Stadtwerke Flensburg mit einem zukunftsweisenden Ökostrom-Modell für Mehrfamilienhäuser

Mieterstrommodell – die große Unbekannte

Flensburg: Die Stadtwerke Flensburg haben beim Marktforschungsinstitut Innofact eine Umfrage zum „Mieterstrommodell“ in Auftrag gegeben. Ergebnis: Das Angebot „Mieterstrommodell“ ist 65% der Befragten unbekannt. Und die restlichen 35% haben auch nur eine ziemlich vage Vorstellung davon, was das ist.

Das Prinzip des Mieterstrommodells ist eigentlich ganz einfach: Der Vermieter investiert in eine Photovoltaikanlage auf dem Dach seines Mietshauses. Der dort produzierte, umweltfreundliche Öko-Strom wird direkt an seine Mieter geliefert. Dabei entfallen Kostenbestandteile des Strompreises wie Netzentgelte, Konzessionsabgaben, Umlagen und Stromsteuer. Wird der Strom von den Mietern nicht verbraucht, weil der Bedarf gerade fehlt, wird er in das Stromnetz eingespeist und nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) vergütet. Benötigen die Mieter mehr Strom als die Anlage erzeugt, werden sie aus dem Netz versorgt.

Der Vermieter erhöht mit der PV-Anlage den Wert seiner Immobilie und tut etwas für sein Image. Der Mieter zahlt für den Mieterstrom weniger als für herkömmlichen Strom.

Diese Vorteile des Mieterstrommodells sind bei den rund 600 Befragten offensichtlich nicht angekommen. Denn nach einer kurzen Erklärung des Angebotes wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie sich grundsätzlich eine Teilnahme am Mieterstrommodell vorstellen könnten. Und nach der Erklärung war das Interesse schon groß: Unabhängig von Alter, Geschlecht und Region können sich etwa zwei Drittel eine Teilnahme an dem Mieterstrommodell vorstellen. Nur 18% der Befragten sprachen sich dagegen aus.

Die Anforderungen, die die Befragten stellten, waren deutlich. Für 78% käme die Teilnahme nur in Frage, wenn dadurch ihre Stromkosten verringert werden. Gleichzeitig gaben 18% der Befragten an, dass sie dafür eine geringe Mieterhöhung akzeptieren würden.

Bei der Frage nach einer eigenen finanziellen Beteiligung der Mieter zeigte sich ein eher gemischtes Bild. Für 30% der Befragten kommt eine Beteiligung in Frage. Gleichzeitig lehnten 41% eine finanzielle Beteiligung ab.

Fazit ist: Mieterstrommodelle sind in Deutschland noch weitestgehend unbekannt. Dennoch ist die Bereitschaft hoch, daran teilzunehmen, wenn die Vorteile erklärt werden.

Solarenergie im Mehrfamilienhaus

Grüner Strom vom Dach für alle Hausbewohner

Mit dem „Mieterstrom“ bieten die Stadtwerke Flensburg im eigenen Netzgebiet die Möglichkeit, mit Solarstrom aus einer Fotovoltaikanlage auch Mietwohnungen zu versorgen.

Denn bisher war der Traum vom grünen Strom aus eigener Solarproduktion nur für Hausbesitzer lukrativ. Mieter haben zum einen oft das Problem, nicht frei über die Dachflächen ihres Gebäudes verfügen zu können. Zum anderen macht ihnen das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den Traum von einer CO2-neutralen Energieversorgung schwer. Denn per Gesetz handelt es sich bei der Nutzung von Strom vom Dach einer Mietwohnung nämlich nicht um Eigenstromverbrauch – Letzterer ist aber Voraussetzung für die Vorteile der eigenen FV-Anlage. Nur so winkt die Befreiung von Netznutzungsentgelten und Konzessionsabgaben.
Abhilfe schafft das Mieterstrommodell der Stadtwerke Flensburg. Damit können FV-Anlagen auf den Dächern von Mehrfamilienhäusern installiert und der Strom allen Mietern zur Verfügung gestellt werden. Jede Mieteinheit behält dabei ihren eigenen Stromzähler, allerdings erhält das Gebäude zwei neue Geräte: Ein Zähler erfasst den Solarstrom vom Dach, ein weiterer misst, wie viel Strom zusätzlich aus
dem Netz bezogen beziehungsweise wie viel nicht genutzter Solarstrom eingespeist wird. Die Energie vom Dach wird nach Nutzung auf alle Parteien verteilt und deren Netzbezug reduziert. Mit dem fortschreitenden Einbau smarter Messgeräte wird auch eine exakte Zuordnung möglich sein.
Im Juli hat die Bundesregierung ein Gesetz zum Mieterstrom in Kraft gesetzt. Dies macht den Bau und die Nutzung von FVAnlagen auf Mehrfamilienhäusern für die Vermieter deutlich attraktiver. Sie haben seit dem 25. Juli 2017 einen Förderanspruch und erhalten einen Mieterstromzuschlag zwischen 2,2 Cent/kWh und 3,8 Cent/kWh.

Übrigens, ein ähnliches Modell mit Ökostrom vom Dach bieten die Stadtwerke auch für Unternehmen, öffentliche Träger und Institutionen nicht nur in Flensburg an!

Siehe hierzu die folgenden Artikel:

Stadtwerke Flensburg steigen in das Geschäft mit der Photovoltaik ein – Mit einem neuen Pachtmodell für Photovoltaik-Anlagen wollen die Stadtwerke dem grünen Strom weiter auf die Sprünge helfen
https://akopol.wordpress.com/2016/08/24/stadtwerke-flensburg-steigen-in-das-geschaeft-mit-der-photovoltaik-ein/

Stadtwerke Flensburg installieren vier Photovoltaik-Anlagen auf Schuldächern – Sonnenenergie für nordfriesische Schüler
https://akopol.wordpress.com/2017/10/24/stadtwerke-flensburg-installieren-vier-photovoltaik-anlagen-auf-schuldaechern/

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Veröffentlicht am 22. November 2017 in Ökologie, Flensburg News, Stadtplanung, Stadtwerke, Stadtwerke Flensburg, Wirtschaft und mit , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Mieterstrommodell – Beglückung oder gibt es auch „Pferdefüße“?
    Das könnte, nach meinem Eindruck, eine Werbeveröffentlichung der Stadtwerke sein und die sind ganz sicher keine soziale Einrichtung.
    Ich kenne das im Juli verabschiedete Mieterstrom-Gesetz zwar nicht aber ich kenne die Tendenz der Bundesregierung zum „De-zentral-erzeugten Strom“ – keine schlechte Idee, aber was könnte dahinter stecken?

    Grundsätzlich glaube ich an keine gewollte „Mieterbeglückung“, so wie es sich in der Einleitung etwas anhört; Zitat: “Der Vermieter erhöht mit der Photovoltaikanlage den Wert seiner Immobilie und tut etwas für sein Image“. Richtig ist, dass er aus Fördertöpfen investiert und das werden keine 100 Prozent sein – wer zahlt den Rest? Wahrscheinlich der Mieter und hier sind schon von 18 % der Befragten „geringe akzeptierte Miet-Erhöhungen“ genannt worden. Es ist nur so, dass die Verquickung von installierten Photovoltaikanlagen mit einer Mieterhöhung nichts zu tun haben dürfte, denn anderenfalls wären sämtliche Vorteile des Mieterstrommodells futsch.

    Im vorletzten Absatz, Zitat: „Mit dem fortschreitenden Einbau SMARTER MESSGERÄTE wird eine exakte Zuordnung (meine Ergänzung: des jeweiligen Haushaltes) möglich sein. Man kann mit dem Mieterstrommodell natürlich auch ein Trojanisches Pferd für die kostenpflichtigen, teueren SMART-Messgeräte pro Haushalt benutzen, vor denen Verbraucher- und Datenschützer allerdings oft warnen und das sicher nicht ohne Hintergrund!
    Im letzten Abschnitt erklärt der Text, dass Vermieter einen Mieterstromzuschlag zwischen 2,2 Cent bis 3,8 Cent pro KWh erhält – von wem denn jetzt genau?
    Wird der Mieter der Zahler von Strom an den Vermieter werden? Hoppla. Und wenn der nun zum Geier mutiert?

    Wenn die Ex-Bundesregierung und/oder die alte Bundesregierung? von Lukrativem schwärmt(e), dann gab es nur immer eine Empfängerseite….

    Liken

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