DGB-Studie zu regionalen Einkommensunterschieden – Flensburg im Lohnkeller

Untenstehend möchten wir allen LeserInnen des AKOPOL-Blogs die Ergebnisse einer aktuellen Studie des DGB zur regionalen Einkommensstruktur und zu den Einkommensunterschieden in Flensburg präsentieren. Mehr hierzu und zur Einkommensstruktur in anderen Regionen Schleswig-Holsteins gibt es auch auf der Homepage des DGB Region S-H Nordwest unter: http://sh-nordwest.dgb.de/presse/++co++3520b54c-06eb-11e2-ad0a-00188b4dc422

Der Norden steckt im Lohnkeller!

Jede/r zweite Vollzeitbeschäftigte mit sozialversichertem Job verdiente 2010 in der Stadt Flensburg weniger als 2.573 € brutto im Monat. Einmalige Leistungen wie Überstundenzuschläge oder Weihnachtsgeld sind dabei berücksichtigt und Auszubildende nicht mitgezählt. Erstmals hat der DGB differenzierte Daten zu den Verdienstunterschieden in der Stadt Flensburg vorgelegt, die auf einer Sonderauswertung der Arbeitgebermeldungen zur Sozialversicherung beruhen. Danach verdienten Vollzeitbeschäftigte in Flensburg zwar durchschnittlich 56 € im Monat mehr als im schleswig-holsteinischen Landesdurchschnitt, aber deutlich weniger als über die alten Bundesländer hinweg (-262 € Bruttomonatslohn).

Aber auch in der Stadt Flensburg zeigen sich große Unterschiede zwischen den Beschäftigtengruppen:

·        Männer erzielten meist ein deutlich höheres Bruttomonatsentgelt als Frauen. Im Mittel verdienten sie 2.819 € brutto im Monat gegenüber nur 2.169 € bei den Frauen. Dieser große Verdienstunterschied von 650 € monatlich erklärt sich wesentlich durch die geschlechtsspezifischen Tätigkeitsschwerpunkte; so arbeiten Frauen häufig im Dienstleistungssektor mit einem relativ niedrigeren Entlohnungsniveau gegenüber dem Produzierenden Gewerbe, wo Männer häufiger tätig sind. Aber auch die Lohndiskriminierung von Frauen hat nach gewerkschaftlicher Einschätzung einen Einfluss auf dieses Lohngefälle.

·         Vollzeitbeschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung verdienten in Flensburg durchschnittlich nur 2.140 € brutto im Monat und damit deutlich weniger als in anderen Landesteilen Schleswig-Holsteins oder den alten Bundesländern insgesamt.

·         Das mittlere Bruttomonatsentgelt der Vollzeitbeschäftigten mit Fachhoch- oder Hochschulabschluss liegt in Flensburg gleichfalls deutlich niedriger als in den westdeutschen Ländern insgesamt. Doch auch in Flensburg ist der Abstand zwischen gering- und gutverdienenden Beschäftigten beachtlich. Jene mit Hochschulabschluss kommen im Schnitt auf einen gut doppelt so hohen Bruttoverdienst wie jene Vollzeitbeschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung.

Große Verdienstabstände zeigen sich folglich nicht nur bei Teilzeitarbeit, sondern auch bei Vollzeitbeschäftigung. Die Angst vieler Beschäftigter, dass sie mit ihrer Rente im Alter nicht auskommen, ist nicht unbegründet. Insbesondere Frauen sowie Arbeiter ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind oftmals von Altersarmut bedroht. In Zukunft droht ihre Zahl deutlich anzusteigen. Durch die geplante Senkung des Rentenniveaus auf 43 % müssen Beschäftigte mit einem Einkommen von 2.500 € im Monat 35 Jahre in die Rentenkasse einzahlen, um mehr als Grundsicherung im Alter zu bekommen. Bei einem Monatseinkommen von 2.200 € droht bei Renteneintritt immer noch Sozialhilfebedürftigkeit, selbst wenn man 40 Jahre gearbeitet und Rentenbeiträge gezahlt hat.

2010 verdiente aber mehr als die Hälfte aller vollzeitbeschäftigten Frauen in Flensburg wie Schleswig-Holstein weniger als 2.200 € brutto; dies gilt ebenso für gut 50 Prozent aller Vollzeitbeschäftigten ohne Berufsabschluss. Die Folgen der Absenkung des Rentenniveaus werden in der Zukunft für viele Beschäftigte in der Region gravierend sein.

Median (mittleres) monatliches Bruttoarbeitsentgelt sozialversicherter Vollzeitbeschäftigter (ohne Auszubildende) in der Stadt Flensburg 2010 in €

Advertisements

Über akopol

Netzwerk für mehr Öffentlichkeit, Transparenz und Demokratie in Flensburg

Veröffentlicht am 28. September 2012 in Daten und Zahlen, Flensburg News, Soziales, Wirtschaft und mit , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Da es in einer Facebook-Gruppe hinsichtlich dieses Beitrages einige Fragen zum Median und zum Mittleren Einkommen gab, hier ein paar erklärende Infos:
    Das Mittlere Einkommen bezeichnet das Einkommen und seine Höhe, das diejenige Person oder Personengruppe erhält, die die Menge der Personen in zwei gleich große Hälften teilt, die Hälfte der reicheren Personen und die der ärmeren Personen. Dabei definiert der Median das mittlere Einkommen als exakt den Wert, der die beiden Hälften der Einkommensbezieher in der Höhe ihres Einkommens entweder nach oben oder nach unten hin scheidet. Also die eine Hälfte verdient mehr als der Median bzw. das mittlere Einkommen, die andere weniger. Daher ist der Median nicht der Durchschnittswert der Einkommen! Insofern kann es aber auch sehr wohl erhebliche Abweichungen vom Median nach oben oder unten in den einzelnen Einkommenshälften geben. Bei der Beurteilung und Darstellung der Einkommensverteilung ist ein Durchschnittswert nicht besonders hilfreich, da er die Einkommensverhältnisse bzw. die Einkommensverteilung nach oben oder unten stark verzerren kann, wenn ich in der Stichprobe z. B. eine kleine Gruppe mit besonders hohen Einkommen habe. Deshalb wählt man zur Abbildung der Einkommensverhältnisse den sog. Median oder das mittlere Einkommen. Mehr auch hierzu unter http://de.wikipedia.org/wiki/Mittleres_Einkommen und wer´s ganz genau wissen will: http://de.wikipedia.org/wiki/Median
    Hinsichtlich des recht hoch erscheinenden, festgestellten Mittelwerts von 2.140 Euro Bruttoeinkommens pro sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten ohne Ausbildung ist zu beachten, dass es Berufstätige ohne Ausbildung in Flensburg gibt, die z. B. im Akkord arbeiten und/oder um über die Runden kommen, enorm viel Überstunden machen, oder im Strukturvertrieb arbeiten und dort (zumindest kurzfristig) relativ viel Geld verdienen. Leider kann man das aus den Daten nicht herauslesen, wie sich das genauer darstellt.

    Gefällt mir

  1. Pingback: Wirtschaftskraft und Einkommen: Flensburg Schlusslicht in Schleswig-Holstein | AKOPOL Arbeitskreis Kommunalpolitik

  2. Pingback: Lohnniveau in Flensburg: Mehr als ein Viertel der Vollzeitbeschäftigten verdient miserabel | AKOPOL Arbeitskreis Kommunalpolitik

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: