Stadtwerke Flensburg: Jahresabschluss und Bilanz 2011 – Statt 14,5 Mio. Euro Gewinn fast 1 Mio. Euro Verlust

Abschreibungen in Millionenhöhe und Verluste bei den Töchtern machen überaus positives Jahresergebnis bei Strom, Fernwärme und Wasser zunichte

Der  Fluch der Altlasten: Trotz eines außerordentlich positiven Betriebsergebnisses von 14,5 Mio. Euro, das vor allem den Geschäftsbereichen Strom, Fernwärme und Wasser zu verdanken ist, mussten die Stadtwerke Flensburg das Geschäftsjahr 2011 mit einen Verlust von fast 1 Mio. Euro abschließen. Ungeachtet dessen will man 3 Mio. Euro an die Stadt Flensburg abführen.

Es war schon bitter, als gestern Stadtwerke-Chef Maik Render die Zahlen für das Geschäftsjahr 2011 der Stadtwerke Flensburg bekannt gab. Zwar haben die Stadtwerke mit ihrem Kerngeschäft im letzten Jahr ein positives Betriebsergebnis in Höhe von 14,5 Mio. Euro erwirtschaftet. Gleichzeitig stieg der Umsatz im Konzern um 7,2% von 319,3 auf 345,6 Mio. Euro. Im Energiegeschäft Strom, Fernwärme und Wasser der Stadtwerke Flensburg GmbH kletterte der Umsatz sogar um 25,3 Mio. Euro von 300,9 auf 326,2 Mio., was einer Steigerung von 8,4% enstpricht. Das gute Ergebnis dort wurde jedoch durch millionenschwere Abschreibungen auf Finanzanlagen und Verluste bei den Töchtern, hier insbesondere bei der Stadtwerke-Beteiligungstochter FFE negativ belastet und führte zu einem Gesamtjahresfehlbetrag von 990 T€ im Einzelabschluss der Stadtwerke Flensburg GmbH. Unklar sind jedoch noch die Ergebniszahlen für den Stadtwerke Konzern, bzw. für die Töchter Hafenbetriebsgesellschaft, Flughafen, Aktiv-Bus etc.  Inwiewiet es hier noch böse Überraschungen gibt, bleibt abzuwarten.

Unabhängig vom Geschäftsergebnis erhält die Stadt Flensburg jedoch aufgrund des bestehenden Abführungsvertrages, wie im letzten Jahr, eine Vorabausschüttung in Höhe von 3 Mio. Euro von den Stadtwerken.

Gezählt sind aber wohl auch die Tage der FFE, die insbesondere Beteiligungen an den Trianel-Kohlekraftwerken Krefeld und Lünen, am Windpark Borkum sowie an weiteren kleineren, und ebenso verlustbringenden Unternehmen hielt. Zwar hat man das finanzielle Risiko durch Abschreibungen und die aktuelle Aufgabe von Beteiligungen, wie es bei den Stadtwerken heißt, jetzt auf Null reduziert, dennoch macht die derzeitige Unternehmenskonstruktion und der Geschäftsauftrag der FFE im Rahmen der neuen Strategie der Stadtwerke Flensburg nicht mehr viel Sinn.  Ähnliches gilt auch für die IT-Power und die Meish (Mehr zur neuen Beteiligungstruktur auch in der Folienpräsentation am Ende dieses Artikel)

Insofern wird aber auch deutlich, dass die Stadtwerke Flensburg durch Entscheidungen des ehemaligen Vorstandes und Aufsichtsrates offenbar zig Millionen Euro verloren haben. Noch nicht eingerechnet sind dabei die enormen Aufwendungen für das vom ehemaligen Stadtwerke-Vorstand um Matthias Wolfskeil und Ex-Aufsichtsratsvorsitzenden Peter Köhler angeschobene KWKplus-Projekt, das alleine mehr als 60 Mio. Euro verschlang. Bisher ist nicht klar, wann und in welchem Umfang KWKplus tatsächlich seine Kosten amortisieren kann. Insbesondere die angepeilten Einspar- und positiven Kosteneffekte durch den Einsatz sog. Sekundär- oder Ersatzbrennstoffe (EBS) und Holzhackschnitzel bei der Strom- und Fernwärmeproduktion können bis heute nicht dokumentiert werden. So wurden bisher auch nicht ansatzweise die beabsichtigten Mengenumsätze bei der Verbrennung von EBS und Holzhackschnitzeln erreicht. Lediglich knapp 32.000 Tonnen EBS und 4.400 Tonnen Holzhackschnitzel konnten im Jahr 2011 zur Strom- und Fernwärmeproduktion eingesetzt werden. Zwar führte das rein rechnerisch über CO2-Gutschriften  zu fast 48.000 Tonnen weniger CO2 als beim Einsatz von Steinkohle. Dennoch ist man immer noch meilenweit vom eigentlichen Ziel entfernt. So  war im Rahmen des KWKplus-Projektes für das Jahr 2012 ursprünglich geplant, bereits 35% der Kohle durch EBS (Substitutionsanteil 25%) und Holzhackschnitzel (Substitutionsanteil 10%) zu ersetzen. Das entspräche einem Gesamteinsatz von etwa 16o.ooo Tonnen EBS und Holzhackschnitzeln. Damit sollte sich der Kohleeinsatz bereits in diesem Jahr um knapp 90.000 Tonnen verringern. Ob das wirklich nach den vorliegenden Zahlen aus 2011 jemals erreicht wird, kann man wohl mit Fug und Recht bezweifeln.

Eines tröstet zumindest etwas darüber hinweg: Mit Beginn des Projektes zum Ersatz zweier alter Kohlekessel und der auch von AKOPOL befürworteten Investition von 128 Mio. Euro in eine neue, moderne Gas- und Dampfturbinenanlage wird das Flensburger Kraftwerk den Schadstoffausstoß ab dem Jahr 2016 noch deutlicher senken können. Ebenso trägt der Bau eines Elektrodenheizkessels, in dem „unverkäuflicher“, von den Stadtwerken produzierter Strom wie in einem Tauchsieder Wasser erhitzt, das zusätzlich über Wärmespeicher der Fernwärmeerzeugung dient, ab Herbst 2012 zur nachhaltigen Verbesserung der Schadstoff- und CO2-Bilanz der Stadtwerke bei.

Insgesamt haben wir jedoch den Eindruck, dass der neue Vorstand der Stadtwerke um Maik Render und seine Kolleginnen und Kollegen wirklich alles tun, um die Stadtwerke Flensburg wieder als solides und zukunftsfähiges kommunales Unternehmen aufzustellen. Die AKOPOL-Fraktion wird diese Bemühungen daher mit allen Kräften politisch und sachlich unterstützen.

Und insofern hoffen wir abschließend, dass Maik Render mit seiner Beurteilung der Zukunftsaussichten der Stadtwerke recht behält: „Die Stadtwerke mussten in den letzten beiden Jahren mehr als 15 Mio. Euro auf Finanzanlagen bzw. Beteiligungen abschreiben. Damit haben wir in den vergangenen 12 Monaten alle erkennbaren Risiken und ergebnismindernden Faktoren der Beteiligungen berücksichtigt, so dass wir im laufenden Geschäftsjahr keine Auswirkungen dieses Ausmaßes zu erwarten haben. Wir hatten in den beiden letzten Jahren keine Wahl diese schmerzlichen und einschneidenden Veränderungen im Beteiligungsgeschäft vorzunehmen, viele dieser Beteiligungen sind seit Jahren defizitär: Die ergebnisbelastende Wirkung wird sich aber auf die Jahre 2010 und  2011 beschränken. Da das operative Kerngeschäft des Unternehmens gut da steht, zeichnet sich für das Jahr 2012 ein positiver Jahresüberschuss ab. Dies zeigt auch die Geschäftsentwicklung der ersten Monate dieses Jahres.“

Jörg Pepmeyer, AKOPOL-Fraktionsvorsitzender

Mehr und detaillierte Daten, Zahlen und Fakten zum Jahresabschluss 2011 der Stadtwerke Flensburg gibt es untenstehend

Hier geht´s zur Folienpräsentation des Jahresabschlusses der Stadtwerke Flensburg 2011: Stadtwerke Flensburg Jahresabschluss 2011

Hier geht´s zur Pressemitteilung der Stadtwerke Flensburg zum Jahresabschluss 2011http://www.stadtwerke-flensburg.de/home/unternehmen/presse/pressemeldungen/detailansicht/article/stadtwerke-flensburg-jahresabschluss-2011-gesundes-operatives-betriebsergebnis-in-zweistelliger.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=957&cHash=883731edd6

Zum Themenkomplex KWKpuls, MEISH, EBS und Müllverbrennung und der Zusammenarbeit der Stadtwerke Flensburg mit den Stadtwerken Neumünster auf diesem Gebiet ein aufschlussreicher Beitrag Stadtwerke Neumünster und Flensburg arbeiten enger zusammen unter: http://www.stadtwerke-neumuenster.de/data/unternehmen/presse/artikel/120113_swn_swf.php

Mehr AKOPOL-Artikel zum Thema Flensburger Stadtwerke auch unter: https://akopol.wordpress.com/category/stadtwerke-flensburg/

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Veröffentlicht am 22. Mai 2012 in Ökologie, Bildung, Daten und Zahlen, Flensburg News, Haushalt, Stadtwerke, Stadtwerke Flensburg, Wirtschaft und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Anfangs der 1930-ziger Jahre schrieb Tucholsky an seinen Verleger: „Macht die Bücher billiger, damit jeder Leser sie sich kaufen kann“… – 2012 müsste es lauten: MACHT EUREN STROM BILLIGER, DAMIT IHN JEDER sich LEISTEN KANN. Am 12. Dezember 2011 schrieben die Stadtwerke ihre Kunden aufgrund der Preiserhöhung von 22,06 Cent auf 24,03 Cent und mit der Erhöhung des Grundpreises von 6,32 euro auf 6,61 euro folgendermaßen an: “ Mit dieser Preiserhöhung geben wir Ihnen ausschließlich die gestiegenen Kosten weiter. Uns entsteht dadurch kein zusätzlicher wirtschaftlicher Vorteil“ – Also kein ZUSÄTZLICHER, außer den sowieso zusätzlichen wirtschaftlichen Vorteilen, gelle? Denn wie sonst sind 14,5 Millionen Ergebnisgewinne zu erklären? Wenn sich der Grundpreis von 6,32 Euro auf 6,61 Euro monatlich erhöht, ohne dass sich eine Serviceleistung dem Endkunden daraus ablesen ließe, ist das eine Abzocke ohne Mehrleistung. Der „Stromzähler“ in meinem Haus ist ein Mietobjekt der ehemals Schleswiger Stromwerke, für den bereits seit mehr als 50 Jahren monatlich Gebühren anfallen, das Ding hat sich doch zineszins- und zineszins mehrfach wirtschaftlich in diesem Sinne für die Stadtwerke Flensburg amortisiert. Der einjährliche und 2-minütige Besuch der Eon zur Ablesung des Zählers kann die 75,00 Euro allein für das Jahr 2011 gar nicht mehr wert sein, wandert aber in die Taschen der Energieerzeuger ab. So eine Abzocke für nichts.
    Energie-Großverbraucher wie z. B. VW sind von den Kosten der Netzbetreiber „befreit“, das ging in Minuten in Abstimmungen vor dem deutschen Bundestag über die Bühne, dafür haben die Stromlobbyisten dank Brüderle und Konsorten rechtzeitig gesorgt. DAS IST ABER EINE SAUEREI, denn die bezahlen die Kunden der Stadtwerke mit. Jeden Monat und jede Kilowattstunde, die sich so viele Einkommens-Schwache und Normalverdiener evtl. vom Mund absparen müssen. Keiner meutert hier rum, alle schlucken diese Selbstausbeutung ohne Widerspruch… – Während so manches Dach eines überversorgten deutschen (gerne Grüne und auch…- die anderen) Abgeordneten Solarzellen trägt, die ich – und ihr – und du – und wir alle finanzieren. DIE Energiewende bleibt eben ganz woander hängen, die Verluste der Stadtwerke durch Gier oder lustvolle Experimente der Ex“Fachleute“ der Stadtwerke, die völlig Pferdestärken (PS 225)-überlasteten, überteuerten „Dienstfahrzeuge“ von Herrn Wolfskeil (das Flensburger Tageblatt berichtete darüber) finanzieren wir alle ebenfalls mit, indem der Strompreis nicht sinkt, weil eigentlich Sonne, Wasser und Luft allen gehören (sollten) und eine Partizipation an diesen Elementen richtiger wäre. Wäre da nicht die eigentümliche neue Klasse, die sich Investoren nennen lassen. Der Stadtwerke Kunde schaut in die berühmte Röhre und sieht kein Licht am Ende des Tarif-Tunnels…

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  2. Jörg Pepmeyer

    Stadtwerke-Zahlen: Nur die halbe Wahrheit?

    Bei allem Wohlwollen, das die Mitglieder meiner Fraktion und ich gegenüber dem neuen Stadtwerke-Chef Maik Render hegen, bleibt ein kleiner Wermutstropfen angesichts der Bekanntgabe der Stadtwerke-Zahlen für das Geschäftsjahr 2011. Aus diesem Grund ein Nachtrag zu dem obigen Blog-Artikel: Kaum einem Leser der Artikel in der Tagespresse vom 22. Mai (Flensburger Tageblatt / Flensborg Avis) dürfte aufgefallen sein, dass lediglich der Verlust der Stadtwerke Gmbh von fast 1 Mio. Euro offiziell bekannt gegeben wurde. Außen vor blieben jedoch die Ergebniszahlen für den Stadtwerke Konzern, bzw. für die Töchter Hafenbetriebsgesellschaft, Flughafen, Aktiv-Bus etc. Und wie jeder interessierte und informierte Bürger weiß, hat ein Teil dieser Töchter in den letzten Jahren regelmäßig erhebliche Verluste eingefahren. Andererseits hatte ich bereits anlässlich eines Artikels der Flensborg Avis vom Februar 2011 den neuen Vorstand der Stadtwerke um eine komplette und transparentere Darstellung der Stadtwerke-Zahlen bei der öffentlichen Präsentation der Jahresabschlüsse gebeten. Also für die GmbH und den Konzern. Dass nun wieder nur die halbe Wahrheit präsentiert wird, ist äußerst bedauerlich. Die Mitglieder der AKOPOL-Fraktion wünschen sich deshalb nicht nur als vertrauensbildende Maßnahme, dass die Stadtwerke Flensburg diese Zahlen zeitnah und öffentlich nachreichen.

    Jörg Pepmeyer, AKOPOL-Fraktionsvorsitzender

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