Archiv für den Tag 3. Juni 2012

Flensburger Sparkasse und Nospa – ein unfriendly take over

Offener Brief von Gerhard Schroeder an die Flensburger Ratsfraktionen

Sehr geehrte Damen und Herren in den Flensburger Ratsfraktionen, 

dieser Leserbrief ist am Dienstag, 22. Mai auf den Kreisseiten im Tageblatt, den Schleswiger Nachrichten und dem Schleiboten erschienen. Für mich war es eine unfreundliche Übernahme. Ich mag die jüngsten Äußerungen des scheindenden Landrats und des Nospa-Chefs einfach nicht so stehen lassen:

So einfach kann es sich Landrat a. D. Bogislav-Tessen von Gerlach nicht machen: „Das Fiasko der Flensburger Sparkasse (habe) der Nospa … über 300 Millionen Euro (ge)kostet.“ Damit hat er kräftig an dem Tischtuch zwischen Stadt und Land gerissen. Kein Wort zu den hohen wie Stillen Einlagen der Nospa bei der HSH Nordbank, die genauso spekulativ waren wie die Geschäfte der HSH Nordbank selbst.

Die Nospa saß auch tief in der eigenen Tinte. Es ist schäbig,  für ein „gutes Gefühl“ das allein auf Flensburg zu schieben. Der Vorgang ruft weiterhin nach Aufklärung. Wenn das unser Oberbürgermeister nicht kann oder will, muss man nach anderen Wegen suchen. 

Das war eine Replik auf die einseitige Darstellung des Landrats a. D. Sie richtet sich aber auch an Flensburger politisch Interessierten.

Die genannten 300 Millionen kann ich nicht nachvollziehen. In der schmucklosen Bilanz 2007, die nicht groß verteilt wurde, die mir jedoch vorliegt, ist für die Flensburger Sparkasse ein Eigenkapital von 62 Millionen ausgewiesen. Wohlgemerkt, die Bilanz wurde bereits durch die Nospa im Aug. 2008 vorgelegt. Die Nospa hatte für sich Ende 2007 insgesamt 207 Millionen Euro Eigenkapital reklamiert. Das entspräche einer Relation von 23 zu 77 Prozent zwischen Flensburg und Nospa (alt).

Wenn man spitzfindig sein will, könnte man auch die stille Einlage des Verbands Flensburg hinzurechnen, die ja aufgrund Jahrzehnte langer Einzahlungen in den Sicherungsfonds erfolgte – jedenfalls nicht der Nospa zuzurechnen war. Nun mag man nach Aug. 2008ff. die eine oder andere Position in anderem Licht gesehen haben. Die Nospa hatte aber auch erhebliche Risiken in ihrem Portfolio: Als einlagenorientierte Bank hatte sie die Kundengelder in – scheinbar solide – Werte innerhalb des Verbands angelegt: in Anteile und Papiere der HSH Nordbank. Nichts ahnend oder fürchtend stellten die sich diese Anlagen in Höher von über 600 Millionen Euro als notleidend dar und wurden abgewertet. Eine Kleine Anfrage in Kiel ergab, dass sich die Verluste aller SK Sparkassen im höheren dreistelligen Millionenbetrag bewegten. Das sind nach meinem Sprachgefühl um die 600 Millionen? Die Nospa als größte Sparkasse wird ihren angemessenen Anteil daran – direkt und über Anteile an der Provinzial gehabt haben. Es kann auch sein, dass der Sparkassenverband  – als unsichtbare Hand – die Sondersituation Flensburg beseitigen wollte…

Unerklärlich war auch die Rückzahlung der Flensburger Stillen Einlage, die dann als „Dotation“ an die Nospa rücküberwiesen wurde.

Kannte man nicht die filigrane Unterscheidung zwischen Stammkapital (nach dem die Anteile für Sitze und evtl. Gewinnanteile berechnet werden) und dem Eigenkapital, das Grundlage für das Geschäftsvolumen ist? Weder Stille Einlagen noch „Dotationen“ rechnen zum Stammkapital. Einlagen sind auf Zeit und „Dotationen“ sind außerordentliche Einkünfte, die in dem Jahr zunächst dem Gewinn zugerechnet und dann disponiert werden. An der Anteilsrechnung ändern sie nichts.

Man versteht die Logik der damals auf Flensburger Seite Handelnden nicht: Die Fusion von 2 Problemfällen bedeutet ein größeres Problem.

Der Verband hätte auch der Flensburger Sparkasse ohne Fusion geholfen, helfen müssen. Vor einer Schließung wäre politisch auch eine Partnerschaft mit der Hamburger Sparkasse mit weniger klein-klein Anteilsdiskussion denkbar gewesen.

Die Situation bleibt für Flensburger Bürgerinnen und Bürger unbefriedigend. Offensichtlich haben sich 2008 die Flensburger Verwaltung und Politik in Panik über den Tisch ziehen lassen. Die Flensburger Vertreter bei der Nospa werden Mühe haben, Projekte dort durchzusetzen. Gewinnausschüttungen wird es auf Jahre nicht geben. (Die Volksbanken zahlen ihren Genossen immerhin um die sechs Prozent). Selbst, wenn es das anders lautende Verträge geben sollte, kann es die Nospa den Flensburgern nicht antun.

Was hält uns an der Nospa? Flensburg sollte sich seinen fairen Anteil an der Nospa auszahlen lassen, den in die Entschuldung stecken und/oder die Haspa auffordern, hier gemeinsam eine „Neue Flensburger Sparkasse“ zu eröffnen. Selbst wenn unsere Oberen in Panik andere vertragliche Regelungen getroffen haben sollten – das kann man doch den Bürgerinnen  und Bürgern nicht antun?

Erstmal, die Geschichte ist für mich noch nicht zu ende. Selbst, wenn sich gar nichts ergeben sollte. Ich werde an dem Fall dran bleiben.

Von dem letzten Flensburger „Besitz“ von 62 Millionen bleiben per 2011 nur noch 50 Millionen, greift die Nospa-Idee von 14,96 Prozent-Idee nur noch 44 Millionen.

Auf die Einschätzung internationaler Accounting-Firms alá PricewaterhouseCoopers (PwC) würde ich wenig geben. Die rechnen Ihnen einen guten Preis aus. Es kommt darauf an, wer sie beauftragt.

Das EU-Bilanzrecht ermöglicht da Freiheiten, Positionen mit einem schwachen „Standing“ am Markt schön oder unschön zurechnen.

mit freundlichen Grüßen
Gerhard Schroeder 

Ref,:

1. „Hitzige Nospa-Debatte“ FT/FN Sa 12. Mai 2012 – die Reduzierung des Flensburger Anteils an der Nospa auf knapp 15 Prozent wird vm OB, von CDU und SSW hingenommen.

2. „Ich gehe mit einem gutem Gefühl“. / FT 15. Mai S. 16 . Landrat FL/SL a.D Bogislav-Tessen von Gerlach sagt, die Flensburger Sparkasse hätte die Nospa über 300 Millionen Euro gekostet.

3. „Sanierung der Nospa kommt voran“ FT 16. 5. 2012: Von 607 Millionen Euro per 2010 unverzinsliche – Flensburger – Problemkredite sei laut Nospa-Chef Reinhard Henseler die Hälfte abgebaut worden. Wie? Bleibt offen. Von den Verlusten bei der HSH Nordbank und der Landesbank Berlin dagegen werden nur die Anteile aus 2010 erwähnt. Im Kieler Landtag wurden sie für 2008 und 2009 für die SH Sparkassen mit einem „höheren dreistelligen Millionen“-Betrag beziffert. Die Nospa als größte Sparkasse wird ihren Anteil daran gehabt haben.

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