Studie der Bertelsmann-Stiftung: Steuer- und Sozialsystem benachteiligt Geringverdiener

„Wer wenig hat, wird am stärksten belastet: Steuer- und Sozialsystem benachteiligt Geringverdiener“.

Unter dieser Überschrift berichtet die Bertelsmann-Stiftung über eine neue Studie, die in ihrem Auftrag erstellt worden ist:
http://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2017/august/wer-wenig-hat-wird-am-staerksten-belastet-steuer-und-sozialsystem-benachteiligt-geringverdiener/

»Breite Schultern können mehr tragen – nach diesem Prinzip funktioniert grundsätzlich unser Sozialstaat: je höher das Einkommen, desto höher der Steuersatz. Doch unsere Untersuchung zeigt, dass Geringverdiener durch Einkommensteuer, Sozialabgaben und staatliche Transferleistungen deutlich stärker belastet werden als Spitzenverdiener.«

»Die Studie untersuchte für verschiedene Musterhaushalte die Höhe der sogenannten effektiven Grenzbelastung. Diese gibt an, wie viel der Bürger von einem zusätzlich verdienten Euro wieder durch Steuern, Beiträge zur Sozialversicherung und den Entzug von Sozialleistungen, wie Wohngeld oder Kinderzuschlag, abgeben müsste. So würden beispielsweise bei einer effektiven Grenzbelastung von 60 Prozent von einem zusätzlich verdienten Euro nur 40 Cent netto übrig bleiben. Die Grenzbelastung verläuft jedoch nicht progressiv. Dadurch werden Gehaltszuwächse bei höheren Einkommensgruppen tendenziell weniger belastet als bei Geringverdienern.«

»Anhand einzelner Musterhaushalte wird deutlich, in welchem Maße die Bürger durch das Zusammenspiel von Steuern, Sozialabgaben und staatlichen Transferleistungen belastet werden: So bliebe etwa einem Singlehaushalt mit einem Jahresbruttoeinkommen von 17.000 Euro von einem zusätzlich verdienten Euro nichts übrig. Ein gleicher Haushalt mit einem Jahresbruttoeinkommen von 75.000 Euro hätte dagegen noch 56 Cent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei einem Ehepaar mit zwei Kindern, bei dem nur einer verdient: Bei einem jährlichen Bruttoverdienst von 40.000 Euro könnte das Paar von einem zusätzlich verdienten Euro 56 Cent behalten. Einem vergleichbaren Haushalt mit einem Jahresbruttoeinkommen von 90.000 Euro bliebe mit 66 Cent deutlich mehr.«

„In einigen Fällen finden wir Grenzbelastungen von über 120 Prozent. Der hinzuverdiente Euro sorgt damit für 20 Cent netto weniger in der Haushaltskasse“.

»Auch Alleinerziehende sind insbesondere im unteren Einkommensbereich sehr hoch belastet. Bis zur Einkommensschwelle von circa 23.800 Euro beträgt die Grenzbelastung bei ihnen durchgängig über 60 Prozent. Erst ab knapp 41.000 Euro sinkt sie.«

Die Studie im Original kann man sich hier herunterladen:

Andreas Peichl et al. (2017): Grenzbelastungen im Steuer-, Abgaben- und Transfersystem. Fehlanreize, Reformoptionen und ihre Wirkungen auf inklusives Wachstum, Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung, August 2017: http://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/inklusives-wachstum-fuer-deutschland-14-grenzbelastungen-im-steuer-abgaben-und-transfersystem/

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Veröffentlicht am 18. August 2017 in Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Haushalt, Soziales, Wirtschaft und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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