Offener Brief und Stellungnahme der freien Kulturträger in Flensburg

Untenstehend dokumentieren wir im Rahmen der Diskussion um den Erhalt der Flensburger Kultureinrichtungen die Stellungnahme der freien Kulturträger

Sehr geehrte Ratsfrauen und Ratsherren,
liebe Mitglieder des Finanzausschusses,

Die Sitzung des Kulturausschusses vom 17. November hat uns noch einmal verdeutlicht, das größere kulturpolitische Fragen nicht allein im Kulturausschuss sondern nur in der Ratsversammlung mit entsprechenden Vorentscheidung im Finanzausschuss getroffen werden können. Daher wenden wir uns mit diesem Schreiben an Sie, in der Hoffnung, uns damit in der Ratsversammlung Gehör zu verschaffen.

Die unterzeichnenden Kultureinrichtungen haben während der Kulturausschusssitzung bewusst auf das zugeteilte Rederecht verzichtet. Wie bereits in der Vergangenheit des Öfteren von uns präzisiert, geht es uns nicht darum, uns in einem solchen Forum als Einzeleinrichtungen zu profilieren und Einzelinteressen durchzusetzen. Wir haben gemeinsame Visionen von der Bedeutung der Kultur für die Stadt Flensburg und verfolgen diesbezüglich gemeinsame Ziele.

Gleichwohl sind wir sowohl inhaltlich als auch organisatorisch eigenständig und decken völlig unterschiedliche kulturelle Bereiche ab. Wir möchten daher auch in Bezug auf unsere Inhalte und Finanzpläne unabhängig voneinander bewertet werden. Wir wünschen uns mit Respekt gegenüber der von uns geleisteten Kulturarbeit für die Stadt begegnet zu werden, in dem wir in unserer Eigenart beurteilt und nicht auf einer gemeinsamen Strichliste aneinander gemessen und gegeneinander ausgespielt werden.

In der jetzigen fast verfahrenen und zugespitzten Situation betrachten wir es als einen positiven Aspekt, dass die Dringlichkeit einer Klärung der Zukunftsperspektiven für unsere Einrichtungen in der vergangenen Kulturausschusssitzung deutlich hervorgetreten ist. Die Debatte hat eindrucksvoll veranschaulicht, in welcher dramatischen Situation sich die freie Kultur in Flensburg seit Jahren befindet.

Der Kulturausschuss hat verstanden, dass die Sparvorhaben nur mit großen Verlusten umzusetzen sind, und sich dagegen ausgesprochen. Auch die Rücknahme eines entsprechenden Antrages der Verwaltungspitze durch Herrn Bürgermeister Brüggemann sehen wir als einen der positiven Aspekte dieser Kulturausschussitzung.

Wir erhoffen uns von der Flensburger Politik neben eines eindeutigen Bekenntnisses zur angestrebten Kooperation mit Sonderburg in der Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2017 auch entsprechende Entscheidungen, die die Vielfalt und Lebendigkeit der Flensburg erhalten und fördern. Kürzungsentscheidungen sind der denkbar schlechteste Beitrag.

Wir erwarten außerdem ein Ernstnehmen des deutlichen Votums der Bürgerinnen und Bürger bei der Oberbürgermeisterwahl im vergangenen Jahr für die Profilierung der Stadt Flensburg als Kulturstadt.

Wir appellieren für eine Absicherung der Kulturarbeit in Flensburg und somit die Ausräumung der Hindernisse für eine kreative und sachdienliche Arbeit an dem dringend notwendigen Kulturentwicklungsplan – frei von blockierenden fiskalischen Vorentscheidungen. Uns ist dabei bewusst, dass Reformen in der Folge eines Kulturentwicklungsplanes Kosten mit sich bringen.

Die so oft als „notwendig“ bezeichneten Sparmaßnamen wenden jedoch nicht per se Not ab, können der städtischen Infrastruktur aber erheblichen Schaden zufügen. Investitionen in die Kultur bedeuten hingegen die Schaffung von vielschichtigem Mehrwert und somit eine Investition in die Zukunft unserer Stadt und Region.

Gezeichnet
Theaterwerkstatt Pilkentafel gGmbH
gemeinnützigen GmbH folkBALTICA
Kulturwerkstatt Kühlhaus e.V.
Kultur und Kommunikationszentrum Volksbad e.V.

Eine Kopie dieses Schreiben geht zur Kenntnis an die Mitglieder des Kulturausschusses, das Kulturbüro, den Kulturmanager und den Oberbürgemeister der Stadt Flensburg sowie der Kulturredaktion des Flensburger Tageblattes und der Flensborg Avis

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