Stadtwerke Flensburg: Öffentliche Dokumentation der KWKplus-Schadstoffwerte unvollständig

AKOPOL-Fraktion fordert öffentliche und umfängliche Dokumentation der Emissionswerte

Bereits im Jahr 2004 hatten sich die Stadtwerke Flensburg dafür entschieden, im Rahmen des KWKplus-Projektes zukünftig sogenannte Ersatzbrennstoffe, also aufbereiteten Gewerbemüll und Holzhackschnitzel in drei ihrer Kraftwerkskessel mit zu verbrennen. Im Zuge des Anhörungsverfahren für das Projekt, wie auch auf einer öffentlichen Veranstaltung in Glücksburg im Frühling 2006 hatte es zudem die Zusicherung der Stadtwerke-Verantwortlichen und des Vorstands gegeben, die KWKplus-Schadstoffwerte nicht nur regelmäßig dem Staatlichen Umweltamt in Schleswig mitzuteilen, sondern diese auch für die Öffentlichkeit einsehbar und kontinuierlich zu dokumentieren. Ausgangspunkt hierfür waren insbesondere die Bedenken des Kieler Toxikologen Dr. Hermann Kruse, der Glücksburger Gemeindevertretung und der „Bürgerinitiative gegen die Müllverbrennung im Heizkraftwerk Flensburg“ hinsichtlich der zukünftigen und möglicherweise gesundheitsgefährdenden Emissionen durch die Mitverbrennung von Müllbestandteilen. Als Beispiel für eine entsprechende Dokumentation wurde hierfür die Darstellung der Schadstoffwerte für die Thermische Ersatzbrennstoff-Verwertungsanlage (TEV) in Neumünster genannt (Messwertedarstellung unter: http://www.stadtwerke-neumuenster.de/data/energie/kraftwerk/tev.php )

Offensichtlich scheint man bei den Stadtwerken in Flensburg von der im Jahr 2006 gegebenen Zusicherung nicht mehr viel zu halten. Denn halbwegs kontinuierliche Messwerte gibt es auf der KWKplus-Homepage der Stadtwerke Flensburg nur für 2008 und bis April 2009 (siehe unter: http://www.kwkplus.de/index.php?menuID=12&pageID=37 und http://www.kwkplus.de/pdf/Emissionswerte_Kessel_9_10_11-2010.pdf ). Für 2010 ist lediglich für die Kessel 10 und 11 ein Monatswert für Oktober angegeben, Kessel 9 war nicht im Betrieb. Für 2011 gibt es überhaupt keine Werte. Ebenso gibt es keine Darstellung der Jahresmittelwerte für 2009 und 2010. Bei allen angegebenen KWKplus-Messwertreihen fehlen jedoch insbesondere die Messwerte für die hochgiftigen Dioxine und Furane, für Quecksilber sowie die Schwermetalle der Gruppe A: Cd, Tl (Cadmium, Thallium); die Schwermetalle der Gruppe B: Sb, As, Pb, Cr, Co, Cu, Mn, Ni, V, Sn und die Schadstoffwerte der Gruppe C: As, Benzo(a)pyren, Cd, Co, Cr in mg/m³. Auffällig ist ebenso, dass die Messwerte für Schwefeloxide als SO2 mit 145,43 bzw. 122,98 mg/m³ im Oktober 2010 für die KWKplus-Kessel 10 bzw. 11 im Vergleich zum Jahresmittelwert 2009 der TEV Neumünster wie auch zum Wert der TEV für die Kalenderwoche 11 in 2011 um das Tausendfache (!!!) höher liegen. Der Jahresmittelwert 2009 für die TEV Neumünster: Schwefeloxide als SO2 = 0,113 mg/m³. Auch in den Jahren 2008 und 2009 liegt der Schwefeldioxid-Ausstoß für die Flensburger KWKplus-Kessel bei ähnlich hohen Werten, wie im Oktober 2010.

Hinsichtlich der Quecksilber- und Schwermetallbelastung lässt sich leider aufgrund der fehlenden Flensburger Daten jedoch kein Vergleich mit Neumünster anstellen. Interessant ist jedoch, dass die Stadtwerke Flensburg in der Flensburger Tagespresse am 27.03.2008 eine detaillierte Darstellung der Jahresmittelwerte 2007 für den Schadstoffausstoß im Rahmen des Einsatzes von Sekundärbrennstoffen im Heizkraftwerk Flensburg unter „Amtliche Bekanntmachungen“ veröffentlichten. Darunter auch die Werte für Dioxine und Furane, wie auch für Quecksilber und die Schwermetalle der Gruppen A, B und C.Warum dies nicht mehr geschieht, ist völlig unverständlich.

Die AKOPOL-Fraktion fordert daher den Vorstand, wie auch die Gesellschafterversammlung und den Aufsichtsrat der Stadtwerke Flensburg im Sinne einer umfänglichen Transparenz und Bürgerinformation auf, unverzüglich für eine regelmäßige, vollständige und öffentliche Dokumentation der Schadstoffwerte nicht nur der mit Ersatzbrennstoffen befeuerten Kessel zu sorgen, sondern darüber hinaus auch die bei der Kohleverfeuerung entstehenden Schadstoffe zu dokumentieren.

Nachtrag vom 1. April 2011:

Zwar haben nach Erscheinen dieses Blog-Artikels die Stadtwerke auf ihrer KWKplus.de-Seite die Messwerte für Nov./Dez. 2010 und Jan./Febr. 2011 hinzugefügt, aber dennoch fehlen weiterhin die oben genannten Jahresmittelwerte bzw. vollständige Monatswerte für 2008, 2009 und 2010 sowie die Messwerte für Quecksilber, Dioxine und Furane und für die Schwermetalle der Gruppen A, B und C.

Ebenso ist unverständliche, warum es auf der Homepage der Flensburger Stadtwerke keinen direkten Link zum KWkplus-Projekt und den entsprechenden Messwerten gibt. Wie sollen bitte schön BürgerInnen diese Informationen finden, wenn sie nicht wissen, dass diese nur auf einer externen Seite zu finden sind? Es gibt also hinsichtlich einer transparenten Informations- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadtwerke Flensburg noch viel zu tun.

Zum Thema erschien in der Flensborg Avis am 2.4.2011 der untenstehende Artikel von Dirk Thöming: Stadtwerke glemte at oplyse om røgværdier

 

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Veröffentlicht am 30. März 2011 in Ökologie, Daten und Zahlen, Flensburg News, Stadtwerke, Stadtwerke Flensburg und mit , , , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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