Neues Hotel am Flensburger Rathausplatz – 120 Zimmer auf elf Stockwerke?

Hotelansicht IIStädtebauliche Qualität der siebziger Jahre

Es ist schon erstaunlich, wie sich in Flensburg das Hotel-Roulette dreht. Eine neue Planung jagt die nächste, ein Standort nach dem anderen wird wie mit Zauberhand aus dem Hut gezogen. Und genug Geld scheinen Investoren aus allen Ecken Flensburgs und Schleswig-Holsteins dafür wohl auch zu haben. Hapern tut es dagegen mit der ästhetischen Raffinesse und dem einfühlsamen Umgang mit der bestehenden städtebaulichen Substanz. Beredtes Beispiel dafür ist ein neues Hotelprojekt des allseits umtriebigen Flensburger Investors und Bereits-Hoteliers Gerd Theilen. Der will nun anstatt eines ursprünglich geplanten, großformatigen Dienstleistungszentrums jetzt ein noch großformatigeres 120-Zimmer-Hotel am Rathausplatz hinstellen. Hotelansicht Dass Flensburgs „Stadtbaumeister“ Dr. Schroeders und seine Kollegen von der städtischen Planungsabteilung angesichts des Entwurfs für das neue Hotel unisono von einer „hohen städtebaulichen Qualität“ sprechen, verrät viel über ihre eigenen Qualitäten. Sieht man die Entwurfszeichnung genauer an, beschleicht einen der Eindruck, dass man es bei der Stadtplanungsabteilung und dem Planer des Hotels sicherlich nicht mit innovativen Modernisten zu tun hat. Ein sich wiederholender und ausgelatschter Entwurf, der ästhetisch wirklich nichts anzubieten hat. Und um mehr Volumen für die 120 Zimmer herauszukitzeln, zwei nichtssagende, bis zu elf Stockwerke hohe Türme, deren optische Anbindung an die bestehende Architektur am Rathausplatz sich lediglich mit dem ebenso einfallslosen Rathausturm herstellen lässt. Eine trostlose Langeweile in der Aufgliederung des Baukörpers, köstlich geradezu die oberen Schießschartenfenster und zwischen den Türmen ein Harakiri-Schnitt aus einem verglasten Treppenhaus.  Das ist grausame Retro-Architektur im Stil der siebziger Jahre, billig, viel und ästhetisch dumm. Es bleibt zu hoffen, dass der Planungsausschuss auf seiner heutigen Sitzung dem Ganzen eine Abfuhr erteilt. Jörg Pepmeyer

Die Beschlussvorlage, die Planbereichsskizze und den Lageplan für das Hotel mit den entsprechenden Ansichten und Höhenangaben findet man hier: Beschlussvorlage_RV-137-2014 Planbereichsskizze Lageplan_Hotel

Mehr zu der Hotel-Planung am Rathaus auch in einem Beitrag von Joachim Pohl Neumarkt: Hotel mit zwei Türmen auf shz.de unter: http://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/neumarkt-hotel-mit-zwei-tuermen-id8039636.html

Kommentar von Jörg Pepmeyer vom 29.10.2014:

Einheitsfront für das neue Hotel?

Kaum zu glauben, nach einem Bericht des Flensburger Tageblatts von heute fand der Entwurf für das Hotel am Rathaus bei den Mitgliedern des SUPA auf der Sitzung am gestrigen Abend einhellige Zustimmung. Grüne und Linke sollen sogar vorgeschlagen haben, noch ein Stockwerk draufzulegen. Mich würde außerordentlich interessieren, was die Gründe hierfür waren. Als Gerd Theilen nämlich sein Dienstleistungszentrum am gleichen Platz bauen wollte, übrigens mit erheblich weniger Geschossen, gab es im SUPA ein klares Nein von Glenn Dierking vom SSW, von der WiF und von mir eine Enthaltung als AKOPOL-Vertreter, über die ich mich noch heute maßlos ärgere, weil ich mich aufgrund mündlicher Zusagen in der Annahme enthalten hatte, dass bestimmte Dinge vom Investor erledigt werden und das Gelände nicht verkauft, sondern in Erbpacht vergeben wird. Dies war leider nicht der Fall. Zwar waren Linke damals nicht als stimmberechtigte Vertreter im SUPA vertreten, aber die Position der Linken-Fraktion war jedenfalls kein Dafür. Ich bin also überrascht, warum deren Vertreter im SUPA nun auch noch mehr Höhe vorschlagen. Über eine Erklärung der LINKEN-Fraktion wäre ich außerordentlich dankbar.

Übrigens, einen Querriegel bekommen wir nun doch, nämlich auf dem Hotel. Die Bezeichnung Türme ist ebenso völlig unsinnig, weil die beiden Gebäudeteile in der Längsansicht wie ein kompakter und sehr hoher Baukörper wirken werden. Aber das werden die SUPA-Mitglieder wohl erst realisieren, wenn das Hotel fertig gebaut ist. Zum damaligen Beschluss im SUPA auch ein Beitrag von Uwe Sprenger in der Flensborg Avis vom 23.8.2012.  Flensborg Avis 23.8.2012

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Veröffentlicht am 28. Oktober 2014, in Flensburg News. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Einheitsfront für das neue Hotel?
    Kaum zu glauben, nach einem Bericht des Flensburger Tageblatts von heute fand der Entwurf für das Hotel am Rathaus bei den Mitgliedern des SUPA auf der Sitzung am gestrigen Abend einhellige Zustimmung. Grüne und Linke sollen sogar vorgeschlagen haben, noch ein Stockwerk draufzulegen. Mich würde außerordentlich interessieren, was die Gründe hierfür waren. Als Gerd Theilen nämlich sein Dienstleistungszentrum am gleichen Platz bauen wollte, übrigens mit erheblich weniger Geschossen, gab es im SUPA ein klares Nein von Glenn Dierking vom SSW, von der WiF und von mir eine Enthaltung als AKOPOL-Vertreter, über die ich mich noch heute maßlos ärgere, weil ich mich aufgrund mündlicher Zusagen in der Annahme enthalten hatte, dass bestimmte Dinge vom Investor erledigt werden und das Gelände nicht verkauft, sondern in Erbpacht vergeben wird. Dies war leider nicht der Fall.
    Zwar waren Linke damals nicht als stimmberechtigte Vertreter im SUPA vertreten, aber die Position der Linken-Fraktion war jedenfalls kein Dafür. Ich bin also überrascht, warum deren Vertreter im SUPA nun auch noch mehr Höhe vorschlagen. Über eine Erklärung der LINKEN-Fraktion wäre ich außerordentlich dankbar.

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  1. Pingback: Flensburger Planungsausschuss erteilt gemeindliches Einvernehmen für das Hotel am Rathauplatz | AKOPOL Arbeitskreis Kommunalpolitik

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