Ungerechter Fernwärmetarif

Leserbrief zu den Preiserhöhungen der Flensburger Stadtwerke von Jørgen Sørensen im Flensburger Tageblatt vom 21.12.2010

Nach nicht einmal einem Jahr kündigen die Stadtwerke wieder eine Fernwärmepreiserhöhung an. Erneut soll eine Grundpreiserhöhung den Stadtwerken hohe Gewinne sichern. Seit 2004 wurde der Grundpreis um fast 400 Prozent angehoben, in der gleichen Zeit stieg der Kohlepreis gerade mal um 50 Prozent. Trotzdem werden die steigenden Kohlepreise als Grund genannt. Die Stadtwerke behaupten besonders preiswerte Fernwärme zu liefern. Nachprüfen kann man das nicht, es gibt keinen öffentlich zugänglichen Fernwärmepreisvergleich. Vergleicht man die in Schleswig-Holstein zugänglichen Preise für ein modernes Reihenhaus, stellt man fest, dass die Wärme in Kiel und Neumünster rund 40 Prozent preiswerter ist. Nicht nur die falsche Zahlendarstellung durch die Stadtwerke ist skandalös, sondern auch die von keinem Kunden nachvollziehbare Berechnung der Grundpreis-Bemessungsgrundlage. Beim modernen Reihenhaus beträgt der Grundpreis rund 137Euro/kW (Stadtwerkeangabe 34,28 Euro/kW), es dürfte sich um den höchsten Grundpreis deutschlandweit, vermutlich sogar weltweit handeln. Aber damit endet der Skandal noch nicht! Schätzungsweise verrechnen die Stadtwerke über den Grundpreis 900 000 kW. In diesen kalten Tagen leisten die Stadtwerke höchstens rund 350 000 kW, wovon circa 50 000 kW allein zur Deckung der eigenen Netzverluste benötigt werden. D.h. die Stadtwerke rechnen zwei Drittel Leistung (rund 20 Mio. Euro) zu viel ab, ohne hierfür eine Gegenleistung zu erbringen. Es muss hervorgehoben werden, dass es sich um eine Abschätzung handelt, konkrete Zahlen veröffentlichen die Stadtwerke nicht.

Es geht jedoch nicht darum, die Erlöse der Stadtwerke zu reduzieren. Die Verluste aus den Management-Fehlentscheidungen müssen ausgeglichen werden und unsere Stadt benötigt auch dringend die Gewinnausschüttung der Stadtwerke. Aber man kann den Fernwärmetarif moderner gestalten und damit eine faire energiewirtschaftlich vernünftige Kostenverteilung erreichen. Heute haben die großen Fernwärmeverbraucher nicht nur günstige Kosten, sie haben darüber hinaus erhebliche Kostenvorteile, wenn sie sich energiewirtschaftlich falsch verhalten. Deshalb muss dringend eine Änderung nach skandinavischem Vorbild herbeigeführt werden mit konkreten wärmetechnischen Vorgaben, die bei Nichteinhaltung Strafgebühren verursachen und Bonuszahlungen bei Übererfüllung. Durch die Einführung eines modernen Wärmetarifs entstünden den Stadtwerken keine Nachteile.

Es ist an der Zeit, dass eine neue Geschäftsführung das Unternehmen auf die Zukunft vorbereitet.

Jørgen Sørensen

Mehr zum Thema Stadtwerke-Preiserhöhungen in der Tagespresse auch unter:

Die Stadtwerke erhöhen alle Energiepreise

Flensburger Tageblatt 10.12.2010 https://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/die-stadtwerke-erhoehen-alle-energiepreise-id2799206.html

Strom, Wasser und Wärme teurer

Flensborg Avis 10.12.2010

http://www.fla.de/?UNF=11&G=4359

Zum umstrittenen KWKplus-Projekt der Stadtwerke zwei weitere Artikel in der Tagespresse unter:

Stadtwerke afviser kritik af affaldsforbrænding

Flensborg Avis 07.12.2010

https://www.fla.de/?UNF=11&G=42e9

60-Millionen-Projekt – Akopol: Zweifel an Projekt KWK Plus

Flensburger Tageblatt 07.12.2010

https://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/akopol-zweifel-an-projekt-kwk-plus-id2794706.html

Zum Thema Stadtwerke auch ein etwas älterer Artikel aus dem „Blickpunkt“ Nr. 52, Februar 2010 mit dem Titel:

Stunde der Wahrheit: Stadtwerke in der Krise

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Veröffentlicht am 26. Dezember 2010 in Ökologie, Daten und Zahlen, Flensburg News, Stadtwerke, Stadtwerke Flensburg, Wirtschaft und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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