-16 Uhr | Sa-So 10-17 Uhr

http://www.schloss-gottorf.de/

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