Offener Brief – Flensburger Kulturschaffende wehren sich gegen Etat-Kürzungen

Haushaltseinsparungen gefährden Existenz der Kultureinrichtungen

Mit einem Offenen Brief wehren sich zahlreiche Kulturschaffende aus Flensburg gegen die beschlossenen Einsparungen im Kulturbereich der Stadt. Ihre besondere Kritik gilt dem Beschluss von CDU, SSW, SPD und Grünen im Zusammenhang mit dem Haushaltsstabilisierungspakt den Kulturetat um 170.000 Euro einzudampfen.

Ursprünglich war jedoch vereinbart worden, erst einen Kulturentwicklungsplan mit allen Kulturinstitutionen und freien Kulturgruppen zu erstellen, um dann über mögliche Einsparungen zu diskutieren. Somit bestätigt sich auch die Kritik der AKOPOL-Fraktion, dass es versäumt wurde, im Rahmen des HSP und der Haushaltsberatungen ein öffentliches Bürgerbeteiligungsverfahren durchzuführen. Die AKOPOL-Fraktion hat volles Verständnis für das Anliegen der Kulturschaffenden. Die AKOPOL-Fraktion fordert daher erst den Kulturentwicklungsplan fertig zu stellen und die Etat-Kürzungen im Kulturbereich und bei den freien Kulturträgern und –gruppen bis dahin auf jeden Fall auszusetzen. Hier nun der Offene Brief:

OFFENER BRIEF

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister der Stadt Flensburg Simon Faber,
sehr geehrter Kulturmanager Torge Korff,
sehr geehrte Fraktionsvorsitzende der im Rat vertretenden Parteien und sehr geehrte Mitglieder des Kulturausschusses

Am 24. Juni 2011 sind die Kultureinrichtungen Flensburgs eingeladen, sich gemeinsam mit der Kulturpolitik, Interessenverbänden, Bürgerinnen und Bürgern an einem Workshop zur Kulturentwicklung in Flensburg zu beteiligen.

Selbstredend haben wir als Kulturschaffende ein besonderes Interesse daran, an Lösungswegen einer zukunftorientierten Kulturpolitik in Flensburg mitzuwirken und die Rahmenbedingungen mitzugestalten, die eine lebendige Kulturlandschaft und die Eröffnung neuer Wege ermöglichen.
Gerade im Hinblick auf die Beteiligung an der Bewerbung Sonderburgs als Europäische Kulturhauptstadt 2017 erscheinen konkrete Perspektiven für Flensburg als Kulturstandort unerlässlich.
Kulturenwicklungsplanung ermöglicht zudem Planungssicherheit für die Kulturschaffenden und garantiert die Transparenz kulturpolitischer Entscheidungen. Und so hat gerade die Kulturszene in der Vergangenheit entsprechende Impulse gegeben und die Idee eines Kulturentwicklungsplanes für Flensburg vorangetrieben.
Das Kulturangebot ist eine der wichtigsten Ressourcen und ein wesentlicher Standortfaktor der Stadt Flensburg. Die kulturelle Vielfalt ist für eine Stadt dieser Größenordnung erstaunlich und spielt sowohl für die Lebensqualität als auch für die touristische Attraktivität der Stadt eine entscheidende Rolle. Diese Qualität zu erhalten und gewinnbringend weiterzuentwickeln heißt unter den Bedingungen einer sich verändernden Region aber auch, sich Herausforderungen zu stellen und veränderten Bedingungen planvoll zu begegnen.
Umso bedauerlicher erscheint uns daher, dass die Einladung zu diesem Workshop nach der Entscheidung des Rates vom 13. Mai 2011 erfolgt, den Kulturetat im Rahmen des Haushaltskonsolidierungspaktes um 170.000,- EUR zu kürzen.

Ein bekanntes Motto lautet: „Erst planen, dann Handeln.“ Weitreichende und zukunftsweisende Kulturplanung kann sich nicht an übereilte Kürzungsvorgaben halten, vielmehr müssen sich finanzielle Überlegungen an den Richtlinien einer Kulturentwicklungsplanung orientieren.
Die Kürzungen stellen für einige der Kultureinrichtungen Flensburgs eine massive Existenzbedrohung dar. Angst macht nicht kreativ, Existenzangst macht unfrei. Unter dem Druck der anstehenden Kürzungen lassen sich keine Visionen oder langfristige Perspektiven entwickeln. Mit dem Messer am Hals fällt es schwer zu formulieren, welchen Beitrag Kultur für die Stadtentwicklung Flensburgs leisten kann. Unter den Bedingungen von Konkurrenzangst ist es unmöglich, die Aufgaben unbefangen anzugehen. Vielmehr wird jegliche Offenheit und Kreativität von der Furcht davor erstickt, entweder sich selbst oder den anderen Kulturschaffenden ein Grab zu schaufeln.
Unter den jetzigen Voraussetzungen erscheint es uns daher unmöglich, an der Kulturentwicklungsplanung mitzuarbeiten. Auch der Zeitdruck durch das Ziel, einen Kulturentwicklungsplan bis Endes des Jahres erstellen zu wollen, stellt aus unserer Sicht ein Hindernis für eine erfolgreiche Arbeit dar.
Rein praktisch ist der gewählte Termin für die Mitwirkung der Kulturschaffenden außerdem denkbar ungünstig, da der Freitagnachmittag für fast alle Kulturschaffenden in die Kernarbeitszeit fällt. Schon ein kurzer Blick in den Veranstaltungskalender zeigt, dass mehrere Einrichtungen am 24. Juni mit einer Veranstaltung aufgeführt sind.
Wir erbitten daher hiermit ein Moratorium im Sinne eines Nichtvollzuges der Kürzungen (auch der neuen Kürzungsvorlage vom 17. Juni 2011) bis zum Abschluss des Kulturentwicklungsplanes. Wir bitten außerdem um eine Verlängerung des Zeitfensters sowie die Absetzung des ersten Workshoptermins, um mit dem notwendigen Freiraum – sowohl zeitlich als auch inhaltlich – einen konstruktiven Beitrag zu der dringend erforderlichen Kulturentwicklungsplanung für Flensburg leisten zu können.

Flensburg, 17. Juni 2011

Unterzeichnerinnen und Unterzeichner:

Axel Suhling, Thomas Gerri Christiansen&   Pia Knies, Volksbad e.V.
Elisabeth Bohde, Torsten Schütte& Lucie Morin, Theaterwerkstatt Pilkentafel
Peter Grisebach, Generalintendant und Geschäftsführer der
Schleswig-Holsteinischen Landestheater und Sinfonieorchester GmbH
Lothar Hugo Baur, Kunst und Kultur Baustelle 8001 e.V.
Marianne Gymnopoulos, Kunst und Co.
Claudia Mayer&   Harald Smorra, Kulturwerkstatt Kühlhaus
Christian Prasno, KKI Flensburg e.V.
Rainer Prüss (Historischer Hafen)
Jens-Peter Müller, folkBALTICA gGmbH
Katrine Hoop, Aktivitetshuset

Anliegend finden Sie die dänische Fassung als pdf-Datei Offener+BriefMoratoriumDK[1]

Zum gleichen Thema auch der Artikel Sparmaßnahmen in Flensburg – Der Kultur geht’s an den Kragen auf shz-online unter: http://www.shz.de/nachrichten/top-thema/article//der-kultur-gehts-an-den-kragen.html

Über akopol

Netzwerk für mehr Öffentlichkeit, Transparenz und Demokratie in Flensburg

Veröffentlicht am 18. Juni 2011, in Bürgerbeteiligung, Flensburg News, Haushalt, Kultur, Soziales. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: