Flensburger Arbeitslosenquote im März 2018 bei 9,1 %

29 Arbeitslose weniger als im Vormonat

Zahl der Flensburger SGB II-Regelleistungsbezieher („Hartz IV“) mit 11.568 Personen auf neuem Höchststand

Arbeitsmarkt:

Im Stadtgebiet Flensburg sank die Zahl der Arbeitslosen nach Angaben der Agentur für Arbeit Flensburg im März 2018 im Vergleich zum Vormonat um 29 (-0,6 Prozent) auf 4.608.  Im Vorjahresvergleich stieg die Zahl der Arbeitslosen um 98 (2,2 Prozent).
Die Arbeitslosenquote sank auf 9,1 Prozent (Vormonat 9,2 Prozent; März 2017: 9,0 Prozent).

19 offene Stellen mehr als im Februar

777 sozialversicherungspflichtige Stellen waren in der Stadt Flensburg zu vergeben, 22 oder 2,9 Prozent weniger als vor einem Jahr, 19 oder +2,5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Der größte Bedarf bestand bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (176), im Handel (128) sowie im Bereich Erziehung und Unterricht (90).

Ausbildungsstellenmarkt:

Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober 2017 meldeten sich in der Stadt Flensburg 528 Bewerber für Berufsausbildungsstellen, 1,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zugleich gab es 713 Meldungen für Berufs-ausbildungsstellen, ein Plus von 4,2 Prozent.

Top 5 der gemeldeten Ausbildungsstellen:
1. Kaufmann/-frau im Einzelhandel
2. Verkäufer/in
3. Fachmann/-frau für Systemgastronomie
4. Kaufmann/-frau – Büromanagement
5. Handelsfachwirt/in (Ausbildung)

Top 5 der gesuchten Ausbildungsplätze:
1. Verkäufer/-in
2. Kaufmann/-frau – Büromanagement
3. Medizinische/r Fachangestellte/r
4. Kraftfahrzeugmechatroniker – PKW-Technik
5. Kaufmann/-frau im Einzelhandel

Tatsächliche Arbeitslosenquote in Flensburg aufgrund der verdeckten Arbeitslosigkeit bei über 13%

Die genannten Arbeitslosenzahlen der Flensburger Arbeitsagentur beeinhalten jedoch nicht die Menschen, die sich in der sog. verdeckten Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung befinden. In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik oder in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus sind. Diese Personen werden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil sie für Menschen stehen, denen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt.

Für den gesamten Agenturbezirk Flensburg, also mit den Geschäftsstellenbezirken Flensburg, Husum, Kappeln, Niebüll, Schleswig, Westerland und Tönning, ergibt sich im März 2018 eine Zahl von 16.608 Arbeitslosen (Vormonat  17.683 ), zuzüglich der Unterbeschäftigung sind es jedoch 21.745  (Vormonat 22.593). Nicht inbegriffen in der offiziellen Arbeitslosenstatistik sind auch die Arbeitslosen, die aufgrund von Alter, Krankheit oder sonstigen Gründen als nicht mehr vermittelbar gelten und/oder vorzeitig zwangsverrentet wurden und in den SGB-XII-Leistungsbereich fallen. Entsprechend sind prozentual auch die tatsächlichen Arbeitslosenzahlen in Flensburg erheblich höher. Mehr dazu im Arbeitsmarktreport für_AA 119 Flensburg_201803 auf bzw. ab Seite 9.

Komponenten der Unterbeschäftigung

Arbeitsmarktreport der Agentur für Arbeit Flensburg, März 2018, S. 9

Damit dürfte die Zahl der Arbeitslosen in Flensburg im März 2018 nicht 4.608 betragen haben, sondern lag hochgerechnet bei etwa 6.700 und die tatsächliche Arbeitslosenquote bei über 13%.  Rechnet man noch die Arbeitslosen dazu, die aus dem Leistungsbezug des ALG I rausgefallen sind, keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben und als arbeitsuchend gemeldet sind, dürfte die Quote sogar noch erheblich höher liegen. Dies verdeutlichen auch die untenstehenden Zahlen der Arbeitsuchenden.

Zahl der Arbeitsuchenden im Geschäftstellenbereich Flensburg sinkt leicht

Die Zahl der Arbeitsuchenden betrug im März 2018 im Geschäftsstellenbereich Flensburg, der die Stadt Flensburg und Randgemeinden umfasst, 11.478  Personen, im Vormonat waren es 11.601 (siehe Arbeitsmarktreport für_AA 119 Flensburg_201803  S. 20).

Abnahme im Agenturbezirk: Für den gesamten Agenturbezirk Flensburg, also mit den Geschäftsstellenbezirken Flensburg, Husum, Kappeln, Niebüll, Schleswig, Westerland und Tönning, lag im März 2018 die Zahl der Arbeitsuchenden und inklusive der statistisch registrierten Arbeitslosen bei 26.170 Personen und damit um 951 unter der des Vormonats von 27.219 Personen (siehe Arbeitsmarktreport für_AA 119 Flensburg_201803 S. 6). Dies sind im Vergleich zu den offiziell gemeldeten Arbeitslosen 9.562Personen zusätzlich. Darunter fallen unter anderem auch Arbeitslose, deren Arbeitslosengeld I ausgelaufen ist und die keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II nach dem SGB II haben oder die auf Inanspruchnahme derartiger Leistungen verzichten. Sie gelten daher nicht als arbeitslos im eigentlichen Sinne und tauchen in der Arbeitslosenstatistik nicht auf.

Zahl der SGB II-Bedarfsgemeinschaften erhöht sich um 29 – Im Jahresvergleich steigt die Zahl der Regelleistungsbezieher um 364 auf einen neuen Höchststand von jetzt 11.568 Personen

Jobcenter:

Das Jobcenter Flensburg betreute im März 2018 3.240 arbeitslose Flensburger (Empfänger von Arbeitslosengeld II); das sind 7 Personen mehr als imVormonat (+0,2%) bzw. 127 Personen (+4,1%) mehr als im Vorjahresmonat.

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften stieg im März im Vergleich zum Vormonat um 29 auf 6.731 (+ 0,4%); im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhte sie sich um 137 (+2,1%).

Die Zahl der Regelleistungsbezieher erhöhte sich im Vergleich zum Vormonat um 54 auf 11.568 (+0,5%), im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen sie um 364 (+3,2%).

 

Zum politischen Streit um die Schönung der Arbeitslosenzahlen in Schleswig-Holstein auch ein Beitrag von Till H. Lorenz vom 3.10.2016 auf shz.de:
Arbeitsagentur in SH : So viele Menschen sind in Schleswig-Holstein wirklich arbeitslos
Tausende Erwerbslose werden aus der Statistik der Arbeitsagentur herausgerechnet – weil die Politik es so möchte.
unter: http://www.shz.de/deutschland-welt/wirtschaft/so-viele-menschen-sind-in-schleswig-holstein-wirklich-arbeitslos-id14995576.html

Ein Beitrag des ZDF vom 2.11.2017: Eine Million Arbeitslose mehr – Wie die Arbeitslosenzahl schöngerechnet wird

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich freundlich. Seit Jahren sinkt die Zahl der Arbeitslosen. Doch viele Arbeitslose werden gar nicht mitgezählt. Unter https://www.zdf.de/nachrichten/heute/arbeitslose-wer-in-der-statistik-nicht-beruecksichtigt-wird-100.html

Und zum gleichen Thema ein Beitrag von correktiv.org vom 31. Mai 2017:

Warum eine Million Arbeitslose in der offiziellen Statistik nicht sichtbar sind
Die am Dienstag vorgestellte Arbeitslosenzahl ist um mindestens eine Million zu niedrig. Die geschönte Zahl kommt durch mehrere Gesetzesänderungen zu Stande. Sogar die Bundesagentur für Arbeit spricht sich für eine neue Berechnungsgrundlage aus, damit die offizielle Arbeitslosenzahl mehr der Wirklichkeit entspricht
https://correctiv.org/recherchen/arbeit/artikel/2017/05/31/zeit-fuer-die-echte-arbeitslosenzahl/

 

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Veröffentlicht am 29. März 2018 in Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Hartz IV, Soziales, Wirtschaft und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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