Alternatives Wohn- und Kulturprojekt am Hafermarkt vor dem Aus? – Stadt Flensburg will Häuser verkaufen

„Haushaltsstabilisierung“ und ihre existentiellen Folgen?: Weil  die Stadt Flensburg bzw. deren Abteilung Kommunale Immobilien die Häuser verkaufen will, die fast 20 Jahre lang das Zuhause des alternativen Wohn- und Kulturprojekts am Hafermarkt waren, droht den Bewohnern der Rausschmiss und dem Projekt das Aus.

Die AKOPOL-Fraktion unterstützt das Anliegen der Bewohner des Wohnprojekts und veröffentlicht nachfolgend den

Brief der Bewohner des Wohn- und Kulturprojektes Hafermarkt an die Ratsfraktionen

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Rahmen eines am 26. 5. 2011 statt gefundenen Treffens zwischen uns (den Mitbewohnern des Wohn- und Kulturprojektes am Hafermarkt) und der Stadt Flensburg, vertreten durch den zweiten Bürgermeister der Stadt Flensburg Jochen Barckmannn und zwei freundlichen Vertreterinnen der städtischen Immobilienverwaltung, fühlte sich die Stadt dazu bemüßigt uns wie im folgenden näher beschrieben über unsere Wohnsituation aufzuklären.
Uns wurde erläutert, dass es ein Anliegen der kommunalen Immobilienverwaltung sei alle nicht von der Kommune benötigten Immobilien zu veräußern. Gegebenenfalls würde dies auch die von uns gemieteten Objekte Heinrichstr. 6 und Hafermarkt 6 betreffen. Dabei wurde uns angeboten die Gebäude eventuell selber zu erwerben.
Weiterhin wurde dargelegt, dass durch das jahrzehntelange Versäumnis der Stadt substanzerhaltende Maßnahmen durchzuführen, ein hoher Sanierungsbedarf an den von uns gemieteten Gebäuden entstanden sei. Eine Durchführung der aus Sicht der Stadt notwendigen Baumaßnahmen würde zu einer nicht unerheblichen Mieterhöhung führen.

Die dargestellte Sachlage nehmen wir als existenzielle Bedrohnung für unser Projekt wahr.
Ein Kauf der Gebäude erscheint uns finanziell nur unter sehr großem Aufwand durchführbar. Bei Veräußerung an eine dritte Person halten wir eine Sicherung des Fortbestandes unseres Projektes als höchst unwahrscheinlich.
Weiterhin würde es uns bei einer Mieterhöhung nicht mehr möglich sein, die Aufgaben unseres Vereins, die da wären einkommenschwachen jugendlichen alternativen Bevölkerungschichten, bezahlbaren Wohn- und Lebensraum zu bieten, zu erfüllen.

Unsere Form des Zusammenlebens ist in Flensburg so einzigartig. Seit nunmehr 20 Jahren leben hier Menschen unterschiedlichster sozialer und geografischer Herkunft und unterschiedlichen Alters auf gleicher Augenhöhe, das heißt hierarchiefrei dem Konsensprinzip folgend, zusammen. Hier leben und lebten Menschen aus Honduras, Macedonien, Polen, Groß Britannien, Norwegen, Italien, Dänemark sowie aus dem gesamten Bundesgebiet.
Kulturhistorisch betrachtet hat der größte Fortschritt der Menschheit immer dann stattgefunden wenn sich unterschiedlichste Kulturen gegenseitig friedlich beeinflussen konnten. Kein Ort in Flensburg bietet mit der selben Regelmäßigkeit Kulturveranstaltungen die von den verschiedensten Menschen aus Flensburg und Umgebung organisiert, durchgeführt und gestaltet werden. In den vergangenen Jahren trat bei uns eine Vielzahl von Künstlern aus aller Welt und ganz Deutschland auf. Darunter waren Künstler aus Brasilien, den USA, Israel, China, den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien, Japan, Griechenland, Polen, Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland, Belgien, Tschechien, Ungarn, Österreich, Schweiz, Russland, Spanien, Italien, Mexico, Argentinien, Australien, Kanada, Rumänien etc. etc.
Unser Projekt entstand Anfang der 90er-Jahre aus der Flensburger Hausbesetzerszene welche sich als eine Reaktion auf die schwerwiegende Wohnungsnot unter jungen Menschen begriff. Auch aktuell wird die Wohnungsuche für junge Menschen in Flensburg zunehmend prekär. Gerade in anbetracht der stetig steigenden Zahl an Studierenden in Flensburg wird die Suche nach bezahlbarem und lebenswertem Wohnraum wieder zunehmend brisant.
Darüber hinaus wird unser Projekt von vielen jugendlichen Reisenden aus aller Welt angesteuert, welche wir mit großer Gastfreundschaft und Solidarität empfangen. Auch einer Vielzahl von Wandergesellen dienen unsere Räumlichkeiten als Herberge in Flensburg.
Bei all dem halten wir stets an dem Prinzip totaler Profitlosigkeit fest. (Dabei können sie versichert sein, dass wir dabei privat meist noch obendraufzahlen!). Dadurch ist es uns bisher möglich gewesen den Wohn- und Lebens- als auch den Kulturbereich in einem auch für einkommenschwache Schichten bezahlbaren Rahmen zu gewährleisten.

Das die Verwalter dieser Welt aus Plastik, Glas, Beton und Stahl jede Form von Lebendigkeit ausradieren können ist uns nicht erst seit den Vorkommnissen in Kopenhagen, Berlin und Hamburg bewusst.
Ein Flensburg ohne das Wohn- und Kulturprojekt Hafermarkt ist für uns und unsere Unterstützer nicht vorstellbar und darf es unserer Meinung nach nicht geben.
Darum fordern wir, einen Beschluss der Stadt Flensburg der eine Veräußerung der von uns gemieteten Gebäude und eine Mieterhöhung verunmöglicht.

Bedenken sie bitte was der Stadt Flensburg bei einer Auslöschung unseres Projektes verloren gehen würde.
Gerne stehen wir ihnen mit weiteren Informationen zu unserem Projekt zur Verfügung. Wir würden uns sehr freuen uns persönlich mit ihnen Verbindung zu setzen zu können.

Flensburg lebendig halten! Hafermarkt bleibt!

Die Bewohner des Wohn- und Kulturprojektes Hafermarkt

Wohnprojekt Hafermarkt
Heinrichstr. 8
24937 Flensburg
http://hafermarktflensburg.de/ email: dominik.gruss@gmx.net
Tel.: 0177 2784664

Letzte Meldung: Stadt Flensburg dementiert Verkaufsabsicht!

Mehr zu diesem Thema und zu den „Missverständnissen“ in der Kommunikation zwischen den Bewohnern des Hafermarkt-Projektes und der Stadt Flensburg bzw. der KI in der Flensborg Avis vom 17.9.2011 unter: Flensborg Avis 17.9.2011 Hafermarkt

Ebenfalls zum gleichen Thema erschien in der Zeitung Blickpunkt Nr. 59 vom November 2011 der Artikel Hände weg vom Hafermarkt unter: Blickpunkt Nr. 59 Hafermarkt November 2011

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Veröffentlicht am 13. September 2011 in Flensburg News, Haushalt, Kultur, Soziales und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Alternatives Wohn- und Kulturprojekt Hafermarkt – richtig komisch finde ich,dass ich seit 10 Jahren gar nicht mitbekommen habe, dass sich so was Gutes hinter den Mauern befindet und dabei lese ich schon regelmäßig die Tageszeitung u. fahre mehrmals wöchentlich zu allen Zeiten daran vorbei. Wieso habe ich von euch nie etwas mitbekommen? Nur eben, dass die gesamte Heinrichstraße 8 stets nach außen hin verschlossen wirkte, wenn nicht sogar unbewohnt. Wenn es richtig ist, dass sich so viele Leute aus aller Welt dort regelmäßig treffen/aufhalten, hätte es lebendiger sein können. und zum Schluß: wieso hat seit Jahren niemand von euch (z.B.Wandergesellen) einen Topf Farbe in die Hand genommen oder hat auf andere bauliche Weise gezeigt, dass euch dieses Objekt lieb ist??? Habt ihr Versuche unternommen, Gelder für eure Jugend- u. Menschenverbindende Arbeit zu bekommen? Ich bin keineswegs gegen euch und wünsche euch den Erwerb dieser Anlage und die dringende Substanzerhaltung, die für manche Bürger wichtig ist, allein schon, weil sie Zeugnis ablegt über alte Flensburger Bau- u. Wohntraditionen. Entschuldigung, ich frage nur, weshalb ihr mindestens 10 Jahre lang nichts nach außen hin daraus gemacht habt. Sollte ich jetzt ganz falsch liegen, bin ich an eurer Sicht sehr interessiert.

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