Offener Brief von Pressesprechern zum Wechsel in der Lokalredaktion Flensburg des shz

Im Zusammenhang mit der Versetzung von drei Redaktueren des Flensburger Tageblattes in die Provinz dokumentieren wir untenstehend den Offenen Brief von Clemens Teschendorf, Pressesprecher der Stadt Flensburg und den Pressesprecher/innen der Universität Flensburg, des Flensburger TBZ sowie der Wohnungsbaugenossenschaft SBV. Anschließend folgt ein Link zu einem Beitrag von Gregory Lipinski vom 18.09.2018 auf meedia.de der sich mit den möglichen Gründen dieser Versetzung beschäftigt:

Offener Brief zum Wechsel in der Lokalredaktion Flensburg des shz

Flensburg, 10.9.2018. Am vergangenen Montag konnten wir dem Lokalteil des Flensburger Tageblattes entnehmen, dass die Lokalredaktion ab sofort (weitgehend) mit neuen Redakteurinnen und Redakteuren besetzt wird. Es wurden die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor- und ihre künftigen Aufgaben dargestellt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den neuen Kolleginnen und Kollegen, werden sie nach bestem Wissen unterstützen und wünschen ihnen einen guten Start.
Allerdings wundern wir uns über die Hintergründe dieses radikalen Wechsels innerhalb der Lokalredaktion, durch den so viel Erfahrungswissen verloren geht, und wir wundern uns darüber, dass diese Gründe nicht kommuniziert werden. Das verunsichert uns.
Pressearbeit ist immer auch eine Frage des gegenseitigen Vertrauens. Insbesondere bei schwierigen und sensiblen Themen können detailliertere Erläuterungen und das Erklären von Zusammenhängen nur dann erfolgen, wenn ein solides Verhältnis gegeben ist. So ein Vertrauensverhältnis wächst über Jahre und setzt viel Kommunikation und Umgang voraus. Vertrauen geht schnell verloren und baut sich nur langsam wieder auf.
Carlo Jolly, Joachim Pohl und Holger Ohlsen, die nun laut dem benannten Zeitungsbericht „andere redaktionelle Aufgaben“ wahrnehmen, hatten unser Vertrauen. Natürlich waren wir nicht immer begeistert, wenn wir auch mal Kritik einstecken mussten oder uns unangenehmen Fragen gegenübersahen. Doch unangenehme Fragen zu stellen, ist unter anderem Aufgabe und Funktion der Medien als vierter Macht im Staate. Wir haben diese Fragen auch deshalb gerne beantwortet, weil unsere Ansprechpartner ihr journalistisches Handwerk respektierten und verstanden und auch die schwierigen Themen „sauber“ abgearbeitet haben.
Die langjährige Erfahrung, die erarbeitete Vertrauensbasis sowie die über Jahrzehnte erworbenen Kenntnisse über unsere Stadt als Grundlage der Zusammenarbeit werden uns in der täglichen Arbeit fehlen – wie auch die Antwort auf die Frage, warum dieser radikale Umbruch erfolgt ist.

Pressesprecher Stadt Flensburg
Clemens Teschendorf

Kathrin Fischer
Pressesprecherin Universität Flensburg

Pressesprecher TBZ
Geoffrey Warlies

Pressesprecher SBV
Matthias Weiß

Auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) rügt den Personalaustausch Siehe hierzu auch die Pressemitteilung des djv :

DJV rügt Personalaustausch in der Flensburger Lokalredaktion

Kiel, 31. August 2018 – Der Deutsche Journalisten-Verband Landesverband (DJV) Schleswig-Holstein fordert den Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) auf, den weitgehenden Personalaustausch in der Lokalredaktion des Flensburger Tageblatts zurückzunehmen. „Wir sind empört darüber, wie der sh:z mit bewährten Mitarbeitern nach jahrzehntelanger Loyalität zum Haus umspringt“, kommentiert der DJV-Landesvorsitzende Arnold Petersen die unerklärliche Hauruck-Aktion. „Die Eile und Härte, mit der Geschäftsführung und Chefredaktion diesen einschneidenden Personalaustausch betreiben, muten wie eine Strafaktion an.“
Knall auf Fall werden zum 1. September drei langjährige Redakteure gegen ihren erklärten Willen nach Husum, Niebüll und Schleswig versetzt, darunter der Ressortleiter. Die Hintergründe sind nebulös. Der Ressortleiter hat Klage gegen den sh:z-Verlag eingereicht. Der DJV Schleswig-Holstein unterstützt die betroffenen drei Kollegen in der Auseinandersetzung mit ihrem Arbeitgeber.
Was den Anstoß für das Personalkarussell gab, darüber kursieren im Verlagshaus wie in der Stadt Flensburg verschiedene Varianten. Eine ist besonders pikant. Danach wird die Lokalredaktion wegen unliebsamer Berichterstattung auf Druck eines Wirtschaftsunternehmens ausgetauscht. Die Chefredaktion selbst verwies in einer Hausmitteilung lapidar auf den anstehenden Generationswechsel.
„Eines haben alle kursierenden Erklärungen gemeinsam: Von einem Fehlverhalten der Betroffenen, das auch nur ansatzweise ihr plötzliches Fallenlassen als anerkannte Lokalberichterstatter rechtfertigen würde, ist nicht die Rede“, resümiert Petersen.
Bemerkenswert: Noch Ende 2017 zeichnete der Verlag den Leiter der Lokalredaktion für besondere Leistungen mit dem so genannten Herausgeberpreis aus. Jetzt soll er auf Biegen und Brechen abgeschoben werden.
„Arbeitsrechtlich ist es so, dass der Arbeitgeber solche Versetzungen überhaupt nur dann einseitig vornehmen kann, wenn der Arbeitsvertrag entsprechende Versetzungsklauseln enthält. Aus unserer Sicht lassen schon die Arbeitsverträge dieser Redakteure eine einseitige Versetzung gar nicht zu“, erklärt der Fachanwalt für Arbeitsrecht, Andreas Bufalica.
Aber auch ein einseitiges Versetzungsrecht gelte nie unbeschränkt. Der Arbeitgeber sei rechtlich verpflichtet, bei seiner Versetzungsanordnung immer Rücksicht auf die individuellen familiären und anderen persönlichen Belange des Mitarbeiters zu nehmen, erläutert der Rechtsanwalt. Daher müsse er für die Versetzung gegebenenfalls auch Mitarbeiter auswählen, für die die Versetzung aufgrund ihrer persönlichen und familiären Situation weniger einschneidend ist. Bufalica: „Wir sehen nicht, dass der Verlag hier überhaupt solche Überlegungen angestellt hat, bevor er die Versetzung der Flensburger Lokalredakteure angeordnet hat.“

V.i.S.d.P. Arnold Petersen, Vorsitzender

Dazu auch der  akopol-Beitrag vom 10. Oktober 2018:

Streit um Versetzung von Flensburger sh:z-Redakteuren geht vor Gericht –
Kritische Berichterstattung über lokales Wirtschaftsunternehmen als Grund für Strafversetzung?

Die Diskussion um die rätselhafte Entkernung der alten Flensburger Stadtredaktion beim sh:z bekommt neuen Zündstoff. Das vom Deutschen Journalistenverband herausgegebene Medienmagazin „Journalist“ geht in seiner Oktober-Ausgabe Vermutungen nach, die plötzlichen Versetzungen des ehemaligen Flensburger Ressortleiter Carlo Jolly (nach Husum) und der Redakteure Holger Ohlsen (nach Leck) und Joachim Pohl (nach Schleswig) seien womöglich auf Druck Dritter erfolgt, die ihre wirtschaftlichen Interessen durch eine kritische Berichterstattung berührt sahen. Weiterlesen unter: https://akopol.wordpress.com/2018/10/10/streit-um-versetzung-von-flensburger-shz-redakteuren-geht-vor-gericht/

Mehr zu den Hintergründen auch in einem Beitrag von  vom 18.09.2018 auf meedia.de:

Zoff beim Flensburger Tageblatt: Chefredakteur Stefan Kläsener stößt Lokalredaktion vor den Kopf

Unruhe beim Flensburger Tageblatt. Überraschend hat Chefredakteur Stefan Kläsener drei langjährige Redakteuren aus der Flensburger Lokalredaktion in die tiefste Provinz versetzt. Möglicher Auslöser hierfür soll laut Journalistenverband DJV eine unliebsame Berichterstattung über ein Flensburger Unternehmen gewesen sein. Weiterlesen unter: https://meedia.de/2018/09/18/zoff-beim-flensburger-tageblatt-chefredakteur-stefan-klaesener-stoesst-lokalredaktion-vor-den-kopf/

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Veröffentlicht am 23. September 2018, in Flensburg News, Soziales, Wirtschaft. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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