Wirtschaftskraft und Einkommen: Flensburg Schlusslicht in Schleswig-Holstein

FOCUS-MONEY-Ranking: Flensburg belegt im nationalen Vergleich einen der hinteren Plätze und ist Schlusslicht in Schleswig-Holstein

Das es um die Wirtschaftskraft und die Einkommen in unserer Stadt nicht gut bestellt ist, belegt wieder einmal ein Beitrag  von FOCUS-MONEY vom 2.1.2014. In einem großen Ranking hat FOCUS-MONEY 388 der insgesamt 402 Landkreise und kreisfreie Städte in Deutschland verglichen. Der Sieger kommt aus Bayern. Flensburg belegt bei dem Ranking Platz 342. Nur sieben westdeutsche Kreise und kreisfreie Städte stehen wirtschaftlich noch schlechter da, als Flensburg.

Es stellt sich unwillkürlich die Frage: Welche Ideen und Vorschläge haben die in der Flensburger Ratsversammlung vertretenen Parteien und Gruppierungen diesen Zustand zu ändern? Welche Ideen hierzu haben die Wirtschaftsverbände und die Gewerkschaften in unserer Stadt?

Hier die Daten für Flensburg (Stadt)

Rang unter den 388 Landkreisen

342

Veränderung der Bevölkerung von 2011 zu 2012 in Prozent

0,80

Verfügbares Einkommen privater Haushalte je Einwohner (2011) in Euro

17.702

Veränderung der Erwerbstätigenzahl von 2010 zu 2011 in Prozent

-1,31

Arbeitslosenquote (2012) in Prozent

11,30

Veränderung des Bruttoinlandsprodukts von 2010 zu 2011 in Prozent

0,69

Bruttowertschöpfung1 je Erwerbstätigen (2011) in Euro

50.805

Investitionen im verarbeitenden Gewerbe je Beschäftigten (2011) in Euro

4.980

Mehr in dem FOCUS-MONEY-Beitrag Das große Landkreis-Ranking – Das sind die erfolgreichsten Regionen Deutschlands unter: http://www.focus.de/immobilien/kaufen/landkreis-ranking-2013-das-sind-die-erfolgreichsten-regionen-deutschlands_id_3511653.html

Ebenso hierzu auch ein Beitrag des Flensburger Tageblattes vom 3.1.2014 Nord-Süd-Gefälle – Wo in SH die Wirtschaft brummt  unter: http://www.shz.de/schleswig-holstein/wirtschaft/wo-in-sh-die-wirtschaft-brummt-id5331036.html

Ein Kommentar von Jörg Pepmeyer

Flensburg: Das Armenhaus Schleswig-Holsteins?

Ein Grund für die Misere der Stadt dürfte sein, dass Flensburg über kein wirklich professionelles Instrument der Wirtschaftsförderung bzw. -ansiedlung verfügt. Die dafür beauftragte WIREG ist mit ihrer Aufgabe offensichtlich seit Jahren völlig überfordert. Seit dem Jahr 2000 sind allein in der Region Flensburg über 5.000 mit hoher Wertschöpfung verbundene Industriearbeitsplätze verloren gegangen. Auch nicht ansatzweise konnte dieser Verlust ausgeglichen werden.

Stadt, Politik und auch die ehemalige CDU-FDP-Landesregierung haben es in den vergangenen Jahren versäumt, entsprechende Weichenstellungen vorzunehmen, um Flensburg für die Ansiedlung neuer Industrie- und Dienstleistungsunternehmen mit hoch wertschöpfenden Arbeitsplätzen tatsächlich attraktiv zu machen. Bestes Negativ-Beispiel für die Peinlichkeiten derartiger Bemühungen ist die angedachte Unternehmensansiedlung an der Harniskaispitze. Und ohne die beiden Universitäten sähe die wirtschaftliche Lage in Flensburg noch weitaus trostloser aus.

Es ist unverständlich, warum auch bei der jetzigen Landesregierung angesichts der kommenden Belt-Querung und ihrer möglichen negativen Folgen für unsere Region nicht die Alarmglocken läuten. Insofern wäre ein konzertiertes und professionelles Handeln von Stadt, Politik, Landesregierung, Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften mehr als notwendig. Dies bedeutet auch, offensiver Flensburg und seine Ressourcen, wie z. B. die beiden Hochschulen zu vermarkten, um in Zukunft innovative Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in Flensburg ansiedeln zu können. Nur leider gibt es derzeit kein wirklich überzeugendes, koordinierendes und konzertiertes Vermarktungs- und Unternehmensansiedlungskonzept der Stadt, in dem die beiden Unis den ihnen gebührenden Stellenwert haben. Die Unis würden sich dort gerne einbringen, aber derzeit wurschtelt man sich in Flensburg eher planlos durch.

Und auch die entsprechenden städtischen Branding-Arbeitsgruppen und Veranstaltungen haben nicht wirklich zu brauchbaren Ergebnissen geführt. Alles wie gehabt. Und der zum Teil mit dieser Aufgabe betraute Fachbereich Entwicklung und Innovation ist in dieser Hinsicht so kreativ und innovativ wie ein Besenstiel. Ganz davon abgesehen, dass manche seiner Vorschläge an der sozialen und wirtschaftlichen Realität der Stadt vorbei gehen.

Insofern sollten die Stadt Flensburg, vertreten durch ihren Oberbürgermeister Simon Faber, die KommunalpolitikerInnen, Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften, die beiden Hochschulen und die Landesregierung schleunigst überlegen, wie sie gemeinsam mit den BürgerInnen der Stadt etwas für Flensburgs Zukunft tun können. Sonst dürfte Flensburg dauerhaft nicht nur zum Armenhaus Schleswig-Holsteins werden.

Untenstehend ergänzend noch Hinweise und Daten zur Einkommenssituation und -struktur in Flensburg:

Was die Einkommensverteilung in Flensburg angeht, so kann man in der Regionaldatenbank Deutschland unter: https://www.regionalstatistik.de/genesis/online über die Tabelle Lohn- und Einkommensteuer nach Größenklassen des Gesamtbetrags der Einkünfte – Jahressumme –
regionale Tiefe: Kreise und krfr. Städte (hier kreisfreie Stadt Flensburg), entsprechende Daten, zumindest was die zu versteuernden Einkommen angeht, bis einschließlich 2007 bekommen. Danach betrug die Gesamtsumme der zu versteuernden Löhne und Einkommen im Jahr 2007 in Flensburg insgesamt 1.115,428 Mio. Euro, was einem Steuer-Gesamtaufkommen von 183,841 Mio. Euro entsprach. Dabei erzielten von den insgesamt etwas mehr als 40.600 Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen knapp 9.500 Steuerpflichtige, also deutlich weniger als ein Viertel ein Gesamteinkommen von 672,004 Mio. Euro, mit einem Steueraufkommen von 146,248 Mio. Euro. Das entspricht etwa einem Anteil von knapp 80% am gesamten Steueraufkommen. Etwas mehr als 4.600 Steuerpflichtige erzieleten sogar ein zu versteuerndes Gesamteinkommen von mehr als 472 Mio. Euro, bei einem Steueraufkommen von insgesamt etwas mehr als 116 Mio. Euro.

Übrigens lag der Median bei der Einkommensverteilung, also der Wert, der die eine Hälfte von der anderen Hälfte der EinkommensbezieherInnen scheidet, bei ca. 19.000 Euro. Auf den Monat gerechnet etwa 1.580 Euro. Anders ausgedrückt, die Hälfte der steuerpflichtigen Flensburger EinkommensbezieherInnen verfügte 2007 über ein Jahres-Einkommen, das an diesem Wert oder erheblich darunter lag. Allerdings sagen diese Zahlen nichts über die steuerfreien Einkommen derjenigen FlensburgerInnen aus, die komplett von staatlichen Transferleistungen z.B. nach SGB II, III, IX und XII leben müssen. Diese Zahlen kann man zum Teil dem Flensburger Sozialatlas entnehmen. Mehr und detaillierte Einzelheiten zu den obigen Einkommensdaten in der entsprechenden Tabelle unter: https://akopol.files.wordpress.com/2011/12/lohn-und-einkommensteuerjahressumme-flensburg-verteilung-20071.pdf

Vergleichsdaten zur Einkommensverteilung aus dem Jahr 2004, sowie weitere Struktur-Daten aus 2010 und 2011 finden sich ebenso in dem AKOPOL-Blog-Beitrag Armut und soziale Spaltung in Flensburg – Strukturdaten dokumentieren wirtschaftlichen Abwärtstrend der Stadt https://akopol.wordpress.com/2011/12/31/armut-und-soziale-spaltung-in-flensburg-strukturdaten-dokumentieren-wirtschaftlichen-abwartstrend-der-stadt/

Jede/r zweite Vollzeitbeschäftigte mit sozialversichertem Job verdiente 2010 zudem in der Stadt Flensburg weniger als 2.573 € brutto im Monat. Mehr zur regionalen Einkommens- und Lohnstruktur in dem AKOPOL-Beitrag DGB-Studie zu regionalen Einkommensunterschieden – Flensburg im Lohnkeller unter: https://akopol.wordpress.com/2012/09/28/dgb-studie-zu-regionalen-einkommensunterschieden-flensburg-im-lohnkeller/

Flensburger Sozialatlas 2010/11/12/13/14

Der Flensburger Sozialatlas mit Daten zur sozialen Situation der Bevölkerung in Flensburg

Nachtrag: Wer sich einen groben Überblick über die Flensburger Sozialdaten und deren Veränderung in den letzten Jahren verschaffen möchte, dem sei auch ein Blick in den Sozialatlas der Stadt Flensburg empfohlen. Allerdings sind die Daten des Sozialatlas leider nicht qualitativ aufbereitet, fehlen zudem wichtige Strukturdaten. Auch methodisch gibt es erhebliche Defizit bei der Datenerhebung. Dies erschwert eine qualitative Interpretation der im Sozialatlas präsentierten Daten und lässt für realistische Schlussfolgerungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung der sozialen Verhältnisse in der Stadt wenig Raum. Für die politische Debatte sind die Daten des Sozialatlas daher nur bedingt hilfreich und nutzbar. Hier geht´s zum Flensburger Sozialatlas 2010 Sozialatlas 2010 , Sozialatlas 2011 sozialatlas_2011 , Sozialatlas 2012 Flensburger Sozialatlas 2012 , Sozialatlas 2013 sozialatlas_2013 und Sozialatlas 2014 sozialatlas 2014

 

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Veröffentlicht am 3. Januar 2014 in Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Hartz IV, Soziales, Wirtschaft und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Ein grundsätzliches Problem scheint mir die mangelnde Sachkompetenz in Politik und Verwaltung zu sein. Beispielhaft ist für mich u.a. die Verschandelung des Hafen-Ostufers mit dem Klarschiff-Gebäude. Vom Hafen-Westufer kann jeder erkennen, wie „harmonisch“ sich dieses Gebäude in die Hafen Struktur einfügt und einen Gewinn für den dringend benötigten Tourismus darstellt. Das soll jetzt noch getoppt werden. Ein über 200 m langes Hotel ist geplant. Besonders befürwortet von unserem durch Kompetenz strotzenden Oberbürgermeister. Ich halte es nicht mehr aus.
    Mit der weiteren Hafen Verschandelung werden Touristen vertrieben, nicht angelockt.

    Ein Tagungshotel muss her. Koste es was es wolle. Ich glaube nicht an diese Spinnereien. Was ich bisher gesehen und gelesen habe, beweist gerade zu das Gegenteil. So sollte das Hotel am Hafen Tagungsräume für nicht einmal 100 Personen haben. Lachhaft. Wir haben das Hotel an der Grenze, das für unseren Bedarf ausreichend Platz bietet. Jedes andere neue Hotel würde an anderer Stelle die Schließung eines anderen Betriebes bedeuten. Nach meinem Wissen sind die Flensburger Hotels im Durchschnitt nur zu weniger als 50 % ausgelastet. Fragt doch einmal zuerst die Flensburger Hotelbetriebe. Dann kann man weitersehen.

    Warum wird auf dem Jensen-Grundstück kein Tagungshotel gebaut ? Na ? – weil kein Bedarf besteht. Deswegen gibt es auch keinen Investor für so eine Planung.

    Dann soll Wirtschaft angesiedelt werden. Fertigungsbetriebe sollen es sein ! Mensch, liebe Leute, welcher Fertigungsbetrieb siedelt sich denn in einer Region an, die am Ar… der Welt liegt. In einem Land, das sich durch Kompetenz lose Politik selbst abhängt.

    Betriebe aber, die die leer stehenden Hallen vom Baumarkt und anderen Firmen übernehmen wollen, wird der Zugang verweigert. So ist mir von einem Fachhandel für Motorrad Bekleidung berichtet worden, dass das nicht gewollt ist. Wie blöd muss man da sein ? Betriebe wollen nach Flensburg kommen, Arbeitsplätze schaffen und unsere Oberen haben nichts besseres im Kopf als Träume die von „Fertigung“ umlullt sind.

    Dafür hatte man aber die glorreiche Idee, zum Ausgleich die Gewerbe- und Grunderwerbssteuer zu erhöhen. Sicher für ansiedlungswillige Unternehmen ein Argument nach Flensburg zu kommen. Wir sehen überall den Verfall und unsere Verwaltung hat nichts besseres zu tun als Firmenansiedlung zu verhindern. Von der Hafenspitze ganz zu schweigen.

    Armes Flensburg. Macht weiter so.

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