Erhebliche Schäden durch Ostsee-Hochwasser in Flensburg

„Land unter“ in vielen Straßenzügen am Hafen – Neues Hotel Hafen Flensburg vom Hochwasser am stärksten betroffen

Ein Bericht von Jörg Pepmeyer

Erhebliche Überschwemmungen und Schäden verursachte das Ostsee-Hochwasser am 4. und 5. Januar in Flensburg. Besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde das neue Hotel Hafen Flensburg an der Schiffbrücke. Dort stand das Wasser bis zu 1,40 m hoch.

Dass Flensburg im Gegensatz zu anderen Regionen Norddeutschlands und Schleswig-Holsteins vom Sturmtief Axel relativ unbehelligt blieb, mag den Eindruck vermittelt haben, das sei ja alles halb so schlimm. Offensichtlich nahmen deshalb viele FlensburgerInnen das bereits Tage zuvor angekündigte Hochwasser nicht so richtig ernst. Einige Zeitgenossen hielten denn auch die Warnungen der Wetterdienste für überzogen, wurde in den sozialen Medien bereits von Panikmache gesprochen. Vor allem diejenigen KFZ-Besitzer, die ihre Autos am Hafen geparkt hatten, mussten aber einsehen, dass diese Warnungen nicht unbegründet waren, denn das Wasser stieg ab dem späten Nachmittag rasend schnell. Während es am frühen Abend bereits über die Kaikante am Flensburger Hafen lief und um 20.00 schon fast knietief die Schiffbrücke überschwemmte, standen etliche Autos noch auf dem hafenseitigen Parkplatz an der Schiffbrücke. Die wurden dann im Verlauf des Abends entweder für teures Geld abgeschleppt oder von ihren überraschten Haltern relativ zügig und mit nassen Füßen aus der Gefahrenzone entfernt.

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Hochwasser in Flensburg 4./5. Januar 2017: Schiffbrücke und Willy Brandt Platz um Mitternacht (Foto: Jörg Pepmeyer)

Um 22.00 Uhr war dann aufgrund der aktuellen Nachrichten jedoch klar, dass die Hochwasserspitze tatsächlich mit rund 1,50 über dem mittleren Wasserstand spätestens um Mitternacht Flensburg erreichen würde und möglicherweise sogar noch erheblich höher werden könnte. Schlussendlich erreichte nach Angabe von PEGELONLINE um 0:51 Uhr das Wasser in Flensburg bei 1,79 Meter über normal seinen Höchststand. Schon vorher meldeten dann auch viele Kneipen und Geschäfte am Hafen „Land unter“. Vor allem am Willy-Brandt-Platz, der  Schiffbrücke und am Norderhofenden schwappte das Wasser nicht nur über die Gehsteige, sondern lief auch in tiefer gelegene Gaststätten, Geschäftsräume und Keller.

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Hochwasser in Flensburg 4./5. Januar 2017: Olaf-Samson-Gang um Mitternacht (Foto: Jörg Pepmeyer)

Auch im Olaf-Samson-Gang, in der Kompagniestraße und am Kompagnietor lag der Pegel zeitweise bei mehr als einen halben Meter. Und selbst der Hafendamm unterhalb der Bahnüberführung glich einer Seenplatte.

Während viele Anlieger der vom Hochwasser betroffenen Straßenzüge sich auf die immer mal wieder auftretenden Fluten mehr oder weniger eingerichtet haben und entsprechende Vorkehrungen trafen, um die Schäden möglichst gering zu halten, erwischte es das neue Hafenhotel an der Schiffbrücke mit voller Wucht. Schon am frühen Abend versuchte man dort mit Sandsäcken und Hochwasser-Schotts alle kritischen Gebäudeeingänge zu sichern.

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Hochwasser in Flensburg 4./5. Januar 2017: Überfluteter Innenhof Hotel Hafen Flensburg gegen 1:00 Uhr (Foto: Jörg Pepmeyer)

Doch das Wasser kam derartig schnell und drückte die Barrieren einfach zur Seite, stieg über die eigens eingesetzten Schotts und überflutete in Windeseile weite Teile des Erdgeschosses sowie den Hof im hinteren Teil des Gebäudekomplexes. In einzelnen Bereichen und Gebäudeteilen stand das Wasser um Mitternacht bis zu 1,40 hoch, drückte dabei Fenster und Türen ein, ergoß sich in die Fahrstuhl- und Versorgungsschächte und drohte sogar die bereits geräumte Tiefgarage des Hotels zu überfluten.

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Hochwasser in Flensburg 4./5. Januar 2017: Einsatzkräfte der Feuerwehr mit Pumpen am Hotel Hafen Flensburg gegen 1:00 Uhr (Foto: Jörg Pepmeyer)

Die Flensburger Feuerwehr versuchte daher mit ihren Einsatzkräften und starken Pumpen noch mehr Schaden abzuwenden, dennoch konnte sie nicht verhindern, dass sich immer mehr Wasser auch über die von den Feuerwehrleuten gelegte Sandsack-Barriere den Weg in den Hof des Hafenhotels bahnte. Dort stand es um 1.00 Uhr nachts fast anderhatb Meter hoch und drückte gefährlich auf Fenster und Türen.

Über den Umfang der durch das Hochwasser verursachten Schäden konnten in der Nacht weder Mitarbeiter des Hotels, noch die Feuerwehrmänner konkrete Angaben machen.  Für das vor einem Monat eröffnete Vier-Sterne-Hotel und seine Belegschaft dürfte das alles jedenfalls ein herber Schlag sein. Es bleibt zu hoffen, dass sich die möglichen Schäden in Grenzen halten und zügig behoben werden können und der Betrieb des Hotels auch in wirtschaftlicher Hinsicht damit nicht nachhaltig beeinträchtigt wird.

Zum Hochwasser in Flensburg auch ein Video des shz, das die Situation am Abend des 4. Januar um 21.30 Uhr am Flensburger Hafen und an der Schiffbrücke zeigt:

In Flensburg wurden am Mittwochabend erste Parkplätze in Wassernähe überspült. Gegen 21:30 Uhr erreichte das Wasser dann auch die Straße Schiffbrücke am nördlichen Ufer, woraufhin diese für den Straßenverkehr gesperrt wurde. Erste Keller liefen voll. Die Pegelstandsvorhersage des BSH rechnet für die Förde mit einem maximalen Wasserstand von rund 6,20 Meter. Das Video zeigt erste unkommentierte Aufnahmen vom Hochwasser im Flensburger Hafen.

Zum gleichen Thema und zum Wassereinbruch im Hotel Hafen Flensburg auch der Beitrag auf shz.de vom 5.1.2017:
Sturmflut in Flensburg : Hilferufe aus dem Hochwassergebiet
Wassermassen fluten die Schiffbrücke und sorgen für den Ausnahmezustand – besonders schlimm erwischte es das Hotel Hafen Flensburg
unter: http://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/hilferufe-aus-dem-hochwassergebiet-id15763871.html

Siehe zum Hochwasser auch den zusammenfassenden Beitrag mit Videos aus Kiel und Flensburg auf shz.de vom 5.1.2017:
Gesperrte Straßen, volle Keller: Sturmflut 2017 hinterlässt Schäden an der Ostseeküste
Es war die stärkste Sturmflut seit zehn Jahren – und sie war noch heftiger als zunächst erwartet.
unter: http://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein/panorama/gesperrte-strassen-volle-keller-sturmflut-2017-hinterlaesst-schaeden-an-der-ostseekueste-id15756981.html

 

 

 

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Eine Antwort zu Erhebliche Schäden durch Ostsee-Hochwasser in Flensburg

  1. Jörg Pepmeyer schreibt:

    Überhaupt, da könnten sich ja ein paar Kommunalpolitiker mal ganz besonders bürgernah zeigen, indem sie eine Anfrage an die Stadt Flensburg, den OB und die Verwaltung bzw. TBZ stellen, wie denn die Notfallpläne im Falle einer sehr schweren Sturmflut, also mittlerer Wasserstand über 2 m, für den Hafenbereich aussehen. Das gilt auch für die Frage, in welchem Umfang bauliche Maßnahmen das Risiko des Absaufens für einzelne Gebäude an der Schiffbrücke und am Norderhofenden, Hafendamm und Kurze Straße verringern können.

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